Es führt (k)ein Weg daran vorbei

Haftpflichtversicherung

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

Mit Inter, Janitos, Mecklenburgische, R+V, VHV und dem Volkswohl Bund erzielten im vergangenen Jahr sechs der 50 größten Anbieter einer privaten Haftpflichtversicherung eine Schaden-Kosten-Quote von über 100 Prozent. Auf den schlechtesten Wert kam der Volkswohl Bund mit über 150 Prozent.

Die Schaden-Kosten-Quote

Doch, so werden Sie vielleicht fragen, was ist eine »Schaden-Kosten-Quote«? Der Begriff (im Branchenjargon »Combined Ratio«) bezeichnet das Verhältnis zwischen Schadenaufwendungen plus den Aufwendungen, die ein Versicherer für Verwaltung und Vertrieb hat, zu den Prämieneinnahmen von der werten Kundschaft. Je geringer die Quote ist, desto profitabler arbeitet das Versicherungsunternehmen.

100 Prozent bedeutet dann, die Ausgaben sind genauso hoch wie die Einnahmen. Eine Quote, die höher als 100 Prozent ausfällt, bedeutet demzufolge, dass der Versicherer Verluste macht.

Die meisten Anbieter auf dem deutschen Markt fuhren im Geschäftsjahr 2019 ein weiteres Mal kräftige versicherungstechnische Gewinne ein. Im Schnitt erwirtschaftete die Haftpflicht-Branche mehr als 15 Cent pro Beitragseuro. Dies ist dem »Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2020« des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin zu entnehmen. Die Schaden-Kosten-Quote von zuletzt 84,9 Prozent bedeutet eine Verbesserung um 4,8 Prozentpunkte. Zugleich stellt dieser Wert den niedrigsten seit 2002 dar. In jenem Jahr lief es mit weniger als drei Cent Gewinn pro Beitragseuro am schlechtesten in der jüngeren Versicherungsgeschichte.

Doch eben längst nicht alle der 50 größten Gesellschaften fuhren im vergangenen Jahr Gewinne in diesem Versicherungszweig ein. Insgesamt sechs (2018 waren es acht, 2017 waren es zehn) von ihnen landeten zum Teil tief in den roten Zahlen. Die Namen siehe oben.

Dem stehen andererseits neun Anbieter gegenüber, die versicherungstechnisch mehr als 30 Cent Gewinn pro Beitragseuro schrieben, so der »Branchenmonitor 2014-2019: Haftpflichtversicherung«, den die Dienstleister V.E.R.S. Leipzig und Sirius Campus herausgeben. In diesem werden zahlreiche Kennzahlen der 50 größten Marktteilnehmer dargestellt. Diese Versicherer decken fast vollständig den deutschen Markt ab.

Haftpflicht ist ein Muss

Nun müssen solch schlechte Zahlen Verbraucher nicht davon abhalten, sich bei einer dieser »schlechten« Firmen zu versichern. Die Regulierungen des deutschen Versicherungsmarktes sorgen nämlich dafür, dass der Zusammenbruch eines Unternehmens praktisch ausgeschlossen ist.

Ohnehin ist eine Haftpflichtversicherung für Verbraucher ein Muss! Trotz dieser Notwendigkeit verzichtet noch immer jeder dritte Haushalt auf eine solche Police. Das ist leichtsinnig. Andere Verbraucher besitzen zwar einen Vertrag, sind aber dramatisch unterversichert.

Wer vor zwanzig, dreißig Jahren einmal eine Haftpflicht abgeschlossen hat, wähnt sich heute oft noch bestens geschützt. Doch in alten Verträgen sind Schäden meistens nur bis zu einer Million Mark(!) festgeschrieben. Im Ernstfall kann dies in der Euro-Ära viel zu wenig sein. Die bittere Folge: Sie bleiben trotz gültiger Versicherungspolice auf einem Großteil des Schadens sitzen. Die sogenannte Versicherungssumme sollte daher so hoch wie irgend möglich sein. Selbst eine Million Euro(!) gilt heute als zu niedrig. Drei Millionen sollten es mindestens sein. Fünf Millionen Euro Versicherungssumme sind eigentlich Standard.

Wie bei jedem Versicherungsvertrag zahlt sich ein Blick ins Kleingedruckte aus. Nicht selbstverständlich ist beispielsweise der Schutz bei Auslandsreisen. Kinder sind im Vertrag der Eltern eigentlich mitversichert, doch eben nicht in jedem Fall: Kinder unter sieben Jahren haften überhaupt nicht. Im Straßenverkehr gilt das sogar bis zum Alter von zehn Jahren. Kinder sind »nicht deliktfähig«, heißt es im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Das heißt, es gibt für einen Schaden rechtlich keinen Schuldigen. Das kann allerdings teure Folgen haben, denn die Haftpflichtversicherung muss im Schadenfall nicht zahlen. Sollten die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, haften sie für den Schaden.

Günstige Angebote für Familien mit Kindern

Unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten gehört die Haftpflicht zu den günstigen Versicherungsarten. Angebote beispielsweise für eine Familie mit Kindern gibt es bereits für etwa 50 Euro. Der Grund für die Niedrigpreise: Die Haftpflicht gilt innerhalb der Branche als Einstiegsdroge. Über die günstige Absicherung von Haftpflicht, Kraftfahrzeug und Hausrat versuchen die Versicherer, Kunden zu binden, um ihnen später höherwertige Versicherungsverträge etwa für die Altersvorsorge verkaufen zu können. Daher kalkuliert manches Unternehmen eine hohe Schaden-Kosten-Quote bewusst ein.

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