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Klimaschonend bis zum Abheben

Zwei Drittel der Fluggäste am BER sollen mit der Bahn kommen - die Anbindung ist hervorragend

»Der BER wird einer der am Besten mit der Bahn angebundenen Flughäfen weltweit sein«, erklärt Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin. Das sagt er am Sonntag auf einer Sonderfahrt mit der S-Bahn vom Bahnhof Charlottenburg zur neuen Endstation im Tunnel unter dem Terminal 1 des Hauptstadt-Airports BER. Diesen Montag nimmt die S9 den Betrieb dorthin auf. Vorerst allerdings nur zu Zeiten des Berufsverkehrs von 5.30 bis 9 Uhr sowie von 14.15 bis 18.15 Uhr. Damit sollen zunächst die zahlreichen Beschäftigten eine gute Anbindung bekommen. Am Donnerstag beginnt der Vollbetrieb bei der S-Bahn. Zusammen mit der S45 erreichen dann alle zehn Minuten die gelb-roten Züge den Bahnhof Flughafen BER - Terminal 1-2. Seit Sonntag heißt der bisherige Bahnhof Flughafen Berlin-Schönefeld Flughafen BER - Terminal 5.

8,6 Kilometer misst die Verlängerung der S-Bahn mit der neuen Zwischenstation Waßmannsdorf. Dutzende Schaulustige erwarten den Zug bereits auf dem kleinen Bahnhofsvorplatz. Finanziert hatte den Bau die Gemeinde Schönefeld. »Wir freuen uns sehr, dass der Bahnhof endlich eröffnen kann«, sagt der erst im Sommer gewählte Bürgermeister Christian Hentschel (Bürgerinitiative Schönefeld).

Angeleiert hatte den Bau sein Vorgänger Udo Haase, der nach 29 Jahren im Amt 68-jährig abtrat. Ursprünglich sollte damit die Anbindung als Messestandort verbessert werden. Doch wie es mit der dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie abgesagten Luftfahrtschau ILA überhaupt weitergehen wird, steht in den Sternen.

Für die S-Bahn ist die Verlängerung der beiden Linien wegen der angespannten Fahrzeugsituation weiter ein Kraftakt. »Für jede Linie benötigen wir nun einen Zug mehr im Betrieb«, sagt S-Bahnchef Peter Buchner zu »nd«. 14 Wagen zusätzlich also. Inzwischen sei die Lage aber soweit stabilisiert, dass es funktionieren werde. Rund ein Drittel der Lokführer der S-Bahn hat inzwischen die Berechtigung, auf dieser Strecke zu fahren. »Üben müssen wir den Betrieb dort nicht mehr«, sagt Buchner. Seit dem einst geplanten BER-Start 2011 sind Bahnhof und Eisenbahnstrecken dort betriebsbereit, seitdem fuhren auch regelmäßig Züge für sogenannte Belüftungsfahrten dorthin. Ansonsten hätte sich Feuchtigkeit im Tunnel gesammelt und die Technik hätte verrotten können.

»Die Bahn ist die Nabelschnur des Flughafens«, sagt Airportchef Engelbert Lütke Daldrup. Zwei Drittel der Fluggäste sollen auf der Schiene oder mit dem Bus kommen. So eine Quote erreichten nur wenige Flughäfen weltweit, zum Beispiel jener in Oslo. Damit falle zumindest die Klimabilanz der An- und Abreise günstig aus.

Wirklich schnell kommt man aus dem Zentrum mit dem Flughafen-Express FEX. Eine halbe Stunde dauert die Fahrt vom Hauptbahnhof mit Zwischenstopps in Berlin-Gesundbrunnen und am Ostkreuz. Er wird im Halbstundentakt fahren. Eine bis fünf Minuten länger dauert es mit den stündlich verkehrenden Linien RE7 und RB14. Aus Potsdam kommt man ohne Umstieg mit der RB22 in 48 Minuten zum BER. Die Intercity Linie Rostock-Berlin-Dresden stellt die einzige Fernverkehrsanbindung dar.

Auch das Busangebot wird deutlich ausgebaut. Die Linien X7 und X71 binden die BER-Terminals 1-2 und 5 im Fünf-Minuten-Takt an den Endbahnhof Rudow der U7 an. 21 Minuten Fahrzeit sind veranschlagt. Der X7 nimmt den Betrieb am 31. Oktober auf. Ab 8. November fährt der X71 von Rudow weiter zum U6-Endbahnhof Alt-Mariendorf. Zahlreiche weitere Buslinien binden viele Orte in der ganzen Region direkt an. Für die von Privatunternehmen betriebenen Linie BER1 zum Rathaus Steglitz und BER2 nach Potsdam werden allerdings happige Zuschläge zum VBB-Tarif fällig. Ob diese ausreichend Kundschaft finden, muss sich noch zeigen.

Zum Gelände des Flughafens Tegel fahren ab 8. November kaum noch Busse. Die Buslinie X9 wird ersatzlos eingestellt. Der TXL wird auch nicht mehr fahren, dafür wird der Takt der Linien 123 und 245 abschnittsweise verdichtet. Die Linie 109 vom Bahnhof Zoo wird im Zehn-Minuten-Takt nur noch bis Jakob-Kaiser-Platz fahren. Jede zweite Fahrt führt weiter bis zur neuen Endhaltestelle Urban Tech Republic am Rand des Flughafenareals.

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