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Dortmund kommt näher

Beim 2:3 gegen den FC Bayern zeigt der BVB seine gewachsene Stärke

  • Von Daniel Theweleit, Dortmund
  • Lesedauer: 4 Min.

Tief betrübt war nur einer der Protagonisten, nachdem dieses wunderbare Fußballspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern zu Ende gegangen war. Als die Münchner ihren kostbaren 3:2-Sieg feierten, war Joshua Kimmich längst in der Kabine verschwunden - das Knie schmerzte, der Blick in die nähere Zukunft auch. Als der Nationalspieler in der 35. Minute infolge eines Zusammenpralls mit Erling Haaland auf dem Rasen lag, ließen sich allerlei Gedanken in seine offenkundige Verzweiflung hineininterpretieren: die Furcht vor einer Operation, vor Monaten ohne Fußball, sogar vor einem Verpassen der Europameisterschaft im kommenden Sommer. Am Sonntag bestätigte sich die Vermutung, Kimmich muss mit Verdacht auf einen Meniskuseinriss im rechten Knie operiert werden.

Die ganze Münchner Mannschaft war für einige Minuten geschockt, »man hat gemerkt, dass wir uns erst mal wieder finden mussten, nach der Verletzungsunterbrechung«, sagte Manuel Neuer nach der Partie. Zu diesem Zeitpunkt war die Laune des Torhüters aber wieder recht gut. Neuer war Teil eines prächtigen Bundesligaspektakels gewesen. Und wie fast immer, wenn die beiden Rivalen zuletzt aufeinandertrafen, gehörte er zu den Siegern. »Das Spiel war sensationell gut, und wir waren einfach etwas effizienter«, fasste Münchens Trainer Hansi Flick den Verlauf des Abends präzise zusammen.

Lucien Favre hatte das ähnlich gesehen. Aber der Trainer des BVB haderte auch, er schien kaum glauben zu können, was sich auf dem Platz ereignet hatte. »Wir haben so viele Torchancen gehabt«, sagte er mit einer Mischung aus staunender Bewunderung für die Offensivkraft seiner Mannschaft und Kummer über den Mangel an finaler Effizienz. An diesem Punkt unterschied sich auch dieses Topspiel deutlich von den Duellen aus der jüngeren Vergangenheit: Der FC Bayern ist derzeit defensiv verwundbar. Immer wieder rollten Angriffe auf das Tor der Münchner zu - und Marco Reus traf in der 45. Minute zur Führung, in vielen anderen Momenten fehlten nur Nuancen für weitere Treffer.

»Man sieht, ein paar Spieler sind gut mit ihrem rechten Fuß und nicht so gut mit dem linken«, sagte Favre und dachte dabei wohl an die wunderbare Torchance des Rechtsfußes Marco Reus, der in der Nachspielzeit einen Volleyschuss aus fünf Metern mit links über die Latte drosch. Und an die Möglichkeit des Linksfußes Erling Haaland, der kurz nach der Pause einen Querpass mit rechts auf den frei vor dem leeren Tor wartenden Giovanni Reyna spielte, jedoch zu ungenau.

Auf der Münchner Seite war Robert Lewandowski unterwegs, der mit beiden Füßen fast gleich gut ist. Der Topstürmer hatte per Kopf zum 1:2 getroffen und noch zwei weitere Tore geschossen, die allerdings vom Videoschiedsrichter aufgrund von Abseitsstellungen annulliert worden waren. Das Spiel war eine Show und beiderseits geprägt von Mut und dem Willen, Tore zu schießen. Dabei hätten die Bayern einfach etwas mehr Glück gehabt, lautete die Kernthese von Mats Hummels. »Alle drei gegnerischen Tore sind abgefälscht gewesen«, sagte der Verteidiger, nachdem David Alabas Schuss zum 1:1 (45.) von Thomas Meuniers Oberkörper ins Tor geprallt war. Lewandowskis 1:2 fiel nach einer Berührung des Balles mit Hummels’ Schulter (48.), und der Abschluss von Leroy Sané (80.) wurde nur durch einem Kontakt mit den Beinen Manuel Akajnis unhaltbar.

Es sei an der Zeit, sich stärker bewusst zu machen, »dass Glück und Pech in großen Spielen oft ausschlaggebend sind«, so Hummels. In diesem Fall aber stellte das Ergebnis ziemlich perfekt dar, was auf dem Rasen passiert war. Die Münchner machten zwar ähnlich viele Fehler in der Defensive, aber offensiv waren sie »in den richtigen Situationen einfach ein Stück schneller und vielleicht auch ein Stück abgekochter«, meinte Bayerns Mittelfeldspieler Leon Goretzka.

Den Dortmundern bleibt die Erkenntnis, Bayern näher zu kommen. Haaland, der noch auf 2:3 verkürzte (83.), ist immer besser integriert, die Abwehr wird stabiler, der Reifeprozess vieler Talente schreitet voran. Tröstlich ist zudem, dass der Rückschlag recht früh in der Saison kam und somit noch viele Chancen bleiben, den Rückstand aufzuholen. Noch ist die Gier, mit der die Bayern im Sommer die Champions League gewannen, groß. Aber womöglich war der Moment, in dem Kimmich sich verletzte, ein Indiz dafür, dass auch sie nicht über unendliche Ressourcen an Energie und Willenskraft verfügen. Er war in der fatalen Situation nämlich etwas zu spät dran, nur deshalb hatte er versucht, Haaland mit einem taktischen Foul zu Fall zu bringen.

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