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FC Bayern mit breiter Brust ins Spitzenspiel

Nach dem spektakulären Sieg in Salzburg sind die Münchner Fußballer heiß auf Dortmund

  • Von Klaus Bergmann, Salzburg
  • Lesedauer: 4 Min.

Der deutsche Clásico begann für Hansi Flick gleich nach dem späten Torspektakel an seinem Jahrestag als Chefcoach des FC Bayern. »Die Vorfreude ist da«, verkündete der 55-Jährige. Und nach dem nächsten Willensakt seiner unermüdlichen Dauersieger um den von ihm zum »Mentalitätsmonster« ernannten Antreiber Joshua Kimmich beim 6:2 (2:1) gegen Red Bull Salzburg interessierten ihn auch die weiteren Entwicklungen im Vertragstheater um David Alaba nur am Rande. Flick winkte nach etlichen Nachfragen nur noch genervt ab. »Mir ist es wichtig, dass wir Ruhe in der Mannschaft und im Umfeld haben. Wir haben am Samstag ein schweres Spiel in Dortmund«, sagte er.

Für den Triple-Coach ist das Gebot der Stunde, den Zeitvorteil gegenüber Borussia Dortmund, das erst am Mittwochabend in der Champions League beim FC Brügge antreten musste, bestmöglich auszureizen. Das Auslaufen absolvierten die Münchner Profis darum noch im Regen in der Salzburger Arena. Nach der kurzen Busfahrt zurück nach München entließ Flick seine Vielspieler dann in einen freien Mittwoch. Auf der heimischen Couch sollten sie dem BVB bei der Arbeit zuschauen. »Jetzt erholen wir uns einfach mal. Und dann werden wir uns ab Donnerstag auf Dortmund vorbereiten«, kündigte Flick an. Der Spitzenreiter geht nach dem furiosen Vier-Tore-Endspurt im deutsch-österreichischen Meisterduell mit breitester Brust in das Topspiel der Bundesliga beim punktgleichen Tabellenzweiten.

Fürchterliches Festspiel

»Wir wollten hier unbedingt einen Sieg, damit wir Selbstbewusstsein haben fürs Wochenende«, sagte Jérôme Boateng, der mit dem Kopfballtor zum zwischenzeitlichen 3:2 die Schlussoffensive einleitete und anschließend wie Flick die Mentalität der eigenen Mannschaft rühmte. »Das zeichnet uns aus. Wir geben nie auf, wir wollen immer gewinnen«, sagte Boateng. Das galt auch gegen eine forsch aufspielende Salzburger Mannschaft, die dem Titelverteidiger fast 80 Minuten mächtig zusetzte und die nun 14 Spiele währende Münchner Siegesserie in der Königsklasse beinahe beendet hätte. Doch dann trafen Boateng, Leroy Sané, Robert Lewandowski und Lucas Hernández noch fast im Minutentakt. »Salzburgs Festspiel endete fürchterlich«, titelten die »Salzburger Nachrichten« fassungslos.

Flick startet nun mit einer grandiosen Einjahresbilanz von 44 Siegen in 48 Pflichtspielen und 160:41 Toren in sein zweites Jahr als Bayern-Coach. Der BVB war übrigens im November 2019 Flicks erster Gegner in der Bundesliga: Die Bayern triumphierten in München mit 4:0. »Wir waren sehr erfolgreich«, bewertete Flick bescheiden sein erstes, mit insgesamt fünf Titeln gekröntes Premierenjahr.

Im Fokus stand in seiner österreichischen Heimat natürlich auch David Alaba. Der 28-Jährige war als Abwehrchef extrem gefordert, sprechen wollte er anschließend nicht. Das tat dafür Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der nach dem vom Verein verkündeten Verhandlungsstopp eine Trennung zum Saisonende als logisches Szenario darstellte. »Ich weiß nicht mehr, wie wir zusammenfinden sollen. Wir haben ein Angebot vorgelegt, das wurde abgelehnt. Jetzt müssen wir uns natürlich auch damit beschäftigen, dass uns David verlassen wird«, sagte er.

Irrationales Business

Der Profifußball ist aber ein oft irrationales Business. Das zeigt die kaum für möglich gehaltene Wendung in der Personalie Boateng. Der Weltmeister von 2014 wollte mehrmals nur noch weg. Uli Hoeneß empfahl dem »Fremdkörper« erst vor einem Jahr »als Freund, den Verein zu verlassen«. Doch unter Flick ist Boateng wieder wichtig, in Salzburg »hat er uns den Weg geebnet für den klaren Erfolg«, so sein Förderer. Verrückt, aber wahr: Bei dem 32-jährigen Verteidiger scheint plötzlich sogar wieder eine Verlängerung des wie bei Alaba 2021 auslaufenden Vertrages denkbar. »Wir sind offen für Gespräche«, sagte Boatengs Berater Damir Smoljan am Mittwoch. Flick erklärt Boatengs Wandlung so: »Es hat was zu tun mit dem Training und seiner professionellen Einstellung. Er hat die letzten Monate an sich gearbeitet und richtig viel aufgeholt.« Acht Monate bleiben auch noch zu einer Art Boateng-Wende im Fall Alaba. Salihamidzic sagte in Salzburg einen Satz, der die Bayern-Bosse umtreibt und womöglich doch noch eine Kehrtwende auslösen könnte: »Wenn so ein Spieler den Klub ablösefrei verlässt, ist das ein Super-GAU.« dpa/nd

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