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Sehr ernst, aber nicht hoffnungslos

Das Robert-Koch-Institut und die Bundesärztekammer raten zur Einhaltung der bekannten AHA-L-Regeln

  • Von Markus Drescher
  • Lesedauer: 4 Min.

Die Zahlen steigen scheinbar unaufhaltsam: Am Donnerstagmorgen vermeldete das Robert-Koch-Institut (RKI) erstmals seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie mit 11 287 Fällen einen fünfstelligen Zuwachs der Neuinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus binnen 24 Stunden. Die Sieben-Tage-Inzidenz (Infektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen) liegt laut RKI bundesweit bei 56,2 Fällen - vor zwei Wochen habe sie noch bei 20,2 Fällen gelegen, im Juni bei drei Fällen, so RKI-Präsident Lothar Wieler am Donnerstag.

Bund und Länder, in deren Verantwortung die allermeisten konkreten Anti-Corona-Maßnahmen liegen, versuchen dem zunehmend außer Kontrolle zu geraten scheinenden Infektionsgeschehen mit einer Vielzahl von Regeln und Einschränkungen beizukommen. Für manche sind es zu viele.

So erklärte Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) der n-tv-Sendung »Frühstart«: »In der Tat ist es sehr ärgerlich, wenn quasi im Wochentakt neue Regelungen verkündet werden und man den Bürgerinnen und Bürgern immer wieder neu erklären muss, dass das, was die Frau Bundeskanzlerin in der Talkshow gesagt hat, nicht automatisch auch Gesetzeskraft in einem Bundesland oder einer Kommune hat«, so Kufen. Er wünschte sich hingegen »einen längerfristigen Zeitplan« und kritisierte zudem, dass die Ministerpräsidenten oftmals kurz nach den Konferenzen wieder neue Maßnahmen forderten: »Das hätte man ja auch mal am Tag vorher klären können. Das führt zu einer zusätzlichen Verunsicherung.«

Ein Ministerpräsident, der sich in der Coronakrise besonders hervortut mit der schnellen Abfolge von Forderungen und Maßnahmen, ist Markus Söder (CSU). Zu dessen Vorstoß, für Bayern eine neue »dunkelrote« Warnstufe für Regionen mit sehr hohen Corona-Zahlen einzuführen, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy: »Die Menschen müssen noch mitkommen bei dem was wir tun. Das System der Regeln und Beschränkungen muss verständlich sein.«

Die Eindämmung des Coronavirus - und der erneute Herbst-Anstieg

Sehr simpel und leicht zu merken hingegen sind die Regeln, die einzuhalten das RKI der Bevölkerung dringend empfiehlt, um das Infektionsrisiko zu verringern und die weitere Virus-Ausbreitung zu verlangsamen. Die Situation sei inzwischen »insgesamt sehr ernst geworden«, erklärte Wieler am Donnerstag. Es sei damit zu rechnen, dass sich das Virus regional weiter stark und »sogar unkontrolliert ausbreiten kann«. Angesichts der Entwicklung komme es nun mehr denn je darauf an, dass alle stets die AHA+L-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken und Lüften) einhalten. »Derzeit haben wir noch die Chance, die weitere Ausbreitung des Virus zu verlangsamen«, so Wieler. »Wir sind nicht machtlos.«

Auch die Bundesärztekammer empfiehlt Menschen, die nicht zu einer Risikogruppe gehören, in einer Mitteilung, »in allen Situationen, in denen kein ausreichender Abstand gewahrt werden kann, zum Beispiel in geschlossenen Räumen oder im öffentlichen Nahverkehr, das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes« als »sinnvoll«. Im Übrigen gelte es, »die Dinge zu tun, von denen wir wissen, dass sie helfen: Abstand halten, Lüften, Händewaschen und Menschenansammlungen meiden, die sogenannten AHA-C-L-Regeln. Deshalb werben wir weiter intensiv für die Nutzung der Corona-Warn-App.«

Das Infektionsgeschehen verortet das RKI vor allem im privaten Umfeld und bei privaten Begegnungen, weshalb die Beschränkungen für private Feiern und Zusammenkünfte in geschlossenen Räumen in die richtige Richtung gingen, so Wieler. Ausbrüche in Verkehrsmitteln, in Schulen oder bei Übernachtungen hingegen spielten keine große Rolle. Betroffen von Ansteckungen sind Wieler zufolge weiterhin vor allem jüngere Menschen. Alten- und Pflegeheime seien heute besser geschützt als bei der ersten Welle im Frühling. Bei einer weiteren Verbreitung des Virus sei aber damit zu rechnen, dass auch dort die Infektionszahlen wieder stiegen und in der Folge auch die Todesfälle.

Anders als in der letzten Zeit häufig kolportiert, sind die Corona-Schutzmaßnahmen unter jungen Menschen aber durchaus akzeptiert, zumindest laut der am Donnerstag veröffentlichten Jugendstudie der Tui-Stiftung. Demnach hielten 52 Prozent der 1011 vom Meinungsforschungsinstitut YouGov befragten Personen zwischen 16 und 26 Jahren die Maßnahmen für angemessen, 83 Prozent hielten sie nach eigenen Angaben ein, zwei Prozent missachteten sie, so die Studie. Mit Agenturen

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