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O Tannenbaum

Harz, frische Triebe und Beeren von Nadelbäumen können die Gesundheit fördern

  • Von Anke Nussbücker
  • Lesedauer: 6 Min.

Etwa 25 Millionen Weihnachtsbäume werden jährlich in Deutschland verkauft. Aber viele Menschen begnügen sich auch mit ein paar Reisigzweigen und benutzen eine Duftlampe mit ätherischen Ölen von Tanne, Fichte oder Kiefer. Diese weihnachtlichen Düfte zaubern nicht nur eine heimelige Stimmung, sondern können auch helfen, Atemwegsinfekten oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.

Die ursprünglich in Europa bekannteste Tanne ist die Weißtanne (Abies alba), sie hat eine weiß-gräuliche Rinde. Die Nordmanntanne mit ihren typischen weichen Nadeln wurde nach dem finnischen Botaniker Alexander von Nordmann benannt (Abies nordmanniana) und wird hauptsächlich für die Weihnachtszeit angebaut. Nach acht bis zwölf Jahren wird sie »geerntet« und dient nach dem Fest manchmal noch als Futter im Tierpark. Die Fichte (Picea abies) heißt wegen ihrer rotbraunen Rinde auch Rottanne.

Fichten und Tannen gehören zu den Kieferngewächsen. Verglichen mit dem charakteristischen Wuchs der Kiefer zeigen sich Tannenbäume in einer viel schöneren Gleichmäßigkeit. Aus dem geraden Stamm wachsen die Äste in einem kreisförmigen Muster. Jedes Jahr kommt eine Etage von Zweigen hinzu. Insgesamt ergibt sich die typische kegelförmige Gestalt. Dabei sind die besten Bäume diejenigen, die im Wald stehen bleiben dürfen, lautet ein Motto im Erzgebirge.

Die Tanne galt schon bei den Kelten und alten Germanen als Sinnbild des ewigen Lebens. Umso mehr widersetzten sich beide Völker, als das Christentum erstarkte, dem massenhaften Fällen der Tannen. Andererseits gab es bereits bei den Römern den Brauch, Lorbeer- und Tannenzweige zum Jahreswechsel an der Tür anzubringen, um sich vor Krankheit zu schützen.

Die arzneiliche Verwendung des Tannenharzes wurde schon von dem griechischen Arzt und Urvater der Medizin Hippokrates im vierten Jahrhundert v.u.Z. beschrieben. Das Harz, welches die verschiedenen Nadelgehölze unter ihrer Rinde bilden, dient dem Baum eigentlich zur Abwehr von Borkenkäfern oder Schimmelpilzen. Aber auch der Mensch macht sich dieses Harz nutzbar, indem er die größeren Blasen am Baumstamm aufschneidet und den hellen, balsamischen Saft gewinnt. Wenige Tropfen davon, auf einen Teelöffel Zucker geträufelt, sollen laut Volksheilkunde Erkältungen und Atemwegsinfekten vorbeugen.

Bekannter ist das Inhalieren mit den ätherischen Ölen, die etwa aus den Nadeln von Tanne oder Fichte gewonnen werden. In der Pflanzenheilkunde verwendet man das terpenhaltige Harz sowie das Terpentinöl gegen verschiedene Erkrankungen der Bronchien und der Lunge. Dabei entfalten die Inhaltsstoffe wie Alpha-Pinen, Limonen oder Camphen eine antiseptische Wirkung.

Ein Sauna-Aufguss mit den Duftölen aus dem Wald hat in den skandinavischen Ländern eine lange Tradition und dient nicht nur der Stärkung des Immunsystems, sondern auch dem Training von Herz- und Kreislauf. Weiterhin regen diese Schwitzbäder dazu an, über die Haut und die Nieren Schadstoffe auszuscheiden.

Die Fichte hat im Grunde die gleichen Wirkstoffe wie die Tanne zu bieten. Darüber hinaus ist überliefert, dass im hohen Alaska der über die langen Wintermonate häufig auftretende Skorbut mit einem Tee von frisch gesammelten Fichtennadeln kuriert wurde. Die frischen Triebe im Frühling können, in Essig eingelegt, sogar wie Kapern verzehrt werden. Aus dem Krieg zwischen Schweden und Russland von 1808 bis 1809 wurde berichtet, dass finnische Soldaten sogar Brot essen mussten, dessen Mehl mit zerriebener Fichtenrinde gestreckt wurde. Die russischen Soldaten hatten durchaus Respekt vor diesen »Holzessern«.

