Grüne sehen Spannungen mit radikalen Klima-Aktivisten gelassen

Fraktionsvize Krischer: Wir sind froh, dass wir diese Bewegung haben

  • Lesedauer: 3 Min.

Berlin. Immer wieder ist den Grünen in den vergangenen Monaten von Umwelt- und Klimaaktivisten vorgeworfen worden, nicht entschieden genug für den Schutz der Natur und die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad einzutreten. In mehreren Bundesländern haben sich sogenannte Klimalisten gebildet, die auch bei anstehenden Landtagswahlen den Grünen Konkurrenz machen wollen. Der Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Oliver Krischer, sieht diese Konflikte jedoch gelassen.

«Sorgen macht mir das insofern keine, weil ich heilfroh darüber bin, dass wir diese Bewegung haben und gerade die jungen Leute da unterwegs sind», sagte Krischer der Nachrichtenagentur AFP. «Das hat in den vergangenen zwei Jahren unglaublich viel Bewegung reingebracht, und die können auch stolz darauf sein, was sie erreicht haben.» Auch sei es ja richtig, dass das Erreichte «bei Weitem noch nicht genug ist» und «dass da eine Menge noch zu tun ist.»

Krischer verwies jedoch auf den Unterschied zwischen Parteien und politischen Bewegungen. «Unsere Aufgabe ist, dass wir nicht nur das Problem benennen, nicht nur sagen, wo wir hin müssen, sondern dass wir auch den Weg beschreiben», gab er zu bedenken. Das habe die Grünen immer ausgezeichnet. Und bestimmte Dinge bräuchten eigentlich auch Zeit. «Dann nützt es nichts, dass Sie einfach die radikale Forderung der Bewegung kopieren, auch wenn sie völlig berechtigt ist.»

Als Beispiel nannte Krischer den Konflikt um die Rodung des Dannenröder Waldes für den Bau der Autobahn A49. Hier müsse der hessische Grünen-Verkehrsminister Tarek Al-Wazir «etwas umsetzen, was er selber jahrzehntelang bekämpft hat». Es wäre generell sehr einfach, als Grüne zu sagen, «was ist das radikalste Ziel, juhu das machen wir». Lasse sich das dann aber nicht in der Gesellschaft umsetzen, dann würden die Grünen «auch bei der Bundestagswahl Schiffbruch erleiden».

Eine Partei habe immer «auch die Aufgabe, dass sie den Menschen konkret erklären kann, wie man bestimmte Ziele erreichen will, betonte Krischer. »Da ist eine Bewegung anders, eine Bewegung muss das Ziel benennen, muss das einfordern, muss Druck machen.«

»Da scheinen manche in der Bewegung das vielleicht auch zu verwechseln und nicht auch die Rollenteilung an der Stelle klar zu sehen.« Das mache Diskussionen manchmal schwieriger, doch aus Sicht der Grünen sei das Ziel klar, »und da trennt uns auch gar nichts von den Bewegungen, dass das Pariser Abkommen für uns die Grundlage unseres Handelns ist«, hob der Grünen-Politiker hervor.

Deutlich mehr Ehrgeiz, bitte!
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Ebenso sei es jedoch wichtig, sich nicht nur auf Fernziele zu konzentrieren, »was wird möglicherweise 2050 sein«, sondern »dass wir gucken, was müssen wir jetzt in den nächsten drei, vier Jahren machen«. Dies sei derzeit die eigentliche Herausforderung, »dass wir endlich mal aus der Ziel-Diskussion herauskommen, dass wir ins Handeln reinkommen, weil hier in der Zeit der großen Koalition viel zu wenig passiert ist.«

Krischer äußerte sich überzeugt, dass dies auch viele Aktivistinnen und Aktivisten in der Umwelt- und Klimabewegung so sehen würden. Natürlich gebe es dort auch Menschen, »die lieber die bekämpfen, die ihnen am nächsten stehen als die, die das Problem darstellen«. Die meisten würden aber erkennen, dass beim Klimaschutz »die Grünen die Partei sind, die da für die Umsetzung steht«. AFP/nd

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