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Von der Eifersucht

Ein Krimi über die postkolonialen Beziehungen zwischen Volk, Regierenden und Geschlechtern auf den Kapverden

  • Von Eric Breitinger
  • Lesedauer: 3 Min.

Der berühmteste Autor der Kapverden soll in der Hafenstadt Mindelo seinen neuen Roman vorstellen. Doch bevor Miguel Lopes Macieira die Bühne betritt, nähert sich sein bester Freund Edmundo, zückt eine Pistole und schießt ihm ins Herz. Der Mörder und seine schöne Frau entkommen im Tumult. Mit diesem Knall eröffnet Germano Almeida seinen Krimi »Der treue Verstorbene« und klärt dann auf, wie es zu diesem Mord kam.

Almeida ist 75 Jahre, Rechtsanwalt und gilt als der renommierteste Autor der Kapverden. Sein nun erstmals auf Deutsch übersetzter Roman besticht durch seine elegante Sprache, den klugen Plot und den oftmals beißenden Spott. Almeida entfaltet hier eine Geschichte voller Eifersucht und Sehnsucht, die zwischen Krimi, Künstlerroman, Romanze und Gesellschaftssatire hin und her pendelt.

Der ermordete Autor Miguel Lopes Macieira kam einst aus Portugal zurück, um sich auf den Kapverden ganz und gar dem Schreiben zu widmen. Er ging fast völlig in seiner Literatur auf, so dass er erst nach Tagen richtig verstand, dass ihn seine Frau Mariza verlassen hatte. Aber er hatte Erfolg mit seinem Schreiben. Er befreundet sich dem Bauunternehmer Edmundo, und lernt auch dessen anmutige Freundin und spätere Frau Matilde kennen. Miguel und Matilde fühlen sich zueinander hingezogen und beginnen, sich regelmäßig zu treffen - mit dem Wissen Edmundos. Sie entