Werbung

Molly unterwegs

Während das Jahresende mit Weihnachten und Silvester für Menschen eine Zeit des Beisammenseins und der Freude ist, beginnt für viele Hunde das Grauen.

Der Grund dafür - das ist auch wirklich kein Geheimnis mehr - sind die Böller und das Feuerwerk. Bis vor vier Jahren habe ich noch gerätselt, warum meine Menschen in dieser dunklen und unwirtlichen Jahreszeit immer mit mir verreisen. Auch als Hund finde ich, dass man seine Höhle nicht unbedingt häufiger als nötig verlassen muss. Huskies und andere skandinavische Artgenossen beurteilen das wahrscheinlich anders, aber sie sind auch mit deutlich mehr Fell gesegnet.

Doch vor vier Jahren blieben wir in Berlin - und das brauche ich kein zweites Mal in meinem Leben! Seitdem weiß ich, das meine Menschen vielleicht doch ganz schlau sind. Zwei Tage lang dachte ich, ich müsste sterben. Dabei ist schon der gesamte Dezember in der Hauptstadt kein Spaß. Doch pünktlich 16 Uhr am 31. Dezember, als hätten sich alle Menschen verabredet, startete pausenlose Knallerei. Ich versuchte mich unter dem Bett zu verstecken, aber das war nicht gut. Unter dem Sofa war es nicht viel besser - im Keller schließlich war es einigermaßen auszuhalten. Die Angst vor Feuerwerk ist bei Hunden die am weitesten verbreitete Angst. Und das liegt nicht nur am lauten Knallen oder pfeifenden Zischen, sondern auch daran, dass das Zeug stinkt wie die Hölle. Man möchte meinen, dass Menschen ihre Nasen nur haben, damit sie besser aussehen.

In jener Nacht, bauten mir meine Menschen eine Höhle direkt vor ihren Lautsprechern und erzeugten konstanten Krach, der das Knallen von draußen einigermaßen überdeckte. Diesen Krach kannte ich schon, der ist ungefährlich. Der nennt sich, glaube ich, Punkrock. In diesem Jahr besteht Hoffnung für mich und meine Artgenossen, nur nicht in Berlin. Trotz bundesweitem Verkaufsverbot für dieses Teufelszeug, wird schon jetzt in Berlin geböllert, wie all die Jahre zuvor. Der Einkauf von Feuerwerk im benachbarten Polen bleibt möglich, trotz Pandemie. Eine Lücke im Berliner Infektionsschutzgesetz erlaubt es den Hauptstädtern ohne Quarantäne dort einzukaufen. Ich fahre einfach wieder aufs Land - zum Glück!

Aufgeschrieben von Ulrike Kumpe

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln