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Erst Mensch und Tier, dann Golfplatz

Kommunale Wasserwirtschaft will eine klimarobustere Versorgung

  • Von Ben Balzereit
  • Lesedauer: 3 Min.
Bewässerungslandwirtschaft wie hier bei Bornheim im Rhein-Sieg-Kreis dürfte auch keine Option für die Zukunft sein.
Bewässerungslandwirtschaft wie hier bei Bornheim im Rhein-Sieg-Kreis dürfte auch keine Option für die Zukunft sein.

Der dritte Dürresommer in Serie hat den deutschen Wasserversorgern zugesetzt. Der Klimawandel macht sich mehr und mehr bemerkbar. Nun will der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) gegensteuern und legte am Mittwoch einen Sieben-Punkte-Plan vor, um besonders die Wasserwirtschaft für den Klimawandel zu rüsten.

Drei trockene Sommer in Folge hätten selbst dem bei Wasser gut versorgten Ruhrgebiet zugesetzt, berichtete Uli Paetzel, Vorstandschef von Emschergenossenschaft und Lippeverband am Mittwoch bei der Vorstellung des Plans. Paetzel: »Die Talsperren an der Ruhr waren dieses Jahr auf Rekordtief.«

Aber nicht nur Dürre, auch Starkregen samt Überflutungen gehören für den Spitzenverband zu den Klimaextremen der Zukunft. Die Herausforderungen des Klimawandels unterschieden sich regional, erklärte VKU-Chef Ingbert Liebing: An der Küste sorge der steigende Meeresspiegel dafür, dass immer mehr Salzwasser ins Grundwasser schwappe. In ostdeutschen Regionen und in Franken (Nordbayern) nage die Dürre an den Wasserreservoirs.

Wichtig sei es dabei, betonte Liebing mehrfach, statt aufwendiger Nachsorge im Klärwerk das Trinkwasser von vornherein sauber zu halten. Der VKU schlage dazu Anreize etwa für Pharmaunternehmen vor, damit diese auf den Einsatz schwer herausfilterbarer Inhaltsstoffe verzichteten. Zudem erwartet der Verband, dass die Kommunen im Dialog mit der Lokalwirtschaft Strategien für einen schonenderen Umgang mit Wasser entwickelten. An erster Stelle steht für Liebing dabei immer die öffentliche Wasserversorgung: »Erst Mensch und Tier, dann erst der Golfplatz.«

Bund und Länder haben, so der VKU weiter, den Wasserversorgern zunächst ausreichend Wasserrechte zur Verfügung zu stellen, um auch Dürreperioden zu überbrücken. Wie es nicht laufen soll, erlebte in diesem Sommer die niedersächsische Gemeinde Lauenau. Dort lief im August plötzlich kein Wasser mehr aus den Hähnen - die bisher genutzten Quellen im Deister-Höhenzug reichten nicht mehr aus. Über eine tiefen Grundwasserbrunnen verfügt die Gemeinde nicht. Seit 2017 läuft dort das Verfahren, um eine entsprechende Bohrung zu genehmigen.

Der VKU sprach sich auch für einen Ausbau des bestehenden Klimaschutz-Manager-Programms des Bundesumweltministeriums aus. Derzeit sorgen 80 kommunale Klimaschutzmanager dafür, dass auch die Wasserwirtschaft klimakonform agiert. Geht es nach dem Spitzenverband, soll deren Aufgabenbereich über den Klimaschutz hinaus verstärkt auf die Klimaanpassung ausgelegt werden. Nicht zuletzt erwartet der VKU eine solide Finanzierung. Vorsorge gebe es nicht zum Nulltarif, erklärte Liebing. Bund und Länder sollten ein Sonderprogramm Klimavorsorge auflegen. Das habe auch bereits das Umweltbundesamt empfohlen. Eine bundesweite Förderung sei wichtig, stellte der VKU-Chef klar, damit der Schutz vor den Folgen des Klimawandels keine Frage des Wohnorts wird.

Ein Vorzeigeprojekt gibt es schon im Ruhrgebiet: Die Industrieregion möchte zu einer »klimaresilienten Region mit internationaler Strahlkraft« werden. Der Wasserwerksverbund Emschergenossenschaft und Lippeverband will dazu eine zentrale Organisation mit über 20 Mitarbeitenden schaffen, die Kommunen hilft, sich »wassersensibel« auszurichten.

»Die Herkulesaufgabe Klimaanpassung kann im verdichteten Ruhrgebiet nur gelingen, wenn Kommunen gemeinsame Konzepte und Lösungen erarbeiten«, meinte Paetzel. Die konkreten Maßnahmen umfassen zum Beispiel Regenwasserversickerung, Flächenentsiegelung, Dach- und Fassadenbegrünung, Regenwasserzuführung zu Gewässern sowie das Einrichten von Flutflächen. 250 Millionen Euro stehen zunächst für das Projekt bereit.

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