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Letzter Aufruf Hairport Lounge

Auf ihren Friseursalon am BER musste Berliner Ehepaar acht Jahre lang warten

  • Von Tomas Morgenstern, Schönefeld
  • Lesedauer: 4 Min.

Waschen, schneiden, föhnen. Der Service, den der neue Friseursalon Haiport Lounge am Flughafen BER zu bieten hat, spricht vor allem Kenner an: Farbtechniken wie Balayage, Granny Hair, Strähnen, Calligraphy Cut, Braut- und Hochsteckfrisuren. Auch die Nägel. Doch wer geht eigentlich ausgerechnet auf einem Flughafen zum Friseur?

Sevtap Ercan-Canaktepe und ihr Mann Murat, die Eigentümer der Hairport Lounge, schauen sich verwundert an. »Typische Kunden sind vor allem Geschäftsleute, viele Pendler aber auch VIPs, Politiker, Schauspieler und Journalisten«, sagt Sevtap. »Eilige Leute, die nach der Landung zu einem dringenden Meeting in die Stadt müssen.«

Sevtap hat von 2004 bis 2018 den »Coiffeur am Airport Tegel« in einer Nische des Terminal A geführt. »Der Salon hatte nur 14 Quadratmeter und nur drei Sitzplätze«, sagt sie. Im November 2011 ist sie für ihre Arbeit mit dem türkischen Unternehmerpreis »Vielfalt in der Arbeit« ausgezeichnet worden. Ihr Salon galt als Geheimtipp. Die 46-Jährige hat über die Jahre viele treue Stammkunden gewonnen, wie sie betont. Leute, die ihr 2018 zu ihrem deutlich größeren Salon »Hair Level« im Schweizer Viertel in Lichterfelde gefolgt seien.

Am Eröffnungswochenende des neuen Hauptstadtairports in Schönefeld hat für die Eheleute eine neue Zeitrechnung begonnen. Die Hairport Lounge, etwas versteckt im hinteren Teil der sogenannten Verteilerebene des Terminal 1 bei den Zugängen zum Flughafenbahnhof, ist ihr Schmuckstück geworden: In kühlem Grau-Weiß, mit viel Glas und Chrom, hell und stylish. Der blumengeschmückte Tresen hält für die Kunden Süßigkeiten bereit. Das bringe Glück, sagen beide.

Eigentlich hatten sie bereits am 12. Juni 2012 öffnen wollen. Sie hatten den Laden selbst ausgebaut - in den Estrich haben sie per Hand das Datum geritzt -, die Einrichtung war bestellt und bezahlt. Es hätte alles so gut gepasst, denn an jenem Tag hätten sie gemeinsam mit Verwandten, Freunden und den ersten Kunden auch gleich den zweiten Geburtstag ihres Sohnes Bakin feiern wollen. Doch fünf Wochen vor dem Eröffnungstermin hatte die Flughafengesellschaft alles abgeblasen.

Sevtap und Murat sind türkischer Abstammung. »Ich bin aber waschechte Berlinerin und in Moabit aufgewachsen«, sagt sie. Ihren Mann, im Südosten der Türkei geboren und als kleiner Junge mit den Eltern in die Schweiz ausgewandert, habe die Liebe nach Berlin gezogen. Die beiden haben sich über gemeinsame Freunde kennengelernt, da betrieb Murat noch ein Reisebüro. »Er hat mich dazu ›gezwungen‹, den Salon in Tegel zu übernehmen, ich wollte erst nicht, habe es aber nie bereut.« Heute führt sie den Salon, er kümmert sich um das Kaufmännische.

Als mit Baubeginn des neuen Hauptstadtairports die Tage von Tegel gezählt waren, wollten sie in Schönefeld neu durchstarten. »Wir haben uns an einer europaweiten Ausschreibung für einen Friseursalon beteiligt und Ende 2010 tatsächlich den Zuschlag bekommen«, erinnert sich Murat. Um so größer war der Schock, als sie im Mai 2012 per Mail von der geplatzten Eröffnung des Airports erfuhren. »In einem Telefongespräch hat uns dann das Centermanagement mitgeteilt, dass es damit in nächster Zeit nichts werde, vielleicht erst 2013«, so der 48-Jährige. Das habe sich dann Jahr für Jahr wiederholt - eine Entschädigung, ein Ausgleichsangebot habe es nie gegeben. Auch nicht, als sie die bereits bestellte Einrichtung mit erheblichen Einbußen wieder zurückgeben mussten.

»Wir waren aber von Anfang an entschlossen, das durchzuziehen. Wissen Sie, für meine Frau ist der Salon ja wie ein Baby. Sie hatte sich ja schon im Flughafen Tegel sehr wohlgefühlt.« Sevtap räumt ein, dass sie beide nicht damit gerechnet hätten, dass es am Ende so lange dauert. »Zeitweise haben wir fast die Hoffnung verloren, denn es war ja immer Thema, wenn wir bei Freunden waren und alle fragten, wann der Flughafen aufmacht.«

Für ihren Hairport haben sie ehrgeizige Pläne. »Wir werden hier sieben Tage die Woche in drei Schichten öffnen«, sagt Murat. 15 Mitarbeiter und Azubis wollen sie einstellen. »Für die nächste Zeit haben wir aber Kernöffnungszeiten von 9 bis 18 Uhr bekommen.« Wie es weitergeht, hänge von Corona ab, aber auch von der Entwicklung der Passagierzahlen. Dank der guten Verkehrsanbindung hoffen sie, bald Flughafenmitarbeiter und Leute aus der Umgebung als Kunden zu gewinnen. Der Clou ihres Salons folgt noch: »Mein Traum war immer eine Lounge, ein separater Raum für Businessleute und Prominente unter den Kunden«, sagt Sevtap. Ein Erholungsraum mit Massagesessel und einem Glas Champagner für die nicht ganz so eiligen Flugreisenden. Bis der BER brummt, wird sich das herumgesprochen haben.

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