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  • Politik
  • Corona und soziale Folgen

Virus sortiert Arbeiter aus

Schlechte Aussichten für philippinische Arbeitsmigranten

  • Von Thomas Berger
  • Lesedauer: 3 Min.

Kein anderes Land in Südostasien ist von der Coronakrise so sehr getroffen wie Philippinen, nun hat Präsident Rodrigo Duterte zu Wochenbeginn die verschärften Quarantäneregeln bis Ende des Jahres verlängert. Betroffen sind die gesamte Hauptstadtregion Manila, urbaner Ballungsraum von mehr als zwölf Millionen Menschen, sowie sechs weitere Regionen des Landes, darunter auch seine alte Heimatstadt Davao auf der südlichen Hauptinsel Mindanao, bis Ende Dezember verlängert. Für den Rest des Landes gilt ein abgemilderter Lockdown. Unter anderem bleibt es bei der Schließung der Schulen und sonstiger Bildungseinrichtungen. Die Regierung hatte mehrfach betont, dass Präsenzunterricht erst wieder möglich sei, wenn ein Impfstoff zur Verfügung stehe. Bei medizinischen Kursen könnte es nun eine Ausnahme geben, hieß es zuletzt, würden deren Absolventen doch dringend gebraucht. Für hunderttausend Kinder in abgelegeneren Gebieten und aus armen Familien, die kaum Zugang zu Onlineunterricht haben, bedeutet die pauschale Schulschließung aber eine massive Einschränkung ihrer Bildungsrechte.

Mit bisher 435 000 Corona-Infektionen ist der Inselstaat nach wie vor ein Hotspot in Südostasien - Thailand beispielsweise hat nur gut 4000 Fälle vorzuweisen. Da liegt auf den Philippinen selbst die Zahl der bisher an oder mit dem Virus Verstorbenen mit 8400 bei mehr als dem Doppelten. Zwar hat sich das Infektionsgeschehen gegenüber August und September, als teilweise täglich mehr als 6000 neue Fälle verzeichnet wurden, auf zuletzt im Schnitt knapp 2000 etwas abgemildert. Die Regierung ist aber weiterhin alarmiert, und die verlängerten scharfen Quarantäneregeln bedeuten denn auch, dass im einzigen mehrheitlich katholischen Land Asiens Weihnachten diesmal in gewohnter Form ausfällt. Das betrifft die Gottesdienste zum Fest ebenso wie familiäre Zusammenkünfte. Selbst Feiern in erweiterter Runde jenseits der unmittelbaren Kernfamilie gelten als Massenereignis und sind damit illegal, betonte Innenminister Eduardo Ano.

Seit Beginn der Pandemie im März hat die Regierung 333 000 Arbeitsmigrant*innen, im englischen Fachbegriff Overseas Filipino Workers (OFW) genannt, zurückgeholt. Arbeitskräfte sind eines der wichtigsten Exportgüter des Landes. Das gilt nicht nur für die Schifffahrt, wo Filipinos von Frachtern über Öltanker bis zu Kreuzfahrtschiffen weit überproportional in den Crews vertreten sind, sondern ebenso für die Hausangestellten gerade in Hongkong (zu über 50 Prozent philippinisch) oder diverse Wirtschaftssektoren von Baubranche bis Servicesektor in den reichen Golfstaaten. Dass einige Länder wie Kuwait, wo am Sonnabend gewählt wird, die Zahl der ausländischen Beschäftigten künftig radikal mindern wollen, lässt etliche Rückkehrträume philippinischer »Arbeitsmigranten« in ihre früheren Jobs nach der Corona-Krise wie Seifenblasen zerplatzen.

Während viele Familie so vollauf mit dem täglichen Überlebenskampf beschäftigt sind und das öffentliche Leben auf ein Minimum heruntergefahren ist, hat der Senat, die mächtige zweite Parlamentskammer, diese Woche einmal mehr über den Umgang mit den linken Rebellen der Kommunistischen Partei (CPP) und ihres bewaffneten Arms New People’s Army sowie dem breiteren Bündnis Nationale Demokratische Front (NDFP) diskutiert. Die Tür zu einem neuen Dialog dürfe nicht zugeschlagen werden, betonten oppositionelle Senatoren. Die Armeespitze hat ihr »Red Tagging«, also das Vorgehen gegen angebliche Linksradikale, intensiviert. Generalstabschef Gilbert Gapay nannte sogar die sozialistische Frauenpartei Gabriela als vermeintliche »Frontorganisation« der CPP.

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