Hefeweizen, schrei!

Die Macht des Weißbiers über den Menschen

Von Christof Meueler

Das Hefeweizen ist ein Bier, das hilft - wenn es denn schmeckt. Vielen ist es zu viel oder zu süß oder zu hefig, weil es den Magen so füllt. Wer es mag, der preist seine Macht über den Menschen: Es sättigt den Hungrigen, es entspannt den Angespannten und es erfrischt den Müden.

Früher war es nur in Bayern erhältlich. Das Weißbier, wie es dort genannt wird, kam erst Anfang der 80er Jahre in anderen Bundesländern an. Man musste vorher fragen: »Haben Sie Hefeweizen?« Und dann bekam man gar nicht so selten ein Kristallweizen. Oder ein Hefe, serviert wie ein Kristall, mit Zitrone drin und Reiskörnern. Oder ein Hefe ohne Hefe, weil niemand an der Bar die Hefe aus der Flasche geschüttelt hatte. Erfahrene Thekenkräfte gossen erst drei Viertel ein, legten die Flasche neben das Glas und rollten sie hin und her, bevor sie den Rest einschenkten. Das sieht man heute nicht mehr. Die Hefe ist nicht mehr am Boden der Flasche versteckt. Oder es wird frisch gezapft. Dann ist es noch mächtiger im Magen.

Es ist auch ein guter Preisindikator: Je teurer es verkauft wird, desto teurer ist die Region. Man kann die alten DM-Preise aus dem vorherigen Jahrhundert 1:1 in Euro umrechnen. Ein günstiges Hefe kostete damals 2,50 DM, ein sehr teures 5 DM. Heute geht es bundesweit in Richtung 5 Euro, für 2,50 bekommt man höchstens eins im Späti - das ist besonders teuer, denn wer so viel bezahlen muss, wohnt in einer gentrifizierten Gegend. In Hamburg kostet es im Restaurant durchschnittlich 5 Euro, in Jena nur 3,20. Egal: »Oh Hefeweizen, schrei nach mir«, sangen einst die 3 Raketen aus Bayern. Man muss es nur hören.

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