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+++ Gesundheitsämter in mehreren Städten wegen Corona überlastet +++

Der Newsblog zur Coronakrise - Freitag, 23. Oktober 2020: +++ Gesundheitsämter in mehreren Städten überlastet +++ Rund 2000 Bundeswehr-Angehörige im Corona-Einsatz +++

Soldaten der Bundeswehr helfen im Gesundheitsamt Hamburg-Eimsbüttel bei der Kontaktaufnahme zu gemeldeten Infizierten oder zu Kontaktpersonen von Infizierten.
Soldaten der Bundeswehr helfen im Gesundheitsamt Hamburg-Eimsbüttel bei der Kontaktaufnahme zu gemeldeten Infizierten oder zu Kontaktpersonen von Infizierten.

Berlin. Gesundheitsämter in mehreren deutschen Städten sind wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen überlastet. Sie könnten in einer ganzen Reihe von Städten nicht leisten, was anzustreben sei, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Sie könnten also nicht in jedem Fall die Kontakte der Betroffenen nachvollziehen. Auch in Teilen Berlins sei das zu erleben.

Seibert mahnte die Bevölkerung zu strenger Einhaltung des Infektionsschutzes: »Wir sind nicht machtlos, wir haben es in der Hand, diesen Trend zunächst einmal zu stoppen und umzukehren.« Warnungen vor 20 000 Neuinfektionen pro Tag und einer außer Kontrolle geratenden Lage wollte sich die Bundesregierung nicht anschließen. Seibert wies darauf hin, »dass man die Sache sicher auch regional und lokal betrachten muss«.

Die Eindämmung des Coronavirus - und der erneute Herbst-Anstieg

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hatte für den Fall eines weiteren Anstiegs gewarnt, bei 20 000 Neuinfektionen am Tag gerate die Lage außer Kontrolle. »Dann wäre es für Gesundheitsämter nicht mehr möglich, die Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen«, sagte er der »Rheinischen Post« (Freitag). Die Gesundheitsämter hatten zuletzt 11 242 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am frühen Freitagmorgen bekanntgab. Eine Woche zuvor waren es erst 7334.

Covid-19: Wie weit bis zu neuen Maßnahmen* in den Landkreisen?

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums sagte: »Es hat jetzt wenig Sinn, bestimmte Kennzahlen in den Raum zu werfen, die Neuinfektionen für ganz Deutschland betreffen.« Klar sei aber, dass es ab einer bestimmten Inzidenz schwer werde, die Kontakte nachzuvollziehen. Mit Inzidenz ist gemeint, wie viele Menschen sich anstecken. So gibt etwa die Sieben-Tage-Inzidenz an, wie viele Menschen sich etwa in einem Landkreis in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus nachweislich infiziert haben. Gemessen wird dies an Fällen je 100 000 Einwohner.

Weiter Lücken gibt es bei der Corona-Warn-App. Nicht alle Labore sind angeschlossen, wie aus den Angaben des Gesundheitsressorts und Seiberts hervorgeht. Allerdings seien mittlerweile 148 von 165 Laboren angeschlossen und hätten millionenfach Testergebnisse übermittelt, teilte Seibert mit. Der Tagesdurchschnitt der Downloads sei deutlich angestiegen, auf zuletzt 20,4 Millionen.

+++ Dänemark schließt Grenzen für deutsche Urlauber +++

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen schließt Dänemark seine Grenze für Urlauber aus Deutschland. Ab Samstag dürfen Menschen aus Deutschland nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin vom Donnerstag nur noch einreisen, wenn sie einen wichtigen Grund haben. Ausnahmen gelten für Bewohner von Grenzregionen, darunter Reisende mit Wohnsitz in Schleswig-Holstein. Das dänische Nachbarland verzeichnete am Donnerstag mit 760 Corona-Neuinfektionen selbst einen neuen Rekord.

Die Regierung erwäge nun schärfere Beschränkungen, sagte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Donnerstag in Kopenhagen. »Ich bin zunehmend besorgt.« Die Pandemie breite sich rasch in ganz Europa aus, das nun zum Epizentrum geworden sei.

