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Ein Bett für alle Fälle

Neue Plattform für Wohnungslose startet Anfang 2021

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Wildwuchs bei den Unterkünften für Wohnungslose in Berlin soll ab 2021 ein Ende haben. Anfang des Jahres ist als Pilotprojekt der Start einer neuen zentralen Datenbank für Unterkünfte geplant, kündigte Stefan Strauß, Sprecher der Sozialverwaltung für Soziales an. Als erste beteiligen sich die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte. Nach der Testphase ab Sommer soll das Projekt unter dem Motto »Mensch sucht Bett« auf ganz Berlin ausgeweitet werden.

Die Datenbank soll ähnlich funktionieren wie ein Hotelbuchungssystem, auf das Mitarbeiter in den Verwaltungen Zugriff haben. »Ziel ist es, die Lebenssituation wohnungsloser Menschen in unserer Stadt deutlich zu verbessern - unabhängig von Status und Herkunft«, so Strauß. In die Belegungssoftware sollen genaue Suchkriterien eingegeben werden können, so dass künftig jeder genau die Unterbringung findet, die er braucht - die vierköpfige geflüchtete Familie mit Vater im Rollstuhl ebenso wie ein Alleinlebender mit Suchterkrankung. Neben der Suchmöglichkeit für Unterkünfte sollen auch die Zuweisung der Menschen und die Abrechnung für die Kosten zentralisiert werden. »Ein wichtiges Kriterium dabei ist, dass die Unterkünfte einheitliche Standards und Qualitätsmerkmale erfüllen müssen und diese auch überprüft werden«, so Strauß.

Für die Unterbringung von wohnungslosen Menschen sind die Bezirke zuständig: Menschen, die ihre Wohnung verloren haben oder kurz davor sind, sie zu verlieren, gehen zur Sozialen Wohnhilfe in ihrem Bezirk und die bringt sie dann unter. »Die Situation ist unübersichtlich. Weder existieren einheitliche Mindeststandards noch einheitliche Qualitätsstandards. Das muss sich vor allem im Sinne der betroffenen Menschen ändern«, betonte der Sprecher.

Senatorin Elke Breitenbach (Linke) hatte im Sommer 2018 ein neues Konzept für die Unterbringung Wohnungsloser angekündigt mit der Datenbank als Kernthema. Bei einer Obdachlosenzählung Ende Januar wurden in Berlin knapp 2000 Menschen erfasst, die auf der Straße leben - Kenner*innen der Szene halten diese Zahl allerdings für viel zu niedrig. Zusätzlich leben in der Hauptstadt rund 50 000 Menschen in Massenunterkünften, darunter etwa 19 000 Geflüchtete. Bei rund der Hälfte der Menschen in Flüchtlingsunterkünften ist ihr Asylverfahren längst abgeschlossen, sie haben also Anspruch auf eine eigene Wohnung, finden aber keine und gelten daher als wohnungslos.

Für die Menschen, die in den Flüchtlingsunterkünften leben, ist das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) zuständig. Die Behörde kündigte am Montag an, Pilotbehörde für die neue Plattform zu werden. »Das LAF hat sich seit seiner Gründung eine hohe Expertise in der Versorgung und Unterbringung von geflüchteten Menschen erarbeitet«, so LAF-Präsident Alexander Straßmeir. »Deswegen freue ich mich, dass wir unsere Unterbringungserfahrung in das Projekt einbringen können und dadurch dazu beitragen, eine verbesserte Unterbringung aller Wohnungslosen in Berlin zu schaffen.«

In Berlin gab es bereits ein zentrales Vermittlungssystem, die sogenannte Berliner Unterbringungsleitstelle (BUL). Doch dieses System entspreche nicht mehr den aktuellen Sicherheitsanforderungen und IT-Standards des Landes Berlin, so Strauß. Auch wichtige Funktionen seien nicht vorhanden gewesen, wie etwa die Anbindung der Betreiber der Unterkünfte an das System. Eine Nachrüstung der BUL wäre einer kompletten Neuentwicklung gleich gekommen, so der Sprecher. Stattdessen hat man sich entschieden, im Februar mit der gesamtstädtischen Steuerung zu beginnen. Mit Agenturen

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