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Tesla baut so leise, wie seine Autos fahren

Eine Probefahrt mit dem Model 3 in der Gegend von Grünheide, in der es dereinst montiert werden soll

  • Von Andreas Fritsche, Schönefeld
  • Lesedauer: 4 Min.
Ein Tesla Model 3 im Wald bei Grünheide
Ein Tesla Model 3 im Wald bei Grünheide

An der Ausfahrt des Gewerbegebiets zur Ludwig-Prandtl-Straße in Berlin-Bohnsdorf muss das Auto eine leichte Steigung überwinden. Das gelingt ihm mühelos, ohne Brummen des Motors. Nur ein ganz leises Surren ist zu hören. Das Auto verfügt über einen Elektroantrieb und scheint zu schweben. Anders als bei einem Verbrennungsmotor genügt es, den Gashebel anzutippen, dann saust es los. Es ist ein Tesla Model 3 in der Version Long Range, also mit besserer Batterie und damit größerer Reichweite. In dieser Ausstattung kostet das Auto etwa 58 000 Euro, in der Normalausführung rund 42 000 Euro. Das ist kein Pappenstiel. Aber der Hersteller rühmt sich, von der Konkurrenz sei ein vergleichbarer Mittelklassewagen mit Elektromotor nicht günstiger zu haben.

In Norwegen sind Elektroautos von Steuern und Maut befreit, dürfen in der Hauptstadt Oslo die Busspuren benutzen, kostenlos parken und umsonst ihre Batterien aufladen. Das Ergebnis dieser attraktiven Vergünstigungen: 60 Prozent der Neuzulassungen im Land entfallen inzwischen auf Elektroautos. Oslo ist voll davon und insbesondere von solchen der Marke Tesla. In den Randgebieten und im Umland der Stadt finden sich alle Nase lang stattliche Tesla-Autohäuser. Außerdem ist das dünn besiedelte Norwegen überspannt mit einem vergleichsweise dichten Netz von Tesla-Schnellladestationen, an denen eine leere Batterie innerhalb von 20 bis 25 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen werden kann. Deutschland und Berlin sind davon noch weit entfernt. Doch an einer Stelle in der Peripherie der Bundeshauptstadt ähneln die Bilder bereits den Verhältnissen in Oslo. Auf der Bundesstraße 96a und auf der Autobahn 13 bei Schönefeld sind auffällig viele Teslas unterwegs. Das liegt daran, dass sich ein bisschen versteckt an der nahen Ludwig-Prandtl-Straße eine Filiale des US-Konzerns befindet. Von dort starten interessierte Kunden zu 45-minütigen Probefahrten. Anschließend gibt es ein unaufdringliches Verkaufsgespräch in einem hypermodern eingerichteten Raum.

Elektromobilität aus dem Hause Tesla könne »ein Baustein« der notwendigen Verkehrswende sein, sagt Fritz R. Viertel, Landesvorsitzender des umweltbewussten Verkehrsclubs VCD. Viertel betont: »Ein Baustein.« Die alleinige Lösung könne es nämlich nicht sein, alle Autos mit Verbrennungsmotor durch solche mit Elektroantrieb zu ersetzen. Mobilität müsse insgesamt anders organisiert werden. Das Hauptaugenmerk richtet der VCD dabei auf den Öffentlichen Personennahverkehr. Fest steht, dass zur Verkehrswende die Energiewende gehört, da es ökologisch widersinnig wäre, Elektroautos mit Kohlestrom zu laden.

Tesla schickt sich indes an, von Berlin aus mehr Marktanteil in Europa zu erobern. Der Konzern und sein auf Zukunftstechnologien fixierter Boss Elon Musk sprechen immer von der Gigafabrik Berlin, obgleich das Autowerk vor den Toren der Stadt auf brandenburgischem Territorium in Grünheide entsteht - 24 Kilometer von der Filiale in Bohnsdorf entfernt. Im Frühjahr startete der Bau, bereits im Sommer 2021 soll die Produktion anlaufen. Schon in der ersten Ausbaustufe sollen 12 000 Beschäftigte bis zu 500 000 Fahrzeuge pro Jahr fertigen. Im Endausbau werden bis zu 40 000 Jobs verheißen.

Ob es wirklich so kommt und ob der extrem anspruchsvolle Zeitplan gehalten werden kann, steht in den Sternen, denen Elon Musk mit einem anderen Unternehmen, seiner Weltraumfirma SpaceX, näher rückt. Die Autofabrik in Grünheide hat es derweil mit irdischen Sorgen zu tun. Mitte Oktober hatte der kommunale Wasserverband Strauserg-Erkner (WSE) der Baustelle wegen einer offenen Rechnung über 15 000 Euro nach vergeblichen Mahnungen für einen Tag das Wasser abgestellt. Tesla hatte an der Form der Rechnung etwas auszusetzen und die Summe spät überwiesen. Weil der Betrag nicht mehr rechtzeitig auf dem Konto einging, drehte der WSE das Wasser ab.

Als Elon Musk dann vor einigen Tagen den Gesamtprojektleiter Evan Horetsky entließ, wurde vermutet, die Wasserrechnung sei der Grund dafür, obwohl es sich dabei doch um ein vergleichsweise geringes und schnell gelöstes Problem handelte. Allerdings verlangt Tesla viel. Bewerber sollen begründen, was sie Außergewöhnliches geleistet haben. Horetsky könnte da einiges aufzählen. So organisierte er den Bau einer Gigafabrik in China in Rekordzeit. Über den Grund für die Entlassung lässt sich nur spekulieren, weil Tesla Personalien nicht kommentiert und sich insgesamt ziemlich bedeckt hält.

So musste Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) wieder einmal in die Rolle des inoffiziellen Pressesprechers von Tesla schlüpfen. Steinbach kennt Horetsky persönlich und sagte: »Nein, es hat nichts mit der Wasserrechnung zu tun.« Mitzuteilen, was es sonst war, sei nicht seine Aufgabe. Der Wirtschaftsminister erwartet kaum eine Auswirkung der Ablösung des Projektleiters auf den Zeitplan. »Es geht bruchlos weiter auf der Baustelle.«

Leise surrt der Tesla Model 3 zum Ende der Probefahrt zurück zur Ludwig-Prandtl-Straße. Die Parklücken sind eng, doch das Auto findet seine optimale Position vollautomatisch. Ganz so von selbst klappt es mit der Autofabrik dann doch nicht.

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