Werbung

Sturmangriff aufs Gemeinwesen

Nicolas Šustr über die Zerstörung der Städte durch Finanzinvestoren

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 2 Min.
Wohnungsmarkt: Sturmangriff aufs Gemeinwesen

Die Finanzialisierung der Welt erweist sich immer deutlicher als Frontalangriff auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Beim Wohnungsmarkt wird das besonders deutlich. Einerseits galoppieren die Mieten durch den Renditehunger der Investoren der Einkommensentwicklung gerade der weniger Begüterten in einem irren Tempo davon. Über die Transferleistungen steigen auch die staatlichen Ausgaben für die Unterstützung der Mieter rasant an. Milliarden fließen dafür Jahr für Jahr - meist in die Taschen privater Eigentümer. Auch in der Coronakrise konnten diese sich bisher dank der Sozialleistungen bei Wohnungen schadlos halten.

Gleichzeitig werden dank undurchsichtiger Firmennetzwerke, die sich über die Steuer- und Transparenzoasen der Welt spannen, dem Staat massiv Steuern vorenthalten, außerdem wird nicht selten schmutziges Geld auf diese Weise gewaschen. Und die Erbschaftssteuerregelungen sind für Vermögende löchrig wie ein Schweizer Käse. Dafür müssen sie noch nicht mal Briefkastenfirmen im Ausland bemühen. Reißt jemand durch hartnäckiges Wühlen in Grundbüchern und Firmenregistern einer Milliardärsfamilie den Schleier der Anonymität herunter, fallen die Reaktionen oft empört aus. Denn öffentlich Verantwortung für das, was ihr Geld und dessen Anlage mit Tausenden Menschen macht, wollen sie bitteschön nicht übernehmen. Das wäre ja noch schöner, wenn man sich noch rechtfertigen soll.

Richtig garstig wird die Immobilienlobby, wenn es um echten Mieterschutz geht, wie beim Mietendeckel. Da werden gültige Gesetze einfach mal hammerhart boykottiert, wenn schon Drohszenarien im Vorfeld nicht fruchten. Ein Vermietungsstreik, wie er in Teilen wohl in Berlin gerade stattfindet, hat schon etwas von räuberischer Erpressung. Es zeigt sich immer mehr: Ohne Sozialisierung wird der Wohnungsmarkt kaum wieder den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht werden können.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln