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Wechsel zur rechten Zeit

Die Ex-Freiburger Robin Koch und Luca Waldschmidt beleben das Nationalteam

  • Von Frank Hellmann, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.
Freiburger Schule: Luca Waldschmidt (l.) und Robin Koch sind nach dem Wechsel ins Ausland gewachsen und bereichern jetzt das deutsche Nationalteam.
Freiburger Schule: Luca Waldschmidt (l.) und Robin Koch sind nach dem Wechsel ins Ausland gewachsen und bereichern jetzt das deutsche Nationalteam.

Sichtbar entspannt wirkten Robin Koch und Luca Waldschmidt, als sich die beiden Jung-Nationalspieler frisch geduscht an das Pressepodium tief im Bauch der Leipziger Arena begaben. Nachdem sich die - noch bis letzten Sommer beim SC Freiburg als Vereinskollegen tätigen - Fußballer mit ausreichend Sicherheitsabstand gesetzt hatten, ließ sich am Mienenspiel der beiden rasch ablesen, dass ihnen das Freundschaftsspiel gegen Tschechien (1:0) viel von dem gegeben hatte, was die meisten Menschen gerade in freudlosen Coronazeiten dringend benötigen: Lob und Zuspruch, Aufmunterung und Anerkennung.

»Ich bin super glücklich und froh über diese Spielzeit«, erklärte der am 17. Juli in Kaiserslautern geborene Koch. »Ich will Verantwortung bei der Nationalmannschaft übernehmen. Mir macht das Spaß.« Beim nur 59 Tage zuvor in Siegen geboren Waldschmidt klang das ganz ähnlich: »Ich will meine Qualitäten einbringen und Akzente setzen. Ich bin da, wenn man mich braucht.«

Chance gesehen, Chance genutzt. Nationalmannschaftssprecher Jens Grittner sagte in seinen einleitenden Worten, der eine habe »die Bude zusammengehalten«, der andere »die Bude gemacht«, und das traf es ziemlich gut. Der Bundestrainer formulierte es nur etwas anders: »Bei Robin Koch war jede Aktion solide, klar, er hat Fehler ausgebügelt, war als zentraler Spieler gut organisiert«, sagte Joachim Löw.

Und Luca Waldschmidt? »Man merkt bei ihm: Er hat eine große Torgefahr. Er ist ein Stürmer, der sich sehr gut bewegt. Er hat einen sehr guten linken Fuß.« Nicht jede Ballmitnahme gelingt dem Siegtorschützen, der auch mit der Ballbehauptung so seine Probleme hat, jedoch schon beim 3:3 gegen die Türkei hatte er vor gut einem Monat getroffen. Löw gefallen Bewegungsdrang und Abschlussstärke.

Dass der im Breisgau lebende und als heimatverbunden bekannte Bundestrainer Ligaspiele des Sportclubs häufiger besucht als die anderer Vereine, ermöglicht ihm nun, die Entwicklung des Verteidiger-Sohnes der Lauterer Legende Harry Koch sowie die des ursprünglich bei Eintracht Frankfurt ausgebildeten Sturmtalents detailliert zu beschreiben. Er hat in den vergangenen Jahren ihren Aufstieg unter Freiburgs Trainer Christian Streich zu Nationalspielern mitverfolgt. Nun, wo der eine in diesem Sommer zu Leeds United auf die raue englische Insel und der andere zu Benfica Lissabon ins sonnige Portugal wechselte, haben die 24-Jährigen fast im Gleichklang gepunktet. Beide in ihrem fünften Länderspiel.

Klar ist, dass Niklas Süle, Matthias Ginter und Antonio Rüdiger in der deutschen Abwehrhierarchie noch vor Koch stehen; genau wie Timo Werner, Leroy Sané und Serge Gnabry im Angriff vor Waldschmidt, aber ein langes Turnier wie die mit 24 Teams gespielte EM 2021 bietet immer Situationen, in denen vor allem unkonventionelle Angreifer gefragt sind, die für ein Überraschungsmoment sorgen. Im Sommer 2019 schaffte Waldschmidt als Torschützenkönig der U21-EM schon einmal so viele, dass er als europäisches Sturmversprechen gehandelt wurde.

In der Spielzeit danach entstand fast der Eindruck, Bundestrainer Löw halte von dem Haudrauf mehr als Heimtrainer Streich, weswegen die Luftveränderung in diesem Sommers vielleicht für alle Beteiligten ein Nutzen sein kann. »Er hat auf jeden Fall noch mal einen Schritt nach vorne gemacht. Er hat in Lissabon schnell Fuß gefasst. Das ist nicht ganz einfach«, lobt Löw. Wobei Waldschmidt spaßeshalber anmerkte, dass sich für ihn bei der Nationalmannschaft nach seinem Auslandswechsel gar nicht viel verändert habe. »Nur die Anreise ist etwas länger.«

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