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Gefährliche Überbewertung

Ökonomen warnen vor neuer Finanzmarktkrise

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 2 Min.

Wie es konjunkturell weitergehen wird, steht derzeit ziemlich in den Sternen. Nur eins ist sicher: Die wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie machen gerade manch eine zu optimistische Prognose aus dem Sommer zunichte. So schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, dass die Maßnahmen zwar weniger auf das Bruttoinlandsprodukt drücken als im Frühjahr. Trotzdem dürften sie zusammen mit der Verunsicherung der Menschen wegen der steigenden Fallzahlen dazu führen, dass die Wirtschaftsleistung zum Jahresende um ein Prozent schrumpft.

Doch nicht nur die Pandemie und die beschlossenen Maßnahmen stellen für Ökonom*innen ein konjunkturelles Risiko dar. »Die strukturellen Risiken, denen das deutsche Finanzsystem ausgesetzt ist, haben in den vergangenen Jahren merklich zugenommen«, warnen Forscher*innen des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) vor dem Platzen von Spekulationsblasen in einer am Montag veröffentlichten Studie. Demnach sind die Preise für Immobilien und Wertpapiere trotz des Konjunktureinbruchs weiter gestiegen. »Eine Ausnahme seit Ausbruch der Corona-Pandemie bildet lediglich die Entwicklung der Preise für Gewerbeimmobilien«, schreiben die IMK-Forscher*innen.

Sie weisen daraufhin, dass bereits die letzten beiden Rezessionen 2000/2001 und 2008/2009 durch Einbrüche auf den Finanzmärkten ausgelöst wurden. Auch damals schon litten besonders Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen unter den Krisenfolgen. Ein Platzen von Spekulationsblasen würde also die Coronakrise verschärfen, weil dadurch Vermögenswerte ihren Status als Kreditsicherheit verlieren. Die Banken würden die Kreditvergabe weiter einschränken und auf offenen Forderungen sitzenbleiben. Gleichzeitig würden Investitionen und Konsum weiter zurückgehen.

Dabei sehen die Ökonom*innen bereits »ein deutliches Warnsignal für das Vorhandensein einer Immobilienpreisblase«, weil die Preissteigerungen zum Teil auf Kapitalanlagemotive, insbesondere von Vermögenden, und nicht allein auf die Nachfrage nach Wohnraum zurückzuführen sind. Auch sehen sie mit Sorge, dass vor der Pandemie viele Unternehmensanleihen mit schlechter Bonität auf den Markt gekommen sind. Gleichzeitig sind die Risikoaufschläge für diese Anleihen im Vergleich zu Staatsanleihen derzeit äußerst niedrig. Das deutet den IMK-Forscher*innen zufolge darauf hin, dass Anleger*innen Risiken unterschätzen. Unterdessen könnte die Blase aus vielfältigen Gründen und auf diversen Wegen platzen. Dies könne beispielsweise »durch eine weitere Eintrübung der wirtschaftlichen Aussichten, Gewinnwarnungen oder ein unerwartetes Anziehen der geldpolitischen Zügel ausgelöst werden«, warnt das IMK.

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