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Weg vom Ekel als Modellversuch

Meine Sicht: Nicolas Šustr über Pilotprojekte zum richtigen Putzen in Schulen

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 2 Min.

Es ist immer wieder erstaunlich festzustellen, welch ein unglaublicher zivilisatorischer Rückschritt die bundesdeutschen Sparjahrzehnte waren. Infrastrukturprojekte können dadurch nicht mehr in angemessener Zeit verwirklicht werden und selbst die ordentliche Reinigung von Schulen mutiert so zu einer Raketenwissenschaft. Pilotprojekt, Modellversuch, auf diesem Wege will sich Berlin also herantasten, anständige Arbeitsbedingungen für die Reinigungskräfte in den Bildungsstätten und eine Wohlfühlatmosphäre für Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer zu schaffen. Also zumindest, dass der Klobesuch nicht zum Kampf gegen den Ekel wird. Ganz unumstritten ist der Weg dahin aber nicht in der Koalition.

Natürlich gibt die öffentliche Hand nicht immer das beste Bild ab, was die Fähigkeiten bei der nachhaltigen Organisation der eigenen Dienstleistungen angeht. Es kann einen durchaus das kalte Grausen erfassen, wenn man sich Zustand und Organisation der Bäderbetriebe ansieht. Und auch die Berliner Verkehrsbetriebe könnten mehr als eine Schippe drauflegen was die Reinigung angeht. Umfassen Sie bloß nicht die horizontalen Haltestangen in der U-Bahn! Wobei aus Sicherheitsaspekten festklebende Hände bestimmt ein Gewinn sind.

Es ist die typische Mischung aus fehlendem Geld, Desinteresse und Überforderung der Zuständigen in Verwaltung und Politik, die sich in diesen Bereichen immer wieder zeigt. Es braucht Transparenz, Mitsprache der Betroffenen und Kontrolle, wenn die Renaissance des Öffentlichen Dienstes gelingen soll. Wenn die Rekommunalisierung ein Erfolg werden soll, dürfen aus den Betrieben nicht wieder die Selbstbedienungsläden werden, die manche von ihnen einst waren.

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