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Kardinalfehler

Stefan Otto über den Umgang von Katholiken mit Missbrauchsfällen

  • Von Stefan Otto
  • Lesedauer: 1 Min.

Die öffentlich geäußerte Kritik des Münchner Kardinals Reinhard Marx an Rainer Maria Woelki wird seine Wirkung nicht verfehlen. Dass der Kölner Erzbischof die Veröffentlichung eines Gutachtens zum sexuellen Missbrauch zurückhalte, sei »verheerend für uns alle«, sagte Marx. Das ist es tatsächlich. Als ein entsprechendes Gutachten für das Aachener Bistum vor einigen Wochen veröffentlicht wurde, untermauerte dies noch den Willen zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Auch Marx hat eine Untersuchung bei der gleichen Münchner Kanzlei in Auftrag gegeben. Angst vor »methodischen Mängeln«, die Woelki angeführt hatte, scheint er nicht zu haben.

Woelki steht nun als Vertuscher da. Zumal der zweifelhafte Umgang mit der Studie nicht der einzige Vorfall ist, der von einem mangelnden Willen einer Aufarbeitung zeugt. So soll der Kardinal vom sexuellen Missbrauch eines Priesters gewusst haben, den er persönlich kannte, und den Vorfall nicht den Vatikan gemeldet haben, was ein schwerer Verstoß gegen das Kirchenrecht ist. In einem weiteren Fall erfolgte die Meldung erst sehr spät. Natürlich ist ein solches Verhalten ignorant gegenüber den Opfern, und es ist zu hoffen, dass dies nicht folgenlos bleiben wird.

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