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Bereit zum Rohrverlegen

Lückenschluss der Pipeline Nord Stream 2 muss Ende des Jahres vollendet sein, sonst fehlt die Genehmigung

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Zeit wird knapp für Nord Stream 2. Noch bis Ende des Jahres gilt die Genehmigung, die das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie für die 1200 Kilometer lange Gasleitung durch die Ostsee erteilt hat. Zwar sind 94 Prozent der aus zwei parallel verlaufenden Rohren bestehenden Pipeline fertiggestellt, doch noch muss eine Lücke bis Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern geschlossen werden. Es gibt Anzeichen, dass damit nun begonnen wird: Russische Verlegeschiffe waren in der Nähe einsatzbereit. Offiziell wird das aber nicht bestätigt: »Zu Projektdetails und weiteren Planungen können wir keine Auskunft geben«, erklärte ein Sprecher der Nord Stream 2 AG auf nd-Anfrage.

Geplant war, dass ab Ende 2019 in Lubmin nahe Greifswald jährlich rund 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas ankommen und in weitere EU-Staaten verteilt werden. Doch im Dezember 2019 begannen die USA, vorneweg republikanische Abgeordnete aus dem Trump-Lager, wegen des 9,5 Milliarden Euro teuren Vorhabens massive Drohungen auszusprechen: gegen am Pipelinebau beteiligte Firmen und auch gegen Privatpersonen, beispielsweise Kommunalpolitiker. Wer die Leitung aus Russland unterstütze, müsse mit schmerzhaften Sanktionen rechnen, etwa mit Einreiseverbot oder dem Einfrieren von Bankkonten in den Vereinigten Staaten.

Zwar reagierten die Bundesregierung und das Land Mecklenburg-Vorpommern empört auf das US-Ansinnen, doch es kam zum Baustopp. Zwei Schiffe der Schweizer Firma Allseas, die Rohre auf dem Meeresboden verlegt hatten, drehten ab. Die USA versuchten, die Drohungen mit einem Argument zu rechtfertigen: einer zu großen Abhängigkeit der EU von russischem Gas. Die Projektbefürworter halten dagegen, den Amerikanern gehe es nur darum, eigenes Flüssiggas in Europa zu verkaufen. Das dürfte sich auch unter dem künftigen Präsidenten Joe Biden nicht ändern.

Vor wenigen Tagen appellierten die USA an die Bundesregierung, sie möge einen Weiterbau von Nord Stream 2 verbieten. »Jetzt ist der Zeitpunkt für Deutschland und die EU, ein Moratorium für den Bau der Pipeline zu verhängen«, zitiert das »Handelsblatt« die geschäftsführende US-Botschafterin in Berlin, Robin Quinville. Sie rügt die Pipeline als »politisches Werkzeug des Kremls, um die Ukraine zu umgehen und Europa zu spalten«.

Doch der mittlerweile einjährige Baustopp könnte in den nächsten Tagen zu Ende gehen dank der Entscheidung aus Russland, eigene Spezialschiffe zum Verlegen der noch zu versenkenden Rohre einzusetzen. Die »Akademik Chersky« lag zeitweilig südlich von Bornholm, um den Pipelinebau fortzusetzen. Sie soll aber inzwischen zurück nach Kaliningrad beordert worden sein. Auch die »Fortuna« wartete auf die Order zum Verlegen der Rohre, die im Hafen Sassnitz-Mukran auf der Insel Rügen liegen.

Aber auch der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist das Vorhaben ein Dorn im Auge, denn: Die russischen Verlegeschiffe müssten auf dem Meeresgrund verankert werden. Dieses Verfahren, das mit großen Umweltzerstörungen durch Sedimentaufwirbelungen einhergehe, dürfe laut Genehmigung des Bundesamtes für Seeschifffahrt von 2018 nicht in den Monaten September bis Mai angewendet werden, erinnert die DUH. Die Nord Stream 2 AG habe jedoch »unbemerkt von der Öffentlichkeit« im Juli eine Änderung der Genehmigung beantragt mit dem Ziel, dass die zwei Jahre zuvor erlassene »Sperrzeit« für verankerte Schiffe aufgehoben wird. Dieses neue Genehmigungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen, heißt es in einer Mitteilung der Umweltschützer.

Scharf kritisiert die Organisation, dass das Amt vor Abschluss des Verfahrens »anscheinend seine Zustimmung zum Weiterbau« gegeben habe. Damit aber seien schwere Beeinträchtigungen des sensiblen Ostsee-Naturraums verbunden. Neben dem Aufwirbeln des Meeresbodens gibt es eine weitere Sorge: Die Schallemissionen, die während der Arbeiten für Meeressäuger wie den Schweinswal gefährlich werden könnten, seien bislang nicht ausreichend geklärt, mahnt die DUH.

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