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Geschlossene Schulen, Corona-Abschiebungen und Haustests

Vereinigte Staaten überschreiten Marke von 250.000 Coronavirus-Toten - US-Behörde lässt Selbsttest für zu Hause zu

  • Lesedauer: 4 Min.
Geschlossene Schule in New York
Geschlossene Schule in New York

New York. Neue Schulschließungen, zusätzliche Kontaktbeschränkungen und Angst vor einer Überlastung der Kliniken: Regierungen weltweit reagieren mit drastischen Maßnahmen auf die zweite Corona-Welle. Die USA überschritten laut einer Zählung der Johns-Hopkins-Universität am Mittwochabend (Ortszeit) die Marke von 250.000 Todesfällen - mehr als doppelt so viele US-Soldaten wie im Ersten Weltkrieg starben. Mehrere Bundesstaaten erließen neue Beschränkungen. Landesweit wurden in den USA am Mittwoch fast 158.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet, die Gesamtzahl der nachgewiesenen Ansteckungen in dem Land stieg damit auf mehr als 11,4 Millionen. Die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus erreichte einen weltweiten Rekordwert von 250.029.

Besonders schlimm wütet die Pandemie aktuell im Präriestaat North Dakota. Vor zwei Tagen übersprang der Staat im Norden der USA, der - mit großem Abstand zu den meisten US-Bundesstaaten und fast allen Ländern weltweit - mittlerweile die höchste Todesrate pro 100.000 Einwohner aufweist. Mittlerweile ist einer von 1000 Einwohnern gestorben. Erst am vergangenen Freitag vollzog der republikanische Gouverneur des Staates nach Monaten des Bittens von Medizinern eine Kehrtwende und ordnete per Erlass das Tragen von Masken an. Fast zu spät: Eine Kontaktnachverfolgerin aus North Dakota beschrieb das System sei überwältigt, man habe »aufgegeben«, könne aktuell nur noch Betroffene informieren die positiv getestet worden seien, nicht aber alle ihre Kontakte recherchieren und informieren.

Deutlich weniger stark betroffen ist aktuell der Bundesstaat New York, doch auch dort steigen die Fallzahlen wieder. Deswegen müssen die Schulen in New York City ab diesem Donnerstag wieder schließen. Bürgermeister Bill de Blasio sprach von einer »Vorsichtsmaßnahme«. »Wir müssen die zweite Covid-19-Welle bekämpfen«, sagte er. Die Schulen in der Ostküstenmetropole waren erst im September wieder geöffnet worden.

New York City ist mit 1,1 Millionen Schülern und 1800 öffentlichen Schulen der größte Schulbezirk der USA. Allerdings hatte nur rund ein Drittel der Schüler im Herbst wieder den Präsenzunterricht besucht. Viele Eltern ließen ihre Kinder aus Angst vor einer Ansteckung am Online-Unterricht teilnehmen, der weiterhin angeboten wurde. New York gehörte während der ersten Infektionswelle im Frühling zu den am schwersten von der Pandemie betroffenen Großstädten der Welt.

Die Stadtverwaltung und die Lehrergewerkschaften hatten sich jedoch darauf geeinigt, sie wieder zu schließen, wenn die Stadt eine Drei-Prozent-Rate bei positiven Tests überschreitet. Die Schließung der Schulen ist umstritten: Nach Angaben des Leiters des Schulbezirks, Richard Carranza, liegt die Positivitätsrate an den Schulen 0,19 Prozent niedriger als im stadtweiten Durchschnitt. Die Positivitätsrate in New York ist zudem deutlich niedriger als in vielen anderen Gebieten der USA.

Verweigerung von Asylanträgen mit Corona-Begründung unzulässig

Ein US-Bundesrichter hat währenddessen der Regierung von Präsident Donald Trump untersagt, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge oder Migranten unter Verweis auf die Corona-Pandemie abzuschieben. Richter Emmet Sullivan urteilte am Mittwoch in der Hauptstadt Washington, diese im Frühjahr eingeführte Praxis sei rechtswidrig.

Die Trump-Regierung hatte im Frühjahr begonnen, an der US-Grenze aufgegriffene Migranten umgehend abzuweisen. Begründet wurde dies mit dem Kampf gegen das Coronavirus. Die Maßnahme wurde auch auf unbegleitete Minderjährige angewandt, die einen besonderen Schutzanspruch haben. Nach Angaben der Bürgerrechtsorganisation ACLU wurden bereits 13.000 Minderjährige nach Mexiko oder in ihre Heimatländer abgeschoben, ohne dass sie einen Asylantrag stellen konnten.

»Die heutige Entscheidung ist ein wichtiger Schritt, um den beispiellosen und illegalen Versuch der Trump-Regierung zu stoppen, Kinder unter dem Deckmantel der öffentlichen Gesundheit abzuschieben«, erklärte ACLU-Anwalt Lee Gelernt, der einen Jugendlichen aus Guatemala vor Gericht vertritt. Die Bürgerrechtsorganisation CGRS begrüßte den Richterspruch ebenfalls und kritisierte die »grausame Politik« der Trump-Regierung.

Selber Testen zu Hause - Selbsttests zugelassen

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat unterdessen erstmals einen Corona-Test für den Hausgebrauch zugelassen. Der Testkit des US-Herstellers Lucira Health habe eine Notfall-Zulassung bekommen, teilte die FDA mit. »Diese neue Test-Möglichkeit ist ein wichtiger Diagnose-Fortschritt, um die Pandemie zu bekämpfen und die öffentliche Last der Krankheitsübertragung zu reduzieren«, sagte FDA-Chef Stephen Hahn. Der Test, der auf Erbgut des Erregers Sars-CoV-2 reagiert, sei im Hausgebrauch für Menschen ab 14 Jahren geeignet und zunächst nur auf Verschreibung eines Arztes erhältlich.

Wer den Test benutzt, muss mit einem Stäbchen eine Probe aus der Nase entnehmen, dieses dann in ein Röhrchen legen und das Röhrchen wiederum in einem Testmodul befestigen. In maximal 30 Minuten zeige das Display des Testmoduls dann ein positives oder negatives Ergebnis an, heißt es von der FDA.

Wer ein positives Ergebnis bekomme, solle sich isolieren und seinen Arzt kontaktieren. Wer ein negatives Ergebnis habe, aber trotzdem Symptome entwickle, solle ebenfalls seinen Arzt kontaktieren, denn der Test könne eine Infektion mit dem Coronavirus nicht hundertprozentig ausschließen.

Laut Hersteller ist der Test zuverlässig: Im Vergleich zu einem anderen von der FDA zugelassenen Verfahren habe er 94 Prozent der Sars-CoV-2-Infektionen und 98 Prozent der Corona-freien Proben richtig zugeordnet. Auf den Markt kommen soll der Test demnach in Florida und Kalifornien in der nahen Zukunft und landesweit im Frühling. Agenturen/nd

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