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+++ Bund und Länderchefs verlängern Teil-Lockdown bis zum 10. Januar +++

Der Newsblog zur Coronakrise - Donnerstag, 3. Dezember 2020: +++ Ausgangsperre im Landkreis Leipzig +++ Corona-Umfrage: Frauen fühlen sich stärker belastet +++

  • Lesedauer: 8 Min.

Baltimore. Die Zahl der binnen 24 Stunden erfassten Corona-Toten in den USA hat erstmals seit Beginn der Pandemie die Schwelle von 3000 überschritten. Am Mittwoch meldeten die Behörden 3157 Tote mit einer bestätigten Coronavirus-Infektion, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore von Donnerstagmorgen (MEZ) hervorging. Der bislang höchste Wert mit 2607 Toten war am 15. April registriert worden.

Zum zweiten Mal seit Beginn der Pandemie übertraf die Zahl der binnen eines Tages gemeldeten Neuinfektionen am Mittwoch die Marke von 200 000. Der bislang höchste Wert war nach JHU-Angaben am Freitag mit rund 205 000 neuen Fällen registriert worden. Experten hatten mit Blick auf den Feiertag Thanksgiving in der vergangenen Woche mit einer landesweiten Zunahme der Ansteckungen gerechnet. Die Gesundheitsbehörde CDC hatte im Vorfeld von Familienbesuchen und Reisen dringend abgeraten. Viele Menschen hielten sich jedoch nicht daran.

Insgesamt haben sich in dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern mehr als 13,9 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Seit Beginn der Pandemie starben mehr als 273 000 Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2. In absoluten Zahlen gemessen sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt.

+++ Teil-Lockdown bis 10. Januar verlängert +++

Der Teil-Lockdown mit geschlossenen Restaurants, Museen, Theatern und Freizeiteinrichtungen wird bis zum 10. Januar verlängert. »Im Grundsatz bleibt der Zustand, wie er jetzt ist, mit Ausnahme natürlich der Weihnachtsregelungen, die noch extra getroffen wurden«, teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch nach Beratungen mit den Ministerpräsidenten der Länder mit. Am 4. Januar würden Bund und Länder dann darüber beraten, wie es - abhängig von der Pandemielage - anschließend weitergehen werde.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder deutete an, dass es dann eine weitere Verschärfung der Maßnahmen geben könnte. »Die Frage ist, ob wir das Land die ganze Zeit in dieser Art von Halbschlaf halten können oder ob wir nicht irgendwann auch mal überlegen müssen, an einigen Stellen sehr deutlich und konsequent tiefer heranzugehen«, sagte der CSU-Vorsitzende. Sein Gefühl sei, »dass wir uns da nicht scheuen dürfen, am Ende auch sehr konsequent zu sein - und vielleicht einmal kürzer konsequenter als länger halbkonsequent«.

Merkel betonte, nach wie vor gelte das Ziel, zu einer Inzidenz von 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage zu kommen. »Wir sind davon sehr weit entfernt im Durchschnitt. In manchen Bundesländern sinkt die Inzidenz, leider steigt sie auch in einigen wenigen noch.« Außerdem sei jeden Tag eine »sehr hohe Zahl von Todesopfern« zu beklagen. Söder sagte: »Die Corona-Lage in Deutschland ist mitnichten entspannt, im Gegenteil.«

Mecklenburg-Vorpommern behält sich noch vor, den Teil-Lockdown nicht bis zum 10. Januar fortsetzen. Darüber werde am 15. Dezember entschieden, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in Schwerin.

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch hat die Verlängerung des Teil-Lockdowns durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder bis zum 10. Januar kritisiert. »Entscheidungen, die so weitreichend Grundrechte einschränken, können nicht nach Gutsherrenart nach einer Videokonferenz verkündet werden«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Dass die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten den Lockdown ohne demokratische Debatte bis 2021 verlängert hätten, füge der Pandemiebekämpfung Schaden zu. »Die Kanzlerin sollte mit den Verabredungen der Ministerpräsidenten in den Bundestag kommen, darüber debattieren und entscheiden lassen«, forderte Bartsch.

