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273 Tage warten auf den Anpfiff

Der neue Bundestrainer Alfred Gislason freut sich auf das erste Spiel mit den deutschen Handballern

  • Von Christoph Stukenbrock und Moritz LÖHR, Düsseldorf
  • Lesedauer: 3 Min.

Der geplante Einstand im Frühjahr? Abgesagt. Die Olympiaqualifikation im April? Ausgefallen. Die Olympischen Spiele im Sommer? Verschoben. Nach 273 Tagen im Amt hat das nervenzehrende Warten für Alfred Gislason nun endlich ein Ende. »Ich freue mich sehr auf dieses Spiel. Ich warte ja schon ewig, endlich loslegen zu können«, sagte der Bundestrainer der deutschen Handballer vor seinem Debüt. An diesem Donnerstag ist es soweit: Neun Monate nach seiner Inthronisierung als Nachfolger von Christian Prokop gibt der 61-Jährige im EM-Qualifikationsspiel gegen Bosnien-Herzegowina seine Premiere.

Keine Zuschauer, unbekannter Gegner

Der Rahmen ist alles andere als festlich, denn Zuschauer wird es in der Düsseldorfer Arena keine geben. Zudem reist der Gegner mit einer besseren Rumpftruppe an. »Manchmal ist es unangenehmer, wenn man gar nicht weiß, wer da kommt«, sagte Torhüter Johannes Bitter und betonte: »Es ist ein Länderspiel in Deutschland, das wir unbedingt gewinnen wollen, weil es eine Relevanz hat für die EM-Qualifikation.«

Die Bosnier, deren Antrag auf eine Spielverlegung aufgrund diverser Coronafälle im eigenen Team vom europäischen Dachverband EHF abgelehnt worden war, machten sich am Mittwoch mit zehn Feldspielern und einem Torhüter von Sarajevo aus auf den Weg ins Rheinland. »Ich finde das richtig komisch und unfair, aber wir müssen spielen«, sagte Flensburgs Torhüter Benjamin Buric vor dem Abflug.

Gislason, der wegen Quarantänemaßnahmen kurzfristig auf Andreas Wolff und Christian Dissinger verzichten muss, trifft die Corona-Pandemie seit seiner Amtseinführung mit voller Wucht. Und so viel steht fest: Die Sorgen werden ihn über die aktuelle Lehrgangswoche hinaus begleiten. Denn die Pandemie hat den Handball voll im Griff. Nicht weniger als zwölf Qualifikationsspiele mussten alleine in Europa in diesen Tagen verlegt werden. Da drängt sich zwangsläufig die Frage auf: Was wird aus der WM im Januar?

Gislason ist »immer noch ganz sicher«, dass das Turnier in Ägypten stattfinden wird: »Es soll eine Blase wie in der NBA geben, so dass alle Spieler und Funktionäre komplett abgeschottet sind. Ich gehe davon aus, dass sie es durchziehen werden und darauf hoffen, dass alle Mannschaften auch kommen.«

Kritik von Spielern

Doch vor allem aus Spielerkreisen sind kritische Töne zu vernehmen. Bitter berichtete am Dienstag von internen Diskussionen im Rahmen des aktuellen Lehrgangs. Natürlich wisse keiner, wie der Stand der Pandemie im Januar ist, »es kann auch noch schlimmer kommen«, meinte er: »Aber ich glaube, wenn eine WM in einer Bubble gespielt würde und da mit negativen Einreisetests gearbeitet wird, dann schafft man es, eine unglaublich hohe Sicherheit zu schaffen und das Risiko herunterzufahren.« Auch DHB-Vizepräsident Bob Hanning betonte, eine WM sei »viel einfacher und sicherer durchzuführen als die Spiele der Qualifikation.«

Die Angst bei Spielern und den KLubs aber bleibt. So macht sich Frank Bohmann angesichts zahlreicher, coronabedingter Spielverlegungen im internationalen Handball schon jetzt »große Sorgen« um die Durchführung der Mega-WM mit 32 Teams. »Das Problem sind die zahlreichen neuen sozialen Kontakte im Umfeld der Nationalmannschaften, das erleben wir ja jetzt auch in der EM-Qualifikation«, sagte der Bundesligachef. SID/nd

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