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Keine Doppeldecker mehr auf dem 100er

Um Abstände besser gewährleisten zu können, disponiert die BVG den Fahrzeugeinsatz neu

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach den Weihnachtsferien sollen die Doppeldecker von der vor allem bei Touristen beliebten Buslinie 100 zwischen Alexanderplatz und Bahnhof Zoo verschwunden sein. »Wir setzen kapazitätsstarke Fahrzeuge dort ein, wo sie benötigt werden, vor allem im Schülerverkehr«, sagt die seit 1. Oktober amtierende Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Eva Kreienkamp. Damit sollen Überfüllungen vermieden und coronabedingte Abstände besser gewährleistet werden können. Die Umdisposition brauche allerdings etwas Zeit. »Gleichzeitig sprechen wir mit Schulen, um die Zeiten des Unterrichtsbeginns weiter zu entzerren«, so Kreienkamp bei einem Pressegespräch am Mittwoch.

Voran geht der Einbau von Glasscheiben an den Fahrerkabinen der Busse. Über 500 der rund 1400 Fahrzeuge starken Flotte seien inzwischen umgerüstet. Dann verschwinden auch die provisorischen »Duschvorhänge«, wie Kreienkamp sie nennt, und auch die erste Tür kann wieder genutzt werden.

Mit Corona ist auch die Zeit der Rekord-Fahrgastzahlen zunächst vorbei. Es läuft auf maximal 70 Prozent der Vorjahreswerte hinaus, also etwa 770 Millionen statt 1,1 Milliarden Passagiere. Für die Einnahmeausfälle bis Ende August fließen vom Land 115 Millionen Euro an die BVG, wie aus Unterlagen des Hauptausschusses hervorgeht. Weitere Zahlungen für den Rest des Jahres werden folgen. »Wir werden die gleiche Diskussion nächstes Jahr haben«, erwartet Eva Kreienkamp. Allein schon weil Touristen und Messebesucher nicht so schnell wiederkämen.

»Die Antwort ist nicht, den Verkehr auszudünnen, sondern ein noch feinmaschigeres Angebot zu schaffen«, sagt die BVG-Chefin. Denn mit dem verstärkten Anstieg von Arbeitszeiten im Homeoffice können sich die klassischen Pendlerströme abschwächen. »Wir bereiten die Ausschreibung eines ganzen Pakets von On-Demand-Lösungen vor. Das gibt uns die Möglichkeit eines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses«, so Kreienkamp. Gemeint sind hiermit Rufbusse, um temporäre Verkehrsangebote zur Erreichung der barrierefreien Mobilität sowie das Sammeltaxiangebot Berlkönig.

Das Angebot der BVG soll in den nächsten Jahren um die Hälfte wachsen. Rund sechs Milliarden Euro werden dafür in neue U-Bahn- und Straßenbahnfahrzeuge, die Elektrifizierung des Busverkehrs und neue Tramstrecken fließen. Das ergibt sich aus dem dieses Jahr neu abgeschlossenen Verkehrsvertrag mit 15 Jahren Laufzeit. »Mainz hat den Ausbau des Straßenbahnnetzes um 50 Prozent hinbekommen«, sagt Kreienkamp, die zuvor die dortigen Verkehrsbetriebe mit geleitet hat. Das wolle sie in Berlin auch hinkriegen. Für einen Teil der Investitionen soll die BVG Kredite aufnehmen. »Letztlich ist es eine unternehmerische Entscheidung, Werte zu schaffen, indem man sich Geld von einer Bank holt«, erklärt die Unternehmenschefin.

Auch den Ausbau des U-Bahn-Netzes hält sie für betrachtenswert. Sinnvoll sei etwa die Verlängerung der U7 an beiden Enden – vom Rathaus Spandau zur Heerstraße sowie von Rudow zum Flughafen BER. Sie begründet dies mit dem Wachstum des Stadt und der Auslastung der Projekttochter, die sich bisher um den Bau der U5 vom Alexanderplatz zum Hauptbahnhof gekümmert hat, die diesen Freitag eröffnet wird.
Für Betrieb und Ausbau wünscht sich Kreienkamp weitere Finanzierungsmöglichkeiten. Zum Beispiel die Citymaut oder den Ausbau der Parkraumbewirtschaftung. »Das Recht auf einen Parkplatz ist nicht gottgegeben, sondern kann man sich erkaufen«, sagt sie. »Ein gesellschaftlicher Diskurs ist nötig.«

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