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Das ewige kleinere Übel

Best of Menschheit, Teil 47: Die Grünen

  • Von Tim Wolff
  • Lesedauer: 3 Min.

Jahrtausende wechselnder Reiche brauchte die Menschheit, um eine Herrschaftsform zu finden, die nicht dem einen und den Seinen dient, sondern die das Regieren einigermaßen wechselnden wenigen überlässt, die sich gelegentlich ein bisschen verantworten müssen: die Demokratie. Die vertrug sich nach ein paar gescheiterten Anläufen dann sehr gut mit den Kräften, die die Dampfmaschine geschaffen hatten: den Besitzern von riesigen Unternehmungen. Diese benötigten Regierungen, die ihnen Arbeiter schufen und halfen, diese ruhigzustellen. Als das zusehends schwieriger wurde, gab es erst mal Krieg.

Dann war die Welt nach den diversen Verteilungs- und Rachekriegen einigermaßen stabil eingerichtet, aber dreigeteilt: in eine erste der Kapitalherrschaft, eine zweite, die eine andere sein wollte, aber nicht konnte, und eine dritte, in der die anderen beiden ihre Stellvertreterkriege führten (und in der die erste sich erfolgreich Rohstoffe und billige Arbeitskraft besorgte). Das war den mit am besten versorgten Bürger*innen des Planeten aber auch nicht ganz recht. Sie hatten so viel Essen und Zeit, dass sie darüber ein wenig idealistisch wurden.

Es benötigte eine weitere Demokratie zur Beschäftigung: die Basisdemokratie. Ein ulkiger Pleonasmus, der den Vorgang des Kaputtdebattierens, während andere einfach weitermachen wie bisher, nobel umschreibt. Mit der Basisdemokratie braucht es länger bis nach oben, weil sie sich auf dem Weg dorthin Schritt für Schritt abschaffen muss, nachdem sie die nötigen Anregungen an die Herrschenden weitergereicht hat.

Erfolgreichste Umsetzerin dieses Konzepts im deutschsprachigen Raum war die Partei der Grünen. Gegründet mit einem Anliegen (den Planeten vorm Menschen zu beschützen), aber ohne echten Willen, es bis zum Ende zu verfolgen, versöhnte sie über die Jahrzehnte linke Rebellen mit Esoterikern, Studierenden und der Landbevölkerung, die ihre Scholle mehr schätzt als Menschen. Spätestens nach dem Sieg über die für alles Böse verantwortliche zweite Welt half sie mit, in der ersten ein Bürgertum zu schaffen, das sich ausgesprochen kreativ vorlügt, keines zu sein.

Die Grünen sind erfolgreiche Trickbetrüger geworden, weil sie sich selbst immer noch glauben, egal wie oft sie am eigenen Anspruch gescheitert sind. Selbst aus der rot-grünen Bundesregierung, bei der sie nicht eine einzige umweltpolitisch relevante Entscheidung treffen konnten, kamen sie irgendwie als die Guten raus, obwohl sie ähnlich freudig wie die Sozialdemokratie mit Hartz IV ein effizientes System zur Erstickung der Wut der von der Gesellschaft Ausgeschiedenen schufen. Das Einzige, was von ihnen im Gedächtnis blieb, war das Dosenpfand - das der Umwelt zwar rein gar nichts brachte, aber den arbeitenden Menschen, die die Grünen zugunsten der Besitzenden enteigneten, eine Zusatzrente per Müllwühlerei.

Die Grünen sind für die Politik das, was die »Taz« fürs Zeitungswesen ist: eine Ausbildung in Selbstausbeutung und ein Förderverein für Verräter an der Sache - wobei die Sache längst nichts anderes mehr ist als Greenwashing für den laufenden, ja wachsenden Betrieb. Sie sind dazu da, in einer Regierung leider nicht tun zu können, womit sie vorher den letzten Rest der idealistischen Wählerschaft geködert hatten. Die Grünen sind das ewige kleinere Übel, das das große ein bisschen netter aussehen lässt.

Von Grundsatzprogramm zu Grundsatzprogramm sind sie die perfekte Ergänzung der Konservativen geworden, die neue Wähler brauchen, weil die bisherigen wegen des Rot-Greenwashings ihrer Parteien lieber wieder Nazis sein wollen. Österreich zeigt, was diese letzte große Kombination der parlamentarischen Demokratie nutzt, bevor die Klimakrise in die endgültige Faschisierung führen wird: Greenwashing des Rassismus. Ein wenig »Klima« für »sichere Grenzen«.

Die Grünen werden am Ende der Zivilisation des Menschen stehen und dabei wie das kleinere Übel wirken, das leider nicht mehr machen konnte. Eine historische Leistung.

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