In den letzten Jahrzehnten litt der Ruf der Fichte und zum Teil auch der Kiefer vor allem deshalb, weil man mit den Nadelgehölzen riesige Monokulturen aufforstete, die in der Gegenwart dem Klimawandel und der zunehmenden Trockenheit kaum etwas entgegenzusetzen haben. Aufgrund des Wassermangels können sie kaum noch Harz produzieren, dadurch hat der Borkenkäfer leichtes Spiel. Man legte diese Monokulturen nach dem Ersten Weltkrieg auch deshalb an, um aus dem Wald möglichst viel Profit herauszuholen. Es ist erst wenige Jahre her, dass Deutschland die Reparationszahlungen aus jenem Krieg mittels Holz von diesen »Plantagen« abschließen konnte.

Fichten, Kiefern und Tannen sind eigentlich recht genügsame Bäume. In einem guten Mischwald mit Eichen, Buchen oder Ahorn könnten sie in nördlichen Breiten und in Mittelgebirgen auch in Zukunft gedeihen.

Eine besondere Baumart unter den Kieferngewächsen ist die Zirbelkiefer, die in den höheren Alpenregionen gedeiht. Der Duft der Zirbelkiefer, kurz Zirbe genannt, verbessert den Schlaf, beruhigt und verlangsamt einen zu schnellen Herzrhythmus, wie in einer kleinen Studie beobachtet wurde. Dabei bewirken bereits ein bis zwei Tropfen ätherisches Öl der Zirbe, auf das Kopfkissen gegeben, ein leichteres Einschlafen. Aus einer Überdosierung dieses Mittels kann jedoch eine narkoseartige Vergiftung resultieren.

Auch Wacholder wird schon lange in der Naturheilkunde angewendet. Besonders die Wacholderbeeren gelten als ein uraltes Heilmittel. Sie wirken anregend, bakterizid und funktionssteigernd auf alle Schleimhäute, das Lungengewebe, die feinen Flimmerhärchen der Bronchien, das Nierengewebe, die Muskulatur, die Gebärmutter und den Fettstoffwechsel. Die haut- und blutreinigende Wirkung von Wacholderbeeren kann noch verstärkt werden, wenn man zugleich Sauerkraut verzehrt, das man mit diesen Beeren würzt. Homöopathisch arbeitende Heilpraktiker empfehlen hier eine Wacholderbeere pro Tag. Bei der Kneippschen Wacholderbeerkur steigert man von fünf auf fünfzehn Beeren pro Tag. Besonders bei Wasseransammlungen in den Beinen oder in der Lunge, bedingt durch eine Herz-Kreislauf-Schwäche, können diese würzig schmeckenden Beeren die Niere anregen, Wasser auszuscheiden. Jedoch bei einer Nierenbeckenentzündung oder in der Schwangerschaft darf Wacholder nicht angewendet werden.

Aufgrund der stark reizenden Wirkung auf die Nieren ist es stets wichtig, alle ätherischen Öle der verschiedenen Kieferngewächse mit Vorsicht zu dosieren. Besonders bei Säuglingen und Kleinkindern wird von der Anwendung abgeraten, weil die stark wirksamen ätherischen Öle sonst eine Lähmung des Zwerchfells und Verkrampfung der Muskulatur im Oberkörper auslösen können. Für kleinere Kinder sind sanftere Pflanzenarzneien aus Thymian, Majoran, Engelwurz oder Anis geeignet.

Insgesamt lässt sich resümieren: Die Inhaltsstoffe von Baumharz, Nadeln, frischen Trieben oder Beeren aus der Gruppe der Nadelgehölze können sehr wirksame Heilmittel darstellen, aber sie sind immer mit größter Vorsicht und sehr sparsam zu dosieren. Den meisten Menschen hierzulande dürfte bekannt sein, dass Holz und Nadeln der Eibe so stark giftig sind, so dass man sie nicht einmal berühren sollte.

Leider sind Weihnachtsbäume oft noch mit Unkraut- oder Schädlingsbekämpfungsmitteln belastet. Ökologische Verbände wie Bioland oder Naturland garantieren einen umweltfreundlicheren Anbau. Wenn auf chemisch-synthetische Dünger verzichtet wird, wachsen die Bäume zwar langsamer, reagieren aber auch nicht so stark gestresst auf Trockenheit. Die Anwendung von Insektiziden führt oft zum Erscheinen resistenter Schädlinge. In der ökologischen Forstwirtschaft setzt man daher auf die natürliche Robustheit eines Mischwaldes aus jüngeren und älteren Laub- und Nadelbäumen. Ein intakter Wald, der zum Wandern und Spazieren einlädt, ist nicht nur in Corona-Zeiten ein kaum in Geld umzurechnender Wert für alle.

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