Wirecard-Ex-Chef Braun
Markus Braun

Unschuldslamm

Wirecard-Ex-Chef Braun

Von Kofi Shakur

Die Obleute des Bundestags-Untersuchungsausschusses hatten am Donnerstag eigentlich auf Antworten gehofft, die Licht ins Dunkel des Falles Wirecard bringen. Doch der Zeuge kam ihnen während der Fragerunde nicht weit entgegen. «Mein Name ist Markus Braun. Ich bin 51 Jahre alt. Wohne derzeit in der JVA Augsburg und ich bin Wirtschaftsinformatiker», war die einzige handfeste Aussage, zu der er sich hinreißen ließ. Die Karriere des Österreichers brach jäh ab: Der Vorstandsvorsitzende und größte Einzelaktionär des zukunftsweisenden IT-Unternehmens Wirecard mit Aktien im Wert von mehr als einer Milliarde Euro ist nun ein immer noch reicher, aber in Untersuchungshaft sitzender Verdächtiger eines «gewerbsmäßigen Bandenbetrugs.

Nach einer Kooperation mit der Staatsanwaltschaft München würde er eventuell für weitere Aussagen bereit stehen, ließ Braun wissen. Was er derzeit sagen könnte, ergäbe ein »mosaikartiges Gesamtbild«, wäre also strafrechtlich relevant - er wolle sich aber nicht selbst belasten. Braun behauptete, er wisse nicht, wohin die 1,9 Milliarden Euro verschwanden, die sich auf asiatischen Treuhandkonten befinden sollten. Seitdem bekannt ist, dass die Bilanzen des Unternehmens über Jahre hinweg gefälscht wurden, sank der Kurs der Aktie in den Keller und das Unternehmen verlor Milliarden Euro an Wert.

Im verlesenen Statement, das er mit seinem Anwalt verfasst hatte, stritt er ab, jemals Informationen darüber gehabt zu haben, »dass sich Behörden, Aufsichtsstellen oder Politiker nicht korrekt, pflichtwidrig oder in irgendeiner Form unlauter verhalten hätten«. Braun äußerte Vertrauen »in die Unabhängigkeit und Objektivität der Ermittlungsbehörden« bei der Aufgabe, das »veruntreute« Geld wiederzufinden. Keine Auskunft gab es über seine Unterredung mit Finanzstaatssekretär Jörg Kukies oder darüber, was er von den Unternehmungen seines untergetauchten Kollegen Jan Marsalek in Lybien wusste. Immerhin behauptete er nicht mehr wie 2008 im Interview mit der »FAZ«, die Wirecard-Bilanzen seien »völlig in Ordnung«.

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