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Großbritannien steht auf dem Schlauch

Grenzschließungen wegen Corona und bevorstehendes Wirksamwerden des Brexits schaffen Engpässe

  • Von Peter Steiniger
  • Lesedauer: 2 Min.

Viele Verkehrsverbindungen zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland sind unterbrochen. Und das kurz vor Jahresende, wenn die Übergangsfrist nach Austritt aus der Europäischen Union ausläuft und das Vereinigte Königreich voraussichtlich den Binnenmarkt und die Zollunion verlässt. Anlass für die Beschränkungen des Reiseverkehrs durch etliche Staaten mit Großbritannien ist das dortige Auftreten einer Mutation des Corona-Virus, die im Verdacht steht, eine deutlich schnellere Ausbreitung der Pandemie zu verursachen.

Nachdem Frankreich in der Nacht zum Montag auch die Grenzen für den Frachtverkehr schloss, sind wichtige Lieferketten und Versorgungsrouten mit betroffen. Nach Angaben der britischen Innenministerin Priti Patel stauten sich auf der Autobahn zwischen London und dem Hafen von Dover wenig später bereits Hunderte Lastkraftwagen, weil der Verkehr über den Ärmelkanal nach Frankreich eingestellt werden musste. Zum Erliegen kam auch der Zugverkehr durch den Eurotunnel von Calais zur südenglischen Grafschaft Kent. Der Warenverkehr nach Großbritannien hatte in den vergangenen Wochen beträchtlich zugenommen, da viele Unternehmen auf Vorrat importieren, um möglichen Lieferengpässen und Zöllen im Falle eines ungeregelten EU-Austritts zu begegnen. Großbritannien ist besonders angewiesen auf den Agrarhandel mit Frankreich, das mit London auch um ein Fischereiabkommen ringt. Ein No-Deal mit dem ausgetretenen Mitglied wird von Stunde zu Stunde wahrscheinlicher. Die Verhandlungen zwischen London und Brüssel über einen Handelspakt stecken seit Monaten fest. Selbst für den Fall, dass es doch noch zu einer Einigung kommt, kann es nicht mehr fristgerecht ratifiziert werden.

Für die Wiederaufnahme des Warenverkehrs von Großbritannien mit dem Kontinent zeichnete sich am Dienstag eine Lösung ab. Die britischen und die französischen Behörden berieten über Maßnahmen zur Aufhebung der Sperre. Gegen Grenzschließungen innerhalb der Gemeinschaft, insbesondere für den Güterverkehr, spricht sich die EU-Kommission aus, da das mutierte Coronavirus mehrere EU-Staaten bereits erreicht habe.

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