Die gute Nachricht zum Schluss

HEISSE ZEITEN - Die Klimakolumne

  • Von Anke Herold
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach vielen Kolumnen an dieser Stelle im zu Ende gehenden Jahr, in denen ich immer wieder gegen die mangelnde Umsetzung von Maßnahmen zur dringenden Minderung der Treibhausgasemissionen angeschrieben habe, gibt es Ende 2020 auch eine Reihe von positiven Entwicklungen bei der Bekämpfung der Klimakrise zu vermelden. So haben zahlreiche wichtige Staaten beschlossen, dass sie Klimaneutralität anstreben und ihre Treibhausgasemissionen in Zukunft auf netto Null sinken sollen. Finnland zum Beispiel möchte dies bis zum Jahr 2035 erreichen, Österreich bis 2040, Schweden bis 2045 und der Rest der EU bis 2050. Außerhalb Europas haben sich Kanada, Südafrika, Südkorea, Argentinien und Neuseeland zur Klimaneutralität bis 2050 entschieden. China und Brasilien wollen dieses Ziel bis 2060 erreichen. Joe Biden hat angekündigt, dass die USA unter seiner Präsidentschaft ebenfalls für Klimaneutralität bis 2050 sorgen wollen.

Insgesamt haben sich mittlerweile 127 Staaten zur Klimaneutralität verpflichtet. Falls diese Verpflichtungen tatsächlich umgesetzt werden, dann würde der globale Temperaturanstieg nach Berechnungen des Climate Action Trackers auf 2,1 Grad Celsius beschränkt werden - Ende vergangenen Jahres lag dieser Wert noch bei 2,8 Grad. Das heißt: Wir sind dem Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens, das den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad begrenzen möchte, im zu Ende gehenden Jahr ein deutliches Stück nähergekommen.

Aber nicht nur die Lippenbekenntnisse der Staatschefs lassen Hoffnung aufkeimen, auch die faktischen Trends weisen in die richtige Richtung. Deutschland hat mit dem ersten Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien entscheidend dazu beigetragen, dass der Preis für Strom aus Wind und Sonne so stark gesunken ist, wie es vor zehn Jahren noch fast unvorstellbar war. Wind und Photovoltaik sind nun meist die günstigsten Optionen zur Stromerzeugung. Der globale Kohleverbrauch ist 2020 gegenüber dem Jahr davor um sechs Prozent gesunken, und es könnte sein, dass 2013 als das Jahr mit dem höchsten Kohleverbrauch in die Geschichte eingeht. 2020 wurden erstmals global mehr Kohlekraftwerkskapazitäten stillgelegt als neu gebaut.

Selbst in den USA wurden unter Präsident Donald Trump 67 Prozent mehr Kohlekraftwerkskapazitäten endgültig abgeschaltet als in der Amtszeit seines Vorgängers Barack Obama. In diesem Jahr wurden in den USA zudem 17 Gigawatt an Photovoltaik neu installiert, mehr als jemals zuvor. Auch der Neubau von Windkraftanlagen stieg um 30 Prozent im Vergleich zu 2019. An der fehlenden Wirtschaftlichkeit der Kohle gegenüber den erneuerbaren Energien konnten auch alle Maßnahmen Trumps zur Kohleförderung letztlich nichts ändern.

Auch die globale Kampagne zum »Divestment«, also dem Abzug von Geldern aus fossilen Energien, ist überaus erfolgreich. Mehr als 1300 institutionelle Investoren und 58 000 Einzelanleger haben sich mittlerweile verpflichtet, nur noch in Portfolios ohne Kohle zu investieren. Im Dezember kam gerade der Pensionsfonds von New York dazu. Die 226 Milliarden Dollar, die dieser Fonds verwaltet, sollen künftig nur noch in Netto-Null-Emissions-Anlagen fließen. In Deutschland haben mittlerweile elf Städte und vier Bundesländer beschlossen, ihre Geldanlagen frei von fossilen Energien zu investieren. Nur noch in China, Japan und Südkorea gibt es Banken, die Kredite für Kohlekraftwerke vergeben.

Die Internationale Energieagentur prognostiziert, dass der globale Stromverbrauch bis 2025 um 2700 Terawattstunden steigt und dass 99 Prozent dieses zusätzlichen Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Laut der Agentur werden die globalen Stromerzeugungskapazitäten von Wind und Photovoltaik im Jahr 2023 höher sein als die der Gaskraftwerke und 2024 auch die der Kohlekraftwerke übersteigen. Der Energiesektor ist damit klar auf dem Weg in die Dekarbonisierung. Diese Richtung kann auch durch rechte Regierungswechsel nicht mehr einfach umgedreht werden. Das ist die gute Nachricht am Ende dieses Jahres der vielen schlechten Nachrichten.

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