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Noch eine überflüssige Autobahn

Naturschutzbund kritisiert mit dem Negativpreis »Dinosaurier des Jahres« veraltete Verkehrspolitik

  • Von Haidy Damm
  • Lesedauer: 3 Min.

Auch wenn Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sich gut eingepasst hätte in die illustre Männerriege (mit Ilse Aigner hat erst eine Frau den Schmähpreis erhalten), nein, der CSU-Politiker bekommt ihn nicht, den Titel »Dinosaurier des Jahres«. Der seit 1993 verliehene Negativpreis für verfehlte Umweltpolitik geht in diesem Jahr nicht an eine Person, sondern an ein Verkehrsprojekt: Die A26 Ost.

Die geplante Querverbindung der A1 und A7 im Hamburger Süden mit zehn Kilometer Länge sei ein »perfektes Sinnbild für eine verfehlte Verkehrspolitik sowie für antiquierte Infrastrukturplanungen in ganz Deutschland«, sagt Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger am Dienstag auf der Online-Pressekonferenz. Hier solle wieder einmal Natur verbaut werden, obgleich sich die Bedarfsprognosen dramatisch verändert hätten und sinnvollere Alternativen bestünden, so Krüger. Besonders teuer sei der Ausbau der Autobahn auch noch: 150 Millionen Euro pro Kilometer bringen das Gesamtprojekt auf Kosten von 1,5 Milliarden Euro. »Die Stadt Hamburg und der Bund sollten diese Planungen jetzt stoppen«, forderte Krüger.

Die Hansestadt hatte die Pendlerautobahn für Hafen und Airbusgelände bereits vor 20 Jahren beim Bund angefragt, unter CDU-Bürgermeister Ole von Beust, der damals mit den Grünen regierte. Zwei Dekaden später seien die Gelder bewilligt worden, inzwischen habe sich aber die Sachlage geändert. Die als »Hafenpassage« bezeichnete Stadtautobahn, die an ein extrem hohes Hafenwachstum gekoppelt sei, fuße auf völlig überzogenen Umschlagserwartungen für den Hamburger Hafen, erklärt Hamburgs Nabu-Vorsitzender Malte Siegert. Statt der für 2025 prognostizierten 25 Millionen Containern Umschlag gehe ein aktuelles Gutachten der Hamburger Wirtschaftsbehörde noch von allenfalls elf bis 14 Millionen Containern 2035 aus. Auch gäbe es mit der Haupthafenroute eine bereits bestehende Alternative.

Zudem zerstöre die im Bau befindliche A26 West bereits große Naturflächen und damit wichtige Lebensräume für gefährdete Tiere und Pflanzen. Insgesamt führten beide Abschnitte von A26 West und Ost zu einem Verlust von mehreren Hundert Hektar Biotopflächen, vor allem von wertvollen Niedermoorböden. Diese leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt, sondern dienen auch als gigantischer Kohlenstoffspeicher. Sie speichern mehr Kohlenstoff als jedes andere Ökosystem der Welt.

Damit stehe der Bau der A26 Ost gleich mehrfach den Klimazielen von Bund und Ländern entgegen: Er fördere Verkehr, der mit der Verkehrswende vermieden werden soll. Er zerstöre den wertvollen Kohlenstoffspeicher Moor und sei zudem durch die zementintensive Bauweise besonders klimaschädlich. Denn: Ein Großteil der Trasse muss aufgeständert werden, damit eine 50 Meter hohe Brücke die Süderelbe überqueren kann. Sie wurde deswegen so hoch geplant, damit gigantische Kohleschiffe das dahinterliegende Kraftwerk Moorburg erreichen können. Das wiederum wird jedoch 2021 abgeschaltet. Die Moorburger*innen verlieren trotzdem ihr Naherholungsgebiet.

»Wir brauchen die A26 Ost so wenig wie viele andere geplante Autobahnen in Deutschland«, sagte Siegert und forderte eine »grundlegende Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplans, um solche Planungs-Dinosaurier zu stoppen«. Alle Neubauten von Fernstraßen sollten bis zu dieser Überprüfung vollständig ausgesetzt werden.

Die A26 Ost könnte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) jetzt beim Bund noch abbestellen, sagt der Nabu. Verantwortlich für den Ausbau ist das Bundesverkehrsministerium, damit auch Andreas Scheuer. Was den CSU-Politiker zwar doch wieder preisverdächtig macht, doch ins Regal stellen wird er sich die silberne Dinofigur wohl nie. Der Nabu will den Schmähpreis zukünftig immer an Projekte vergeben und nicht mehr an Personen.

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