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Kalte Tatenlosigkeit

Haidy Damm über warme Worte in der Coronakrise

  • Von Haidy Damm
  • Lesedauer: 1 Min.

Es ist Advent, Zeit für warme Worte. Nun könnte man den Brief, mit dem Frank-Walter Steinmeier sich an die Leser*innen der Bild-Zeitung gewandt hat, mit Verweis auf die Weihnachtszeit abtun, denn es ist wohl Teil seines Jobs als Bundespräsident, tröstende Worte in schwierigen Zeiten zu finden. »Voller Zuversicht« sollen die Menschen sein, so Steinmeier. Die Pandemie werde nicht dauerhaft den Alltag bestimmen. Sie werde »uns nicht die Zukunft nehmen«.

Nicht gesprochen hat Steinmeier über diejenigen, deren Leben nicht wie zuvor weitergehen wird, auch wenn der Staat aktuell mit allerlei Maßnahmen versucht, sie zu unterstützen. Noch wird darüber spekuliert, wie viele Insolvenzen aus der Coronakrise folgen werden. Doch sie werden kommen und sie werden Lebenswege verändern.

Nicht erwähnt hat der Bundespräsident auch diejenigen, deren Leben in Scherben liegt, weil sie ihre Jobs verlieren, keine Miete mehr zahlen können oder die Einsamkeit nicht ertragen. Und schon gar nicht gesprochen hat Steinmeier über diejenigen, deren Überleben durch den Fokus auf die Coronakrise mehr denn je an den Außengrenzen der EU scheitert. Reden wir also nicht über den schwachen Trost warmer Worte, sondern über die kalte Tatenlosigkeit.

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