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Ein gelungenes Comeback

Biathlet Erik Lesser kehrt nach einer miserablen Vorsaison wieder in die Weltspitze zurück

  • Von Andreas Morbach
  • Lesedauer: 3 Min.

Seit zehn Jahren ist Mark Kirchner mittlerweile Cheftrainer der deutschen Biathleten, und keinen seiner Eleven kennt der dreimalige Olympiasieger so gut wie Erik Lesser. Beide kommen aus Thüringen, arbeiten seit vielen Jahren am Stützpunkt in Oberhof zusammen. Entsprechend erfreut war Kirchner, als Lesser in der Vorwoche in den internen Ausscheidungsrennen einen der beiden noch freien Plätze im deutschen Weltcupteam ergatterte. Dass sich der 32-Jährige überhaupt erst qualifizieren musste, hatte er seiner mäßigen letzten Saison zu verdanken. Sein Stammplatz als gesetzter Athlet war danach erst mal perdu. Nun aber sah sein Trainer einstige Fähigkeiten Lessers frisch aufpoliert.

»Es zeichnet Erik aus, dass er da ist, wenn es um die Wurst geht«, betonte Kirchner vor der neunstündigen Busfahrt vom Trainingslager in Muonio nach Kontiolahti. Dort startete die internationale Biathlonelite am Wochenende in die neue Saison - und Lesser feierte in Finnlands Wäldern gleich ein beachtliches Comeback.

Zum Auftakt am Samstag kam er beim Sensationssieg des 23-jährigen Norwegers Sturla Holm Lägreid vor dessen berühmtem Landsmann Johannes Thingnes Bö im Einzel auf Rang drei. »Irgendwie habe ich in den letzten Wochen im Training etwas richtig gemacht, ich kann absolut zufrieden sein«, sagte der Oberhofer - und räumte ein, dieses Gefühl da oben auf dem Siegerpodest sei »schon ein bisschen erleichternd«. Beim Sprint am Sonntag war Arnd Peiffer als Siebter dann bester DSV-Starter, Lesser bestätigte mit Platz neun seine gute Frühform.

Als gebranntes Kind des vergangenen Winters drückte der Verfolgungsweltmeister von 2015 - ebenfalls in Kontiolahti - aber auch gleich sachte auf die Bremse. »Ich habe ein gutes Gefühl, weiß aber auch, dass es nächste Woche schon wieder ganz anders laufen kann«, kommentierte er mit Blick auf die zweite Weltcupschleife in Kontiolahti, die für die Männer am Donnerstag mit dem Sprint über zehn Kilometer beginnen wird.

In der Vorsaison haderte Lesser, der hartnäckige Rückenprobleme mit in den Winter geschleppt hatte, lange mit seiner Form. Für die Weltmeisterschaften in Antholz war er zunächst nur als Ersatzläufer nominiert worden, durfte beim Saisonhöhepunkt in Südtirol schließlich aber doch starten. Auch damals war er da, als es darauf ankam. Prompt holte Lesser gemeinsam mit Franziska Preuß zunächst Silber in der Single-Mixed-Staffel. Im deutschen Männer-Quartett sorgte er dann mit einer starken Leistung als Startläufer dafür, dass die Staffelkollegen Philipp Horn, Arnd Peiffer und Benedikt Doll am Ende der für sie überwiegend enttäuschenden Titelkämpfe noch eine bronzene Plakette mit nach Hause nehmen durften. Diesmal legte Lesser direkt von Beginn an los.

Ebenso wie Denise Herrmann mit Rang zwei im Einzel, von der Italienerin Dorothea Wierer nach 15 Kilometern und vier Schießeinlagen nur um 0,8 Sekunden geschlagen. »Den Gesamtweltcup zu gewinnen, ist mein großes Ziel. Es gibt schon ein paar Anwärterinnen, die darauf richtig heiß sind. Aber ich gehöre auf jeden Fall dazu. Wenn man das Werkzeug dazu hat, wäre es auch schön, wenn man das in jedem Wettkampf benutzt«, erklärte die Skijägerin vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal, die in Ruhpolding lebt und trainiert, vor dem Saisonstart im Gespräch mit »nd«.

Der Auftakt glückte auch, der zweite Aufguss am Sonntag ging dann allerdings böse daneben: Beim Sieg der Schwedin Hannah Öberg schlitterte Herrmann mit drei Schießfehlern unter »ferner liefen« ins Ziel - und kommentierte nach ihrem enttäuschenden 38. Platz: »Ich habe mich nicht schlecht gefühlt. Aber nach Schuss sieben habe ich irgendwie die Kontrolle verloren.«

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