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Weiter, weiter, weiter

Erstmals seit der Verschiebung der Spiele besucht IOC-Präsident Thomas Bach die Olympiastadt Tokio

  • Von Jirka Grahl
  • Lesedauer: 4 Min.
PR mit Maske und Zeigefinger: Thomas Bach (vorn) besuchte am Dienstag das Nationalstadion in Tokio.
PR mit Maske und Zeigefinger: Thomas Bach (vorn) besuchte am Dienstag das Nationalstadion in Tokio.

Tja, was will man auch sagen, wenn man in so einem leeren, neuen und umgerechnet 1,2 Milliarden Euro teuren Stadion steht und nun etwas sagen muss, das staatstragend und optimistisch zugleich klingen soll - inmitten des Corona-Unheils, das allerorten aufzieht? »Inspirierend« und »authentisch«, so versuchte Thomas Bach am Dienstag bei seinem Besuch die Atmosphäre im Olympiastadion von Tokio zu umschreiben. In jener Arena, in der im nächsten Jahr die Eröffnungs- und Abschlusszeremonie der Olympischen Sommerspiele und der Sommer-Paralympics abgehalten werden soll.

Inspiration! Nun ja, es braucht wirklich schon etwas Fantasie, sich vorzustellen, dass die Jugend der Welt hier in acht Monaten ihr großes Multisportfest feiern wird: 10 000 Athletinnen und Athleten aus aller Herren Länder, die hier vom 23. Juli bis 8. August 2021 in Tokio endlich all jene Wettkämpfe abhalten, die 2020 wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnten. Das Milliardenspektakel war am 24. März um genau ein Jahr verschoben worden.

Erstmals seit diesem Entscheid weilte der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für zwei Tage in Japans Hauptstadt - um die Gastgeber der umfänglichen Rückendeckung des IOC zu versichern und natürlich auch, um dem für 2020 geplanten Megaevent ein Stück weit zur Aufmerksamkeit zu verhelfen. So gut das ein 66-jähriger Ex-Fechter aus Tauberbischofsheim eben hinbekommt.

Immerhin, als IOC-Präsident agiert man auf Augenhöhe mit den ganz Großen: Bach verlieh am Montag den Olympischen Orden in Gold an den zurückgetretenen Ministerpräsidenten und Olympiabefürworter Shinzō Abe (lief bei der Abschlussfeier von Rio 2016 als Super Mario kostümiert durchs Maracana-Stadion). Dann traf Bach den neuen Ministerpräsidenten Yoshihide Suga in der Kantei, dem Amtssitz des Premiers. Suga verkündete danach, ein Gelingen der Tokio-Spiele könne den »Beweis« erbringen, »dass die Menschheit das Virus besiegt hat«. Suga will Olympia keinesfalls absagen; er könnte direkt profitieren: Die Spiele finden nur einen Monat vor der japanischen Parlamentswahl im September 2021 statt.

Der Ober-Olympier und der Premier posierten mit Mundnasenschutz für die Fotografen, Bach sagte nach dem Treffen, zusammen mit Japan werde man »die Olympische Flamme zu einem Licht am Ende des Tunnels« machen. »Wir sind in diesen Bemühungen voll und ganz einer Meinung. Die Zusammenarbeit ist so eng, wie sie nur sein kann.«

Olympiapolitik ist Symbolpolitik, immer und überall. Der IOC-Boss versuchte den Ringeorden bereits im ewigen Streit zwischen Nord- und Südkorea anlässlich der Winterspiele 2018 in Pyeongchang (Südkorea) als Friedensstifter zu positionieren. Anno 2021 probiert er, dem IOC auch in Sachen Corona weltweit mit positiver Bedeutung zu verschaffen.

Insofern war es durchaus von Bedeutung, dass Bach verneinte, als er in Tokio gefragt wurde, ob eine Impfung für die Sportlerinnen und Sportler im kommenden Jahr obligatorisch sei: »Das geht zu weit.« Neben juristischen Unwägbarkeiten spielt für ihn dabei vor allem auch die Verfügbarkeit des Impfstoffs eine Rolle. Auch wolle er keine Bevorzugung der Athleten bei der Frage einer möglichen Impfung. An erster Stelle müssten andere stehen: »Krankenschwestern, die Ärzte und die Menschen, die unsere Gesellschaft am Leben erhalten«.

Allerdings sagte Bach auch, was er sich von den Olympiateilnehmern wünscht, sollte eine Impfung möglich sein: »Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, damit so viele Teilnehmer wie möglich einen Impfstoff akzeptieren. Dies ist die erste Anstrengung. Es geht nicht darum, ihn zur Pflicht oder zu einer Bedingung zu machen. Wir wollen so viele ausländische Teilnehmer wie möglich überzeugen.« Zudem gehe er davon aus, dass eine »angemessene Zahl« von Zuschauern zugelassen werde. Japan hat das Virus vergleichsweise gut unter Kontrolle. Etwa 1900 Todesfälle in Japan werden auf Covid-19 zurückgeführt - bei 125 Millionen Einwohnern.

Japan hatte zuletzt Großveranstaltungen unter Coronabedingungen geprobt: Bei Baseballspielen waren bis zu 30 000 Zuschauer zugelassen worden, auch ein Wettbewerb mit 30 Weltklasseturnern aus Japan, China, Russland und den USA wurde vor Tausenden abgehalten als »Wettkampf für Freundschaft und Solidarität« - bisher ohne Auswirkungen aufs Pandemiegeschehen.

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