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Eine Rotte auf einen Streich

Die Afrikanische Schweinepest soll mit Tierfallen bekämpft werden

  • Von Andreas Fritsche, Neuzelle
  • Lesedauer: 3 Min.
Schweinepest: Eine Rotte auf einen Streich

Zuerst geht es mit dem Auto ein gehöriges Ende durch den dichten Wald bei Neuzelle (Oder-Spree), zuletzt noch ein Stück zu Fuß. Am Ziel präsentiert Brandenburgs Staatssekretärin für Verbraucherschutz, Anna Heyer-Stuffer (Grüne), drei Typen von Fallen für Wildschweine. Das Gebiet, in dem die Afrikanische Schweinepest (ASP) im September ausgebrochen ist, wurde inzwischen fast vollständig mit festen Zäunen umgeben. Wenn es demnächst komplett abgeriegelt ist, sollen die Wildscheine mit den Fallen eingefangen und getötet werden.

Es gibt ein kleines Modell mit zwei Klappen an den Seiten, das von Landwirten in Schweden verwendet wird, um der dortigen Wildschweinplage Herr zu werden. Außerdem soll ein Gatter mit Falltür zum Einsatz kommen, in dem im günstigsten Fall gleich eine ganze Rotte Wildschweine auf einmal erwischt werden kann. Das Gatter wird per Kamera und Infrarotschweinwerfer nachts aus der Ferne überwacht. Die Wildschweine werden angelockt durch den Duft von Laubholzteer, der an die umliegenden Bäume geschmiert wird. Als Futter ausgestreute Maiskörner verführen die Tiere dann dazu, fressend in das Gatter einzudringen. Befinden sich alle oder zumindest möglichst viele Wildschweine der Rotte innerhalb des Gatters, wird die Falltür ausgelöst.

Bislang bekamen in Europa nur Tschechien und Belgien die Afrikanische Schweinepest in den Griff - und zwar mit Fallen, erläutert Egbert Gleich vom brandenburgischen Landesforstbetrieb. Andere Methoden wie zum Beispiel Drückjagden hätten sich als untauglich erwiesen. Wenn die Büchse des Jägers knallt, schrecke das die Tiere nur auf. Der Waidmann trifft mit der Kugel vielleicht ein Exemplar, das sich eventuell noch verwundet weiterschleppt und eine Blutspur durch den Wald zieht, bevor es zusammenbricht und verendet. Das aggressive ASP-Virus hält sich aber eine ganze Weile auch im Blut, wenn es auf den Boden tropft. Sollte ein Bauer dort hineintreten und das Virus an den Stiefeln in seinen Stall mit Hausschweinen tragen, wäre das eine Katastrophe.

Darum ist es nach Darstellung von Egbert Gleich ratsam, die Schweine einzufangen und dann auf kurze Distanz mit einem Kopfschuss schnell und schmerzlos zu töten. Das gibt nur eine kleine Blutlache. Die Stelle kann desinfiziert werden. »Die Tiere werden nicht verdampft oder irgendetwas, die müssen erlegt werden, damit das Virus ausstirbt«, sagt Gleich.

Gewöhnlich werden in Brandenburg pro Jagdsaison 102 000 Wildschweine erlegt. Der Waidmann spricht hier von einer Strecke Wild. Experten errechnen daraus, dass mindestens 102 000 Wildschweine im Bestand sind - wahrscheinlich sogar viel mehr. Denn in Belgien habe man die Zahl der wegen ASP zu tötenden Wildschweine auf 1000 geschätzt, dann aber 4500 erlegt, erklärt Gleich. Daran sehe man, dass der tatsächliche Bestand in der Regel weit unterschätzt werde. Fünf Wildschweine pro 100 Hektar gebe es in Brandenburg. Auf 0,5 Exemplare müsse dieser Wert gesenkt werden, um die Schweinepest zu besiegen.

Wie lange es dauert, den Schwarzwildbestand derartig zu dezimieren, vermag Egbert Gleich nicht zu sagen. In Tschechien habe man anderthalb Jahre dafür gebraucht, in Belgien mehr als zwei Jahre, in Spanien einstmals stolze 30 Jahre. »Die Vorbereitungen waren gründlich, jetzt können wir den nächsten wichtigen Schritt in der Tierseuchenbekämpfung gehen«, zeigt sich Staatssekretärin Heyer-Stuffer optimistisch.

Es sei allerdings eine Illusion, dass es schon zu Ende sei, wenn dieser eine Seuchenherd bei Neuzelle beseitigt ist, macht Egbert Gleich deutlich. Zwei weitere Ausbrüche hat im südöstlichen Brandenburg gegeben. Dort ist man noch nicht so weit, mit dem Einfangen der Wildschweine in den eingezäunten Kernzonen zu beginnen. Zunächst muss in einem ersten Schritt nach toten Wildschweinen gesucht werden, von denen Proben zur Laboruntersuchung genommen werden. Selbst wenn auch diese Krisenherde beseitigt wären, könnte es noch immer passieren, dass die Pest weiter aus Polen eingeschleppt wird.

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