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Fehlende Sicherheit im Internet

Kinder und Jugendliche brauchen Schutz vor digitalem Missbrauch

  • Von Ulrike Wagener
  • Lesedauer: 2 Min.
Digitaler Missbrauch: Fehlende Sicherheit im Internet

Der Europarat schätzt, dass in Europa jedes fünfte Kind Opfer einer Form von sexueller Gewalt wird. Dies kann sowohl analog als auch digital passieren. Der diesjährige Europäische Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch nimmt daher das »riskante Verhalten seitens der Kinder« in den Blick, gemeint ist damit die Herstellung und Verbreitung von sexuellen Bildern und Videos.

Heinz-Jürgen Voß, Professor für Sexualwissenschaft und Sexuelle Bildung an der Hochschule Merseburg, zeigt sich mit der Bezeichnung des Tages unzufrieden. Er sagt: »Prävention setzt bei Erwachsenen an. Die haben die Verantwortung, dass bildliche Darstellungen der Kinder nicht von unberechtigten Personen genutzt werden können, und die Kinder vor sexualisierter Gewalt zu schützen.«

Sexualisierte Gewalt im Internet kann etwa bedeuten, dass bildliche Darstellungen von Kindern- und Jugendlichen ohne deren Zustimmung geteilt und verbreitet werden. Die europäische Polizeibehörde Europol verzeichnete einen erheblichen Anstieg solcher Straftaten im Lockdown zu Beginn der Pandemie. Es kann aber auch bedeuten, dass Erwachsene über das Internet gezielt Nähe zu Kindern und Jugendlichen aufbauen, um eine sexuelle Missbrauchssituation - im analogen Bereich - herbeizuführen; das nennt sich Cybergrooming. In der noch unveröffentlichten Partner-5-Studie der Hochschule Merseburg gab rund die Hälfte der weiblichen und diversen Befragten an, sexuelle Belästigung und Gewalt im Internet erlebt zu haben; bei den männlichen Befragten waren es 14 Prozent. Allerdings betont Voß, dass diese Gruppe deutlich häufiger von der Erpressung mit expliziten Bildern und Videos berichtete.

Aber: »Das Internet bietet große Chancen - Möglichkeiten, sich zu informieren und Unterstützung zu finden,« so Voß. Ein entscheidender Faktor der Prävention sei es, eine entsprechende Medienkompetenz zu vermitteln. Kinder und Jugendliche müssten wissen, was passieren kann, etwa wenn sie (sexuelle) Bilder und Videos untereinander austauschen. Wie kann das sicher geschehen? Dafür müssen auch Fachkräfte geschult werden, damit sie wissen, dass sexualisierte Übergriffe im Internet stattfinden können, und wie sie Kinder und Jugendliche davor schützen können.

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