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Krankenhaus kommt unter den Hammer

Hamburger Erzbistum verkauft defizitäre Klinik Groß-Sand im Stadtteil Wilhelmsburg

  • Von Reinhard Schwarz
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Zukunft der Klinik Groß-Sand in Hamburg-Wilhelmsburg ist ungewiss. Der Grund: Die 1950 gegründete Einrichtung schreibt seit 2015 rote Zahlen, zudem besteht erheblicher Sanierungsbedarf an der Bausubstanz. Der Träger, das katholische Erzbistum Hamburg, ebenfalls finanziell angeschlagen, hat nach eigenen Angaben bereits 27 Millionen Euro zugeschossen. Nun sucht es einen neuen Eigentümer.

Sozial brisant: Das Krankenhaus Groß-Sand ist eines von nur dreien südlich der Elbe mit den Stadtteilen Harburg und Wilhelmsburg, während es im Norden Hamburgs rund 30 Kliniken gibt. Von daher ist es essenziell für die medizinische Versorgung der Bewohner. Zudem liegt die Klinik in einem Stadtteil mit einem hohen Anteil von Hartz-IV-Beziehern: Etwa 20 Prozent der 54 000 Bewohner*innen leben von staatlichen Transferleistungen. Im Hamburger Durchschnitt sind es knapp zehn Prozent. Rund 60 Prozent der Wilhelmsburger*innen sind Migrant*innen oder Menschen aus Einwandererfamilien, während es im Schnitt in der Hansestadt nur etwa 35 Prozent sind.

Seit Monaten wird hinter den Kulissen nach einer Lösung gesucht. Eine Lenkungsgruppe wurde gebildet, die sich unter anderem aus Vertretern der SPD-geführten Sozialbehörde, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Krankenkassenverbände, des Erzbistums sowie der Krankenhausleitung zusammensetzt.

Die Linksfraktion hatte dazu am 16. Dezember einen Antrag in die Bürgerschaft eingebracht, in dem sie fordert, die Einrichtung unter städtischer Regie weiterzuführen, um zu verhindern, dass womöglich ein privater Eigentümer sie gewinnorientiert am Markt platziert: »Es steht zu befürchten, dass bei einem Verkauf an einen privaten Träger die bedarfsgerechte und bestmögliche Gesundheitsversorgung der Elbinsel nicht mehr im Mittelpunkt stehen wird, sondern ein erlösoptimiertes Krankenhaus, das keine Grund- und Regelversorgung mehr leistet«, hatte die Fraktion dies begründet.

Die Linke schlägt vor, die Klinik dem städtischen Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) anzugliedern, zumal vor einiger Zeit das Kinderkrankenhaus Altona auf diese Weise gerettet worden ist. Das UKE könne »den Krankenhausstandort mit einem bedarfsgerechten Behandlungsangebot sicherstellen und weiterentwickeln«. Der Antrag wurde allerdings mit den Stimmen der Regierungsmehrheit von SPD und Grünen abgelehnt, »unter anderem mit dem Hinweis darauf, dass das Bieterverfahren bereits am vorherigen Tag abgelaufen sei«, erklärte dazu Deniz Celik, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion. Celik zufolge lag der Linke-Antrag den anderen Bürgerschaftsfraktionen schon »seit zwei Wochen vor, so dass sich die Regierungskoalition dazu rechtzeitig hätte positionieren können«.

Claudia Loss, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, weist den Vorwurf Celiks zurück: »Die Linke hat diesen Antrag viel zu spät eingereicht, das hätte viel früher geschehen müssen. Zudem weiß die Linke, dass nicht wir über den Verkauf entscheiden, sondern das Erzbistum«, erklärte die Politikerin am Dienstag gegenüber dem »nd«. Sie betont zwar, dass Wilhelmsburg »Anspruch auf eine gute medizinische Versorgung« habe. Zugleich verweist sie darauf, dass das Krankenhaus der katholischen Kirchengemeinde gehöre. »Wir sollten daher den Bieterprozess abwarten, der entscheidet sich im Frühjahr«, erklärte die Politikerin. Die SPD plane gleichwohl, »das Erzbistum in den Gesundheitsausschuss der Bürgerschaft einzuladen«.

Manfred Nielen, Sprecher des Erzbistums Hamburg, erklärte auf nd-Anfrage, die Bieterfrist sei bereits am 14. Dezember abgelaufen sei: »Es können jetzt keine weiteren Bieter mehr hinzukommen. Es gibt mehrere Interessenten.« Deren Angebote würden demnächst ausgewertet. Nielen versicherte, dem Erzbistum sei es wichtig, dass der neue Träger das Krankenhaus auf Dauer fortführt: »Wir werden uns das Personal- und das Leistungskonzept ansehen und auch, inwiefern Aspekte unseres katholischen Profils lebendig bleiben können.« Die Entscheidung darüber, wer den Zuschlag bekommt, soll Anfang des neuen Jahres fallen.

Am 1. Oktober war bereits die Pflegeschule des Krankenhauses geschlossen worden. Seit August hatte es im Stadtteil wiederholt Demonstrationen für den vollständigen Erhalt des Klinikums mit mehreren Hundert Teilnehmern gegeben.

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