Am Montag lag die Zahl der Neuinfektionen in Dänemark noch bei rund 450, am Mittwoch stieg sie auf 630. Sollte sich dieser Trend nicht innerhalb von »zwei oder drei Tagen« umkehren, würden neue und schärfere Beschränkungen eingeführt, hatte Gesundheitsminister Magnus Heunicke bereits am Dienstag gewarnt. Demnach könnte die Teilnehmerzahl bei Versammlungen, die derzeit bei 50 liegt, reduziert und die Maskenpflicht ausgeweitet werden.

Insgesamt haben sich in Dänemark mit seinen 5,8 Millionen Einwohnern bislang mehr als 37.700 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, rund 690 von ihnen starben. Die Zahlen in Grönland und auf den Färöer-Inseln sind darin nicht enthalten. Im Vergleich zum Rest Europas zählt Dänemark damit zu den weniger betroffenen Ländern der Corona-Pandemie.

Deutschland erwägt derzeit keine Grenzschließungen wegen Corona. »Die Wiederanordnung von vorübergehenden Grenzkontrollen wird derzeit nicht erwogen«, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Freitag in Berlin.

Das Auswärtige Amt sieht den Schritt der Behörden in Dänemark am Freitag skeptisch. Nach Einschätzung von Außenminister Heiko Maas (SPD) habe sich schon im Frühjahr gezeigt, dass Grenzschließungen »nicht in unser aller Sinn« seien - wegen der Folgen für den Warenverkehr und die Störungen des Verkehrs, sagte eine Sprecherin am Freitag. Letztlich sei es Sache der europäischen Länder, Maßnahmen zu ergreifen, die sie für richtig erachteten.

+++ Rund 2000 Bundeswehr-Angehörige im Einsatz gegen Corona-Pandemie +++

Die Bundeswehr ist derzeit mit knapp 2000 Angehörigen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie im Einsatz. Das sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der »Rheinischen Post« (Freitag). Sie gehören zum Einsatzkontingent »Hilfeleistung gegen Corona«, das über insgesamt 15 000 Soldaten verfügt. Allein in Gesundheitsämtern aller Bundesländer helfen derzeit 1561 Soldaten bei der Nachverfolgung von Infektionsketten, bei der Entnahme von Abstrichen oder an Teststationen. Zudem leisten Soldatinnen und Soldaten Unterstützung bei Testungen von Reiserückkehrern sowie mit mobilen Covid-19-Teststationen.

Insgesamt liegen derzeit 1141 Unterstützungsanfragen vor. Es sei »mit weiteren Bewilligungen und somit aufwachsender Unterstützung durch die Bundeswehr zu rechnen«, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Erneut mehr als 11.000 Corona-Infektionen an einem Tag registriert

Die Zahl der registrierten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland hat am zweiten Tag in Folge bei mehr als 11.000 gelegen. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitagmorgen unter Berufung auf die Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden am Vortag 11.242 neue Ansteckungsfälle erfasst. Dies waren 45 weniger als am Mittwoch, als der bisherige Höchstwert bei den täglich verzeichneten Neuinfektionen mit dem Virus in Deutschland ermittelt worden war.

Die Zahl der insgesamt seit Beginn der Pandemie in Deutschland erfassten Infektionsfälle stieg laut RKI bis Donnerstag auf 403.291. Die Zahl der mit dem neuartigen Virus im Zusammenhang stehenden Todesfälle wuchs auf 9954 - 49 mehr als am Vortag. Die Zahl der Genesenen lag den Angaben zufolge bei etwa 306.100.

Das RKI hatte die Corona-Lage in Deutschland am Donnerstag als »sehr ernst« eingestuft. In einzelnen Regionen könne es zu einem unkontrollierbaren Ausbruch kommen, warnte Institutspräsident Lothar Wieler. Es bestehe jedoch die Chance, die weitere Ausbreitung des neuartigen Virus zu verlangsamen, fügte er hinzu.

Agenturen/nd

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