Afghanistan vor Hungerwinter

Geberkonferenz: Hilfswerk fordert ziviles Engagement der Industrieländer am Hindukusch

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 2 Min.

Zum Auftakt einer Geberkonferenz für Afghanistan hat das katholische Hilfswerk Caritas mehr ziviles Engagement des Westens in dem zentralasiatischen Land angemahnt. Anderenfalls drohe eine »Hungerkatastrophe«, mahnte Caritas international am Montag. An der zweitägigen Konferenz unter Leitung der UNO, die wegen der Corona-Pandemie weitgehend online stattfindet, nehmen Vertreter von 70 Staaten teil.

Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, rief ebenfalls zu mehr internationaler Hilfe für das von Kriegshandlungen, Terroranschlägen, Armut und dem Klimawandel paralysierte Land auf. Ohne Unterstützung von außen drohten weiteres Leid und Vertreibung, erklärte Grandi am Montag in Genf. Allein in diesem Jahr seien innerhalb Afghanistans fast 300 000 Menschen vor Gewalt geflohen.

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, mahnte, die Gewalt in dem Land müsse gestoppt werden. Die Konfliktparteien müssten sich auf ein stabiles Friedensabkommen einigen. Dieses brauche die Zustimmung aller Afghanen. Derzeit finden Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierung und den islamistischen Taliban in Qatars Hauptstadt Doha statt. Die Taliban kontrollieren weite Gebiete in Afghanistan.

Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, appellierte an die Staatengemeinschaft, Finanzmittel »sinnvoll und friedensstiftend« einzusetzen. Vera Jeschke, bei Caritas international zuständig für die Arbeit des Hilfswerks in Afghanistan, sagte am Montag: »Die häufigen Wetterextreme wie Dürren und Überschwemmungen in den vergangenen Jahren und die nach wie vor angespannte Sicherheitslage verhindern, dass die Menschen von der Bewirtschaftung ihrer Felder leben können.« Jeschke berichtete, die Lage sei besonders in der Provinz Daikundi im Zentralen Hochland »katastrophal«. Dort überlebten die Menschen nur, »weil sie saisonal als Tagelöhner in die großen Städte oder ins benachbarte Ausland gehen«. Mit der Corona-Pandemie seien diese Zuverdienstmöglichkeiten komplett weggebrochen. »Wenn jetzt nicht geholfen wird, drohen die Menschen über die Wintermonate zu verhungern«, mahnte Jeschke. Nach ihren Angaben ist die Zahl der Corona-Infektionen mit bisher 44000 zwar vergleichsweise gering. Experten waren aber schon im Juli von rund zehn Millionen Infektionsfällen ausgegangen.

Aktuell leben offiziell 55 Prozent der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze, Prognosen zufolge könnten es im nächsten Jahr mehr als 70 Prozent sein. Zudem sind laut Caritas bereits jetzt rund 70 Prozent der jungen Menschen ohne Erwerbseinkommen. Die Kindersterblichkeit ist eine der höchsten weltweit. mit Agenturen

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