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Schmähpreis geht an Amazon-Gründer

Stiftung für Ethik und Ökonomie ehrt Umweltaktivistin aus Kenia

  • Von Peter Nowak
  • Lesedauer: 3 Min.
Jeff Bezos, Chef von Amazon und unstolzer Träger des
Jeff Bezos, Chef von Amazon und unstolzer Träger des "Black-Planet-Awards".

Auch Friedrich Engels war dabei, als Sibylle Arians am Samstag das jährliche Treffen der Stiftung für Ethik und Ökonomie (Ethecon) eröffnete. »Der ganze Unterschied gegen die alte, offenherzige Sklaverei ist nur der, dass der heutige Arbeiter frei zu sein scheint, weil er nicht auf einmal verkauft wird, sondern stückweise, pro Tag, pro Woche, pro Jahr, und weil nicht ein Eigentümer ihn dem andern verkauft, sondern er sich selbst auf diese Weise verkaufen muss, da er ja nicht der Sklave eines Einzelnen, sondern der ganzen besitzenden Klasse ist.« Das Engels-Zitat passte zum Thema des Treffens, das diesmal ins Internet verlegt werden musste.

Immer am dritten Samstag im November verleiht Ethecon den Black Planet Award und den Blue Planet Award. Der blaue Preis wurde der kenianischen Umweltaktivistin Phyllis Omido verliehen. Sie wurde weltweit bekannt, als sie eine Klage gegen Kenias Regierung gewann, weil die nichts gegen die Bleischmelzen unternommen hatte, die Menschen und Umwelt vergiften. Die als Kapitänin der »Sea-Watch 3« bekannte Carola Rackete betonte in ihrer Laudatio die Verantwortung europäischer Konzerne, die Altbatterien und anderen Giftmüll zum Recyceln ins Ausland exportieren. Sie erklärte, dass die beste Solidarität für Omido darin bestünde, den Druck auf die Konzerne auch in Ländern wie Deutschland zu erhöhen, um zu verhindern, dass sie Länder des globalen Südens als Giftmüllkippe benutzen.

Der »Schmähpreis« Black Planet Award ging an Amazon-Gründer Jeff Bezos. In seiner Schmährede bezeichnete der Journalist John Malamatinas Amazon als einen Gewinner der Coronakrise. Doch die Beschäftigten des Weltkonzerns gehören nicht dazu. Malamatinas ist Sprecher der Kampagne »Make Amazon Pay«, die Amazon-Arbeiter bei ihrem jahrelangen Kampf für einen Tarifvertrag unterstützt. Dabei will es Malamatinas aber nicht belassen. Man müsse über die Vergesellschaftung eines Konzerns reden, dessen Boss sich in Visionen von Weltraumflügen und einer Besiedelung des Mondes ergebe. Malamatinas verwies auch auf die Verantwortung der Politik, die in Deutschland mit der Etablierung des Hartz-IV-Systems und des Niedriglohnsektors Konzernen wie Amazon den roten Teppich ausgelegt hat.

Der Verdi-Vertrauensmann am Amazon-Standort Bad Hersfeld, Andreas Gangel, berichtete aus seinem Arbeitsalltag über Stress, Dauerüberwachung und ständige Kontrollen. »Jeder Handgriff der Beschäftigten wird erfasst.« Das bestätigte auch Chris Small aus den USA, der lange bei Amazon gearbeitet und dort auch Widerstand organisiert hat.

Nicht alles musste am Samstag ins Internet verlegt werden. An mehreren Amazon-Standorten organisierte Ethecon kleine Kundgebungen, auf denen die Forderungen der Beschäftigten unterstützt wurden, die sich unter Corona-Bedingungen schwerer Gehör verschaffen können. Aber auch Ethecon brauche in diesen Zeiten Unterstützung, betonte Sibylle Arians. Der Spendeneingang bei der klar antikapitalistisch positionierten Stiftung sei in der letzten Zeit zurückgegangen. Und die Umstellung der Preisverleihung auf digitales Format habe die Ausgaben weiter erhöht.

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