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Heilstollen, grüne Wiese - oder doch ein Atommülllager?

Die Zukunft des Bergwerks im Salzstock Gorleben ist noch nicht entscheiden. Gedankenspiele der CDU rufen AKW-Gegner auf den Plan

  • Von Reimar Paul
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Lichtung im Gorlebener Wald, auf der das ehemalige Greenpeace-Schiff »Beluga« aufgebockt ist, liegt still im Dezembernebel. Die Mauer, die jahrelang das große Bergwerk oberirdisch umgab, ist bis auf ein kleines Stück abgebaut. Die Ruhe ist trügerisch: Eines Tages könnten radioaktive oder andere giftige Abfälle doch noch in den Salzstock im Kreis Lüchow-Dannenberg eingelagert werden, warnen jetzt Atomkraftgegner.

Dabei hatte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) Ende September erstmals eine Karte mit Gebieten veröffentlicht, die für den Bau einer Lagerstätte für hoch radioaktiven Atommüll infrage kommen. Gorleben ist nicht darauf verzeichnet. Da es keine Pläne für eine Nachnutzung des Erkundungsbergwerks gebe, werde es dauerhaft geschlossen, so die BGE. Für die Schließung solle ein sogenannter Abschlussbetriebsplan erstellt werden, das könne gut und gerne zwei Jahre dauern.

Atomkraftgegner hatten bereits nach dem 2017 begonnenen Neustart der Endlagersuche gefordert, die unterirdischen Arbeiten nicht nur zu beenden, sondern die Schächte zuzuschütten. Sie konnten sich aber nicht durchsetzen. Jetzt bekräftigt die örtliche Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg ihre alte Forderung. Die Schächte und Stollen müssten mit dem aufgefahrenen Salz, das zu Hügeln aufgetürmt auf dem Gelände liegt, verfüllt werden, das Bergwerk müsse wieder zur »grünen Wiese« werden.

Anlass für diesen Vorstoß sind Gedankenspiele örtlicher CDU-Politiker. Das Bergwerk mit seinen Schächten und Stollen sowie auch die überirdischen Gebäude sollten eine sinnvolle Nachnutzung erfahren, fordern Christdemokraten in der Samtgemeinde Gartow, in der auch Gorleben liegt. Nichts, was mit Atom zu tun habe, das müsse ausgeschlossen werden, sagt zwar der Vorsitzende des Ortsverbandes, Matthias Hennings. Aber es gebe denkbare und überlegenswerte Alternativen. Chancen, die man »nicht einfach so wegschmeißen sollte«. 45 Jahre lang hätten der Landkreis Lüchow-Dannenberg und ganz besonders die Gemeinde Gartow die Last für die Erkundung eines möglichen Endlagers getragen, zitiert die »Elbe-Jeetzel-Zeitung« aus einem Positionspapier der CDU - als habe nicht gerade diese Partei selbst stets erbittert für die Atomanlagen in Gorleben gestritten. »Stigmatisiert worden« seien die ganze Region und ihre Bewohner. Mit dem »am Ende völlig richtigen und nachvollziehbaren Aus« für das Endlagerprojekt lasse man die Menschen nun ein weiteres Mal im Stich, sagt Hennings.

Das Areal eignet sich aus seiner Sicht etwa als Standort für Windräder, im Bergwerk könnte Energie aus Erdwärme gewonnen werden, es lasse sich dort auch Wasserstoff produzieren und lagern. Auch eine Nutzung als »Heilstollen« für Urlauber wie im österreichischen Gastein sei denkbar.

Für ein »gefährliches Spiel« halte er diesbezügliche Überlegungen und überhaupt eine Offenhaltung des Bergwerks, sagt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Es habe in der Vergangenheit bereits Planspiele gegeben, wie die Anlage genutzt werden könnte, sollte sich der Salzstock als ungeeignet für ein Atommüllendlager erweisen. »Eine mögliche Giftmülldeponie war im Gespräch«, erinnert Ehmke. Auch die Einlagerung der Abfälle aus der havarierten Atommülldeponie Asse sei schon »als kleineres Übel« gepriesen worden.

In das ehemalige Salzbergwerk Asse II wurden zwischen 1967 und 1978 rund 126 000 Fässer mit schwach und mittelradioaktiven Abfällen sowie Chemiemüll versenkt. Weil die Grube instabil ist und voll Wasser zu laufen droht, sollen die Behälter an die Oberfläche geholt werden. Ihr dauerhafter Verbleib ist ungeklärt. In das frühere Eisenbergwerk Schacht Konrad, das die BGE zum Bundesendlager für schwach und mittelradioaktiven Atommüll umrüstet, können die Asse-Fässer schon aus Platzgründen nicht. Auch für die strahlenden Rückstände aus der Urananreicherungsanlage Gronau gibt es bislang kein Endlager. »Das Standortauswahlgesetz ist nicht in Stein gemeißelt«, sagt Wolfgang Ehmke. »Der Bundestag kann es entsprechend modifizieren. Deshalb wollen wir kein Türchen offenlassen.

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