Gestank, überall

Einwurf

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Wenn an diesem Mittwoch das Länderspiel der deutschen Fußballer gegen Tschechien angepfiffen wird, begleiten den DFB nicht die besten Wünsche aus der Bundesliga. Termine wie dieses Freundschaftsspiel oder die darauffolgenden mit den Partien in der Nations League am Sonnabend gegen die Ukraine und am kommenden Dienstag in Spanien werden in Zeiten einer Pandemie von den Profiklubs besonders kritisch gesehen. Unnötige Reisen, dazu in Risikogebiete, und Spiele gegen Teams aus diesen - die Argumente sind verständlich, aber verlogen.

»Für einen Verein ist es immer ein Risiko, wenn Spieler derzeit auf Reisen gehen«, meint Markus Krösche. Deshalb fordert der Manager von RB Leipzig, dass für Länderspielreisen in Risikogebiete die Abstellung von Nationalspielern nicht verpflichtend sein solle. Manchester, Paris, Istanbul - gegen Auswärtsfahrten in der Champions League in Risikogebiete und Spiele gegen Teams aus diesen hat Krösche nichts einzuwenden. Die Abstellungspflicht des Weltverbandes Fifa kritisiert auch Dortmunds Manager Michael Zorc: »Wenn wir es dürften, würden wir sicher darüber nachdenken.« Seine Fußballer aber reisen in der Königsklasse ebenfalls quer durch Europa.

Über den Sinn von Länderspielen wird schon ewig gestritten. Dass die Situation stetig schlechter wird, liegt einerseits an der Fifa. Die Regierung des Weltfußballs gestaltet jedes Jahr den Rahmenterminkalender. Danach müssen sich die Spielpläne der nationalen Ligen richten. Und wie der Weltverband mit immer mehr und größer werdenden Turnieren bläht auch die Uefa den Kalender auf, beispielsweise mit der Nations League. Stinkt der Fisch also vom Kopf her? Ja, bekanntermaßen. Gestank aber ist überall. Denn die von den Klubs vor Corona angeführten Argumente wie die zunehmend überfordernde Belastung der Profis waren auch schon scheinheilig - und nie als ernst zu nehmende Diskussionsgrundlage gedacht. Ein Beispiel: Die stete Erweiterung der Klubwettbewerbe wie der Champions League wurde von den Klubs nicht nur goutiert, sondern forciert. Mehr Spiele, mehr Einnahmen.

Dass die Klubs auf der Jagd nach den besten Fußballern die Abstellungspflicht bei Nationalspielern mit kaufen, wird wohl mit der Vertragsunterschrift verdrängt. Vergessen scheint auch, dass die vergangene Saison nach der Corona-Pause erst durch die Verlegung der EM ins kommende Jahr problemlos beendet werden konnte. Aber beim Spiel Jeder gegen Jeden scheint jedes Mittel recht. Christian Seifert kennt dieses Spiel als Vorkämpfer des Profifußballs. Beim 2022 scheidenden Chef des Ligaverbandes ist nun aber ein bekanntes Phänomen zu beobachten: Einsicht und Erkenntnisgewinn nach einem Rücktritt oder dessen Ankündigung. Er sagt: Als Liga müsse man aber auch die Nationalteams im Blick haben, die »Spiele absolvieren wollen, teilweise aus kommerziellen Gründen müssen. Auch Nationalverbände haben Sponsoren und Partner, was wichtige Einnahmen sind. Gerade für die kleineren Verbände in Europa.«

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