Covid-19: Wie weit bis zu weniger scharfen Maßnahmen* in den Landkreisen?

Die Oppositionsparteien im Bundestag kritisieren seit Wochen das Vorgehen der Regierungschefs von Bund und Ländern in der Coronakrise und fordern eine stärkere Einbindung der Parlamente bei Entscheidungen über Corona-Maßnahmen.

Merkel warnte davor, anfangs zu hohe Erwartungen an Impfungen zu haben. »Wir dürfen im ersten Quartal noch nicht überbordende Hoffnungen über die Mengen des Impfstoffs haben.« Im ersten Quartal werde man wahrscheinlich rund sieben Millionen Impfdosen bekommen. Nötig seien zwei Impfungen in einem bestimmten zeitlichen Abstand. »Im zweiten Quartal wird sich die Sache nach menschlichem Ermessen sehr viel besser dann schon darstellen.« Im dritten Quartal stehe wahrscheinlich sehr viel Impfstoff zur Verfügung.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) wünschte sich vom Bund rasche Festlegungen zu den Impf-Rahmenbedingungen. Nötig seien etwa Regelungen zum Einladungssystem für die Betroffenen, das bundesweit einheitlich gestaltet werden soll. »Das macht sich nicht von alleine«, fügte Müller hinzu und verwies auch auf die noch ausstehende Klarheit, welche Bevölkerungsgruppen in welcher Reihenfolge geimpft werden sollen.

In der EU sind Zulassungen für zwei Impfstoffe beantragt worden: für einen des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer sowie für ein Produkt des US-Konzerns Moderna. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer erhielt bereits eine Notfallzulassung der britischen Aufsichtsbehörde, wie am Mittwoch bekannt wurde. Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) bat um Geduld: Auch beim Covid-Impfstoff würden keine Abkürzungen genommen und keine Abstriche bei den Anforderungen gemacht. »Nur so werden wir das Vertrauen in der Bevölkerung auf einen Impfstoff weiter ausbauen können.«L

+++ Ausgangsbeschränkungen greifen im Landkreis Leipzig +++

Die Menschen im Landkreis Leipzig müssen sich von diesem Donnerstag an auf strenge Corona-Maßnahmen einstellen. Unter anderem dürfen sie dann laut aktueller Allgemeinverfügung Haus oder Wohnung nur noch mit triftigem Grund verlassen - für Arbeit, Schule und Kita oder Sport und zum Einkaufen. Unter anderem in Fußgängerzonen sowie auf Spielplätzen gilt Maskenpflicht, auf öffentlichen Plätzen herrscht Alkoholverbot. Leipzig ist damit der letzte von zehn Landkreisen, der zur Eindämmung der Pandemie auf strenge Regeln nach Vorgaben des Landes setzt. Auch Chemnitz hat bereits seine Maßnahmen verschärft, lediglich in Leipzig und Dresden greifen noch keine Ausgangsbeschränkungen. Sachsen verzeichnet laut Robert Koch-Institut derzeit bundesweit die höchste Rate an Neuinfektionen binnen 7 Tagen je 100 000 Einwohner.

Um die Zahlen in den Griff zu bekommen und einen weiteren Lockdown wie im Frühjahr zu vermeiden, setzt Sachsen auch auf Schnelltests. Flächendeckend können damit etwa Schulen, Kitas, Pflegeeinrichtungen oder sogar Gemeinden in Corona-Hotspots getestet werden. Ende der Woche sollen die Tests nach Angaben des Gesundheitsministeriums zunächst in fünf besonders betroffenen Landkreisen starten - unter anderem in Rathmannsdorf in der Sächsischen Schweiz. In einer ersten Stufe stehen zunächst 20 000 Tests zur Verfügung. Ziel sei es, die Dunkelziffer zu erhellen, erklärte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) im Vorfeld.

+++ Corona-Umfrage: Frauen fühlen sich stärker belastet +++

Fast die Hälfte aller Frauen (49 Prozent) in Deutschland beklagt eine hohe körperliche und psychische Belastung durch die aktuelle Corona-Situation. Unter den Männern fühlt sich weniger als ein Drittel (30 Prozent) besonders belastet, wie eine am Donnerstag in Gütersloh im Auftrag der Bertelsmann Stiftung veröffentlichte Umfrage ergab. Das Marktforschungsunternehmen Ipsos interviewte dafür im Mai 537 Frauen und 523 Männer online.

Intensivbettenauslastung nach Bundesland

Insgesamt 69 Prozent der befragten Frauen kümmern sich der Umfrage zufolge überwiegend um die Hausarbeit, bei den Männern ist es knapp jeder Zehnte (11 Prozent). Während fast jeder zweite Mann (48 Prozent) die Hausarbeit gleich verteilt sieht, ist es bei den Frauen nur jede vierte (24 Prozent).

Ein ähnliches Bild ergibt sich auch in anderen Feldern. So betreut und unterstützt eine Mehrheit der befragten Frauen (51 Prozent) nach eigenen Angaben überwiegend die schulpflichtigen Kinder, bei den befragten Männern sind es nur 15 Prozent. Die Termine der Kinder koordinieren überwiegend 66 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer. Essen kochen demnach überwiegend 62 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer.

Jede zweite Frau (50 Prozent) erklärte, dass schon vor Corona die Hausarbeit und Kinderbetreuung nicht gleichmäßig verteilt war, bei den Männern waren es 39 Prozent. Während die Hälfte der Frauen (49 Prozent) die Auffassung vertritt, dass die Aufteilung von Care-Arbeit und Erwerbsarbeit zukünftig wieder zulasten der Frau geht, stimmt dem nur jeder dritte Mann (33 Prozent) zu. Mehr als die Hälfte der Männer (54 Prozent) widerspricht dieser Einschätzung sogar - unter den Frauen sind es 29 Prozent.

»Insofern hat die Corona-Pandemie weniger einen Rückfall in traditionelle Rollen verursacht, sondern scheint vielmehr ans Licht zu bringen, dass die traditionelle Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen in Deutschland bisher so gut wie gar nicht aufgebrochen war«, schreibt Bertelsmann-Autorin Barbara Würzen. In normalen Zeiten übernähmen Kitas, Dienstleister oder Großeltern viele Aufgaben, die als traditionell weiblich gelten. In Krisenzeiten fielen diese dann wieder den Frauen zu. Männer und Frauen sollten sich mit ihren privaten und beruflichen Rollen auseinandersetzen und die Aufgabenverteilung in der Familie besprechen, fordert sie.

+++ UN: Langzeitfolgen der Corona-Pandemie könnten massive Armut bringen +++

Die Langzeitfolgen der Corona-Pandemie könnten den Vereinten Nationen zufolge die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen bis 2030 auf mehr als eine Milliarde bringen. Diese Entwicklung könne aber noch abgewendet werden, hieß es in einer am Donnerstag vom UN-Entwicklungsprogramm UNDP veröffentlichten Studie.

Das Papier skizziert drei mögliche Zukunfts-Szenarien: Im schlimmsten Fall würden bis 2030 mehr als 200 Millionen Menschen zusätzlich unter extremer Armut leiden - und damit weltweit mehr als eine Milliarde. Im »Basis-Szenario« wären es 44 Millionen Menschen.

Es gebe aber auch ein positives Szenario, wonach bis 2030 über die derzeitigen Pläne hinaus zusätzlichen 146 Millionen Menschen aus der extremen Armut hinaus geholfen werden könne. Dafür müsse unter anderem in soziale Programme, Digitalisierung und den Kampf gegen den Klimawandel investiert werden, hieß es in dem Bericht. Die Pandemie sei ein »Wendepunkt«, sagte UNDP-Chef Achim Steiner. »Die Entscheidungen, die die Verantwortlichen jetzt treffen, könnten die Welt in sehr unterschiedliche Richtungen tragen.« Agenturen/nd

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