Dr. Schmidt erklärt die Welt

Infektion über Schweinshaxen?

Dr. Schmidt über infizierte deutsche Fleischexporte in China

Von Christof Meueler

Jetzt war zu lesen, dass sich jemand in China an der Verpackung deutscher Schweinshaxen angesteckt haben könnte. Ist das denkbar?

Theoretisch schon. In deutschen Schlachtereien hatten sich ja auch viele Mitarbeiter angesteckt, möglich, dass ein paar Viren überlebt haben auf dem Transport nach China. Aber beim Bundesinstitut für Risikobewertung sind sie der Meinung, dass Infektionen über Lebensmittel oder Oberflächen von Gegenständen sehr unwahrscheinlich sind. Es sind dort keine Fälle bekannt.

Bei diesem Virus gehen die Ansteckungen über das normale Maß hinaus.

Es braucht schon ein paar Viren, um sich zu infizieren, und dann müssen sie auch noch an die richtige Stelle kommen. Deshalb nicht popeln!

Nach der weiten Reise nach China und als Tiefkühlpaket hätte ich gedacht, dass Bakterien wie Viren erledigt wären. Stimmt also nicht?

Nee. Bei Bakterien und Viren gilt: Gut gekühlt hält länger. Die werden in Biodatenbanken sogar tiefgekühlt aufbewahrt. Im Permafrostboden Sibiriens und Kanadas waren sie über Jahrtausende eingefroren und werden nun munter, wenn sie auftauen.

Schlummernde Seuchen ...

Da könnte schon das eine oder andere dabei sein, auf das wir nicht scharf sind.

Könnte ein erfolgreicher Filmstoff werden.

Die Filme gibt es schon alle.

Meinst du, dass auch der deutsche Zoll eingeführte Lebensmittel auf Viren prüft?

Ich habe gehört, dass der deutsche Zoll so etwas nicht routinemäßig macht. Die Chinesen machen ja einiges anders, zum Teil auch erfolgreicher. Andererseits bringt das wenig, wenn anderswo in China geschützte Tierarten als Lebens- oder Arzneimittel ins Land geschmuggelt werden.

Aber es bleibt dabei: Schmierinfektion ist eher die zweite Wahl der Coronaviren?

Entscheidend ist die Tröpfcheninfektion.

Trotzdem haben die Chinesen gleich die typische deutsche Gefahrenquelle identifiziert - Schweinshaxen.

Genau. Sie nicht zu essen, ist auf alle Fälle gesünder. Unabhängig vom Virus.

Vielleicht auch eine Retourkutsche der Chinesen auf die Vorwürfe des Westens.

Das kann man nicht ausschließen. Aber möglich ist es schon, dass sich jemand infiziert hat. Eine gute Gelegenheit jedenfalls, darüber nachzudenken, ob wir aufwendig subventionierte Agrarprodukte tatsächlich exportieren sollten.

Lieber selber essen?

Vielleicht nicht so viel davon produzieren. Das täte auch der Umwelt und dem Klima gut.

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