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Selbstkritischer Sieger

Skispringer Markus Eisenbichler gewinnt den Weltcupauftakt in Wisla. An seinen Sprüngen hat er noch einiges auszusetzen

  • Von Thomas Eßer, Wisla
  • Lesedauer: 3 Min.

Auf eine große Sause nach seinem Traumstart in den WM-Winter musste Skispringer Markus Eisenbichler verzichten. Ein über Instagram verbreitetes Jubelfoto mit der Mannschaft inklusive Siegerfaust und Mundschutz war noch drin, dann lautete der Plan für den Triumphator von Wisla: Kurz ins Hotel, etwas essen und ab nach Hause. Sieger Eisenbichler und der zweitplatzierte Karl Geiger, der den Traumauftakt für die DSV-Adler perfekt gemacht hatte, haben in den kommenden Monaten noch viel vor.

Der beste Saisonstart für die deutschen Flugkünstler seit Platz eins und zwei von Martin Schmitt und Sven Hannawald vor 20 Jahren soll der Startschuss in eine tolle Saison voller Höhepunkte werden. Und so passte es, dass sich bei Eisenbichler in die Freude über seinen zweiten Sieg in einem Einzelweltcup überhaupt schon kurz nach dem Wettkampf in Polen die Analyse seiner Sprünge mischte. »Ich muss jetzt echt an der Landung arbeiten. Da vergebe ich einen Haufen Punkte, und das möchte ich nicht«, sagte der ehrgeizige Siegsdorfer, dem die technisch anspruchsvolle Telemarklandung nicht einmal wie gewünscht gelungen war. »Ich freue mich, dass ich meinen Weltcupsieg gemacht habe, aber das Arbeiten geht mir nicht aus«, sagte er und gab die an Jürgen Klopp erinnernde Devise aus: »Ganz normal bleiben!«

Kindheitstraum

Minuten zuvor hatte der 29-Jährige die logische frühe Führung in der Saisongesamtwertung noch euphorisch bejubelt. »Über das Gelbe Trikot freue ich mich wie über Weihnachten«, sagte Eisenbichler. Der Sieg im Gesamtweltcup - der anspruchsvollste Titel im Skispringen - ist sein »Kindheitstraum«. Bis er diesen verwirklichen kann, ist es für ihn jedoch noch ein weiter Weg, auf dem viele Reisen und attraktive sportliche Ziele warten. Schon am Mittwoch geht es per Charterflugzeug von München zur nächsten Weltcupstation nach Ruka in Finnland. Es folgen rund drei Wochen nonstop auf Achse mit dem ersten großen Saisonhöhepunkt: den Skiflug-Weltmeisterschaften im slowenischen Planica. An die Schanze in Slowenien hat der leidenschaftliche Flieger gute Erinnerungen: 2019 siegte Eisenbichler dort erstmals solo im Weltcup.

Nach dem Topstart von »Eisei« und Zimmerkollege Geiger werden die Erwartungen der Fans sicher nicht kleiner werden. Das Gute für die beiden Freunde ist: Durch den Erfolg gleich zu Beginn des Winters wissen sie, »dass wir richtig gearbeitet haben im Sommer und dass der Winter losgehen kann«, wie es Geiger formulierte.

Mental anspruchsvoll

Nach der langen Vorbereitung, die coronabedingt mit viel Zeit im Heimtraining sowie ohne internationale Wettkämpfe und damit ohne eine echte Standortbestimmung ablief, ist das besonders viel Wert. Das gilt besonders in diesem mental anspruchsvollen Sport, in dem das Wissen um die eigene Stärke extrem viel bedeutet.

Nach einer kurzen Erholung in der idyllischen bayerischen Heimat gilt es, dieses positive Gefühl zu konservieren. Freiraum für große Partys ist im Lauf der Saison, in der auch noch die Vierschanzentournee und die Heim-Weltmeisterschaften im allgäuischen Oberstdorf als große Höhepunkte anstehen, vielleicht ja dann zu einem späteren Zeitpunkt noch.dpa/nd

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