Der Sport macht mobil

So sehr wie noch nie mischen sich US-Stars und die Ligen in den politischen Wahlkampf ein

  • Von Kristof Stühm und Thomas Häberlein
  • Lesedauer: 3 Min.

LeBron James im TV mit Barack Obama, in Interviews mit den großen Zeitungen und als Wahlkämpfer in den Sozialen Medien - wie kein zweiter Sportstar in den USA mischt der Basketballler im Kampf um das Weiße Haus mit. »Wir reden immer darüber, dass wir Veränderungen wollen - und jetzt haben wir die Möglichkeit dazu«, sagte James mit Blick auf diesen 3. November, den Tag der Entscheidung zwischen US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden. Für den 35-Jährigen geht es um alles, mit seiner Kampagne »More than a vote« (Mehr als eine Stimme) ruft James zum Wählen auf. Und natürlich ist Biden sein Favorit, Trump nannte er einen »sogenannten Präsidenten«.

Einfluss milliardenschwerer Klubeigner

Trump gegen Biden: So gespalten wie das Land ist auch der Sport. Es gibt Stars wie James oder den Stargolfer Jack Niklaus (pro Trump), die sich klar positionieren - und dann noch die milliardenschweren Klubbesitzer, die im Hintergrund ihren Einfluss geltend machen. Der US-Sport spricht sich in diesem Jahr sehr viel lauter gegen Trump aus als noch vor vier Jahren, die Bilder der Polizeigewalt gegen Schwarze wie George Floyd, Jacob Blake oder Breonna Taylor und die Massenproteste der Bewegung Black Lives Matter haben Spuren hinterlassen.

Steve Kerr, Trainer der Golden State Warriors, erinnerte an all die Vorwürfe wegen sexueller Belästigungen, die Anklagen wegen Rassismus und meinte: »Wenn Trump sich bei einem Unternehmen in den USA um eine Stelle bewerben würde, würde die Personalabteilung seine Einstellung ablehnen.« Fußball-Weltmeisterin Megan Rapinoe nannte Trump einen »Wahnsinnigen«. Und selbst Footballstar Tom Brady, lange ein Fan, distanzierte sich zuletzt vom Präsidenten.

Doch es gibt sie, die Stimmen für Trump. Niklaus, sagte etwa, der Republikaner mit dem riesigen Ego habe »seine Versprechen gehalten« und »für den Durchschnittsbürger gearbeitet«. Trump würde »vielen Familien im ganzen Land den amerikanischen Traum« bringen. Footballikone Brett Favre twitterte, Trumps »Stimme ist für das, was dieses Land großartig macht«, die »Rede- und Religionsfreiheit« sowie »hart arbeitende, steuerzahlende Bürger, die Polizei und das Militär«. Außerdem spenden wohl vor allem die milliardenschweren Klubbesitzer aus der eher konservativen NFL für Trump, doch öffentlich reden mögen nur die Wenigsten. Mutmaßlich auch deshalb, weil Biden in den Umfragen deutlich führt. Einige Spitzensportler und Klubchefs »stimmen dem Präsidenten möglicherweise heimlich zu«, analysierte das »New York Magazine«, doch niemand wolle auf der Seite eines Losers stehen. Wichtiger sei es, »nicht zu verlieren«.

Wählen gegen Rassismus

Keine der vier großen Ligen hat sich so klar für Biden positioniert wie die NBA, rund 80 Prozent der Spieler der Basketballliga sind schwarz. Spieler erzwangen Zugeständnisse der Klubchefs, dass etwa 20 Ligaarenen in Wahllokale umgewandelt werden. Eigentümer von Klubs aus anderen Ligen zogen nach. Mehr als 94 Millionen Amerikaner haben bereits ihre Stimme abgegeben, es wird eine Rekordbeteiligung erwartet. Vielleicht auch eine Folge des Aufrufs aus dem Sport: Geht wählen! Nicht nur Basketballlegende Michael Jordan meint, eine der »wichtigsten Möglichkeiten, systemischen Rassismus zu ändern, sind die Wahlen«. SID/nd

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