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Impfgegner bei Qantas nicht willkommen

Die australische Fluglinie will künftig Nachweis einer Covid-Immunisierung verlangen

  • Von Barbara Barkhausen, Sydney
  • Lesedauer: 4 Min.

Noch sind Australiens Außengrenzen wegen der Corona-Pandemie geschlossen, internationale Gäste müssen derzeit draußen bleiben. Und auch künftig könnte es ein paar Auflagen geben, um in das beliebte Reiseland zu gelangen. So sagte Qantas-Chef Alan Joyce in einem Interview mit dem australischen Fernsehsender Nine, dass seine Fluggesellschaft wohl einen Nachweis über eine Covid-19-Impfung verlangen werde, sobald der Impfstoff weit verbreitet ist und der internationale Reiseverkehr sich wieder normalisiert hat.

»Wir versuchen, unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu ändern, sodass wir von internationalen Reisenden verlangen können, dass sie sich impfen lassen, bevor sie ins Flugzeug einsteigen«, sagte er. Dies solle für internationale Besucher wie auch für australische Bürger gelten, die das Land verlassen wollen. »Wir denken, dass dies eine Notwendigkeit ist«, sagte Joyce. Laut einem Bericht der britischen Tageszeitung »The Guardian« ist nicht bekannt, ob Joyce diese Regel auch bei Reisenden anwenden will, die aus Ländern stammen, in denen der Impfstoff möglicherweise langsamer eingeführt wird, wie Entwicklungsländer oder Länder, in denen Krieg herrscht.

Laut Joyce könnten ähnliche Bedingungen auch bei anderen Fluggesellschaften gelten. Wenn er mit Kollegen anderer internationaler Airlines spreche, höre er ähnliche Gedanken, so der Konzernleiter. Derzeit überlege man noch, wie ein Impfnachweis aussehen könnte. Joyce sprach von einer Art »elektronischer Version eines Passes«. In dieser könnte sichtbar sein, was für einen Impfstoff ein Reisender erhalten hat und ob dieser in dem Land, in das man reisen möchte, auch akzeptiert wird. »Es gibt viel Logistik, viel Technologie, die eingerichtet werden muss, um dies zu erreichen«, so Joyce.

Qantas plant, den regulären Flugbetrieb in Hotspot-Länder erst dann wieder aufzunehmen, wenn Impfmittel in genügender Menge vorhanden sind. Angesichts der Pandemieentwicklung in den USA und in Europa würde seine Fluglinie diese Ziele wohl voraussichtlich erst gegen Ende 2021 wieder anfliegen, sagte Joyce.

Bei der deutschen Lufthansa will man nicht so streng sein. Die Einführung einer derartigen Pflicht sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht geplant, erklärte am Dienstag ein Konzernsprecher in Frankfurt. Für die jeweiligen Einreisevoraussetzungen seien zudem die Regierungen der einzelnen Länder zuständig. Diese müssten zunächst einen Plan zur Verteilung der bestellten Impfdosen erstellen, sobald sie verfügbar seien.

Australien vertritt insgesamt eine recht harte Linie beim Thema Impfen. Erst Ende Juni plädierte Premierminister Scott Morrison dafür, die gesamte australische Bevölkerung gegen Covid-19 impfen zu lassen. Die Immunisierung soll für alle Australier kostenlos sein. »Ich kann mir vorstellen, dass wir es so verpflichtend machen, wie nur möglich«, sagte der liberal-konservative Politiker dem Radiosender 3AW.

Später ruderte Morrison nach Kritik zwar wieder zurück, doch die Aussagen des Qantas-Chefs machen deutlich, dass Impfgegner zumindest in Australien mit ernsthaften Nachteilen im Alltagsleben rechnen müssen. Das Land hat fünf Vereinbarungen über die Lieferung eines Covid-19-Impfstoffes abgeschlossen. Unter den Kandidaten, auf die das Australien setzt, sind auch die bisher erfolgreichen Impfstoffe von AstraZeneca sowie Pfizer und Biontech.

Die restriktive Haltung von Qantas ist insofern überraschend, da die Fluglinie, wie Lufthansa und andere Airlines auch, hart von der Pandemie und den teilweise geschlossenen Außengrenzen einiger Länder getroffen wurde. Ende Juni gab die Firma bekannt, 6000 Beschäftigte entlassen zu müssen. Weitere 15 000 bleiben nach wie vor beurlaubt. Qantas werde »kurzfristig« zu einer »kleineren Fluggesellschaft«, um die Pandemie zu überleben, sagte Joyce damals.

Von den Stellenkürzungen war auch die Tochtergesellschaft Jetstar betroffen. Beschäftigte aus allen Bereichen, darunter Piloten, Kabinenpersonal, Ingenieure und Bodenpersonal, verloren ihre Arbeitsstelle. Um die finanziellen Einbußen durch die Coronakrise zu überstehen, legte Qantas zudem mindestens 100 Flugzeuge für bis zu einem Jahr oder länger still. Die Airline schickte zudem seine Boeing-747-Flugzeuge in den Vorruhestand und verschob die Auslieferung neuer Dreamliner und A320neos.

Trotz der finanziellen Misere machte Qantas in den vergangenen Monaten aber wiederholt auch Schlagzeilen mit neuen Geschäftsideen. So fliegt eine Boeing 787 Dreamliner Urlauber seit November von Australien in die Antarktis. Die Tagesausflüge ins Eis starten von Melbourne, Sydney, Brisbane, Adelaide und Perth. Eine Landung gibt es nicht, deswegen zählen die Flüge als Inlandsflüge. So umgeht die Airline die Krux der geschlossenen Außengrenzen Australiens.

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