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BER spart sich Schönefeld

Flughafengesellschaft will Terminal 5 mangels Passagieren temporär schließen

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit der Schließung des Schönefelder BER-Terminals 5 und der Stilllegung der neuen Stadt- und Landebahn Süd will die Flughafengesellschaft FBB im kommenden Jahr auf den erwarteten längeren Einbruch der Fluggastzahlen reagieren. Es handle sich dabei um zeitlich begrenzte Maßnahmen, denen die Einschätzung zugrunde liegt, dass sich der internationale Luftverkehr anders als bislang angenommen auch im zweiten Halbjahr 2021 voraussichtlich nicht grundlegend wiederbeleben werde.

»Die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft hat diese temporären Maßnahmen aus Effizienzgründen geplant und durchgerechnet«, erklärte Unternehmenssprecher Hannes Hönemann am Montag dem »nd« auf Anfrage. BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup werde darüber den FBB-Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am Freitag informieren. Hönemann bestätigte damit auch einen Bericht der »Berliner Morgenpost«.

Noch zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme des neuen Willy-Brandt-Hauptstadtflughafens BER am 31. Oktober war die Betreibergesellschaft davon ausgegangen, dass sich vor allem der Flugreiseverkehr mit der Feriensaison im zweiten Halbjahr 2021 wieder erholen würde. Im vom Management favorisierten Szenario hatte man damit gerechnet, eine Jahreskapazität von 18 Millionen Fluggästen am BER abzufertigen, was etwa 50 Prozent des 2019 erreichten Niveaus entsprechen würde. Aktuell fertige die FBB, wie Sprecher Hönemann bestätigte, in Berlin knapp ein Zehntel der Vorjahreszahl ab, an Wochenende vielleicht etwas mehr, werktags auch schon mal deutlich weniger.

In der gesamten Luftfahrtbranche hat sich in den letzten Wochen Pessimismus verbreitet. Die International Air Transport Association (IATA) hatte schon im Oktober Alarm für 2021 geschlagen. Der Dachverband der Fluggesellschaften, dem 290 Airlines angehören, die zusammen 82 Prozent des Luftverkehrs abdecken, rechnet damit, dass die Branche nicht vor 2022 wieder Gewinne erwirtschaften wird. Inzwischen korrigiert die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) ihre Hoffnungen hinsichtlich einer Erholung des Luftverkehrs im Jahr 2021 in immer kürzeren Schritten nach unten. Und Eurocontrol, die europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt, rechnet in ihrer im November veröffentlichten Fünfjahres-Prognose zur Entwicklung des Luftverkehrs in Europa im günstigsten Fall erst 2024 damit, dass das 2019er-Verkehrsniveau wieder erreicht wird. Im pessimistischsten Szenario dauert die Erholung bis 2029.

Das frühere DDR-Flughafenterminal, als T5 erst seit Ende Oktober Teil des BER, würde mit dem Sommerflugplan 2021 befristet geschlossen. Die zu diesem Zeitpunkt geplante Inbetriebnahme des Terminals 2 würde ebenfalls auf Eis gelegt. »Diese Konstellation würde es ermöglichen, die wenigen Verkehre im Midfield am T1 zu konzentrieren«, sagte Hönemann. Das auch im BER-Midfield (gemeint ist der Bereich um T1 mit Bahnhof) angesiedelte T2 wäre bei einer kurzfristigen Zunahme des Luftverkehrs organisatorisch einfacher und schneller zu aktivieren. Von positiven Effekten bei laufenden Kosten, Unterhaltung und Personaleinsatz abgesehen.

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Der reduzierte Flugbetrieb lässt auch die Stilllegung der Südbahn plausibel erscheinen. Der komplette Verkehr von Schönefeld sei samt des bereits zum BER verlegten ersten Drittels des Tegel-Aufkommens vom 31. Oktober bis zum 4. November ausschließlich über die Nordbahn gelaufen, so Hönemann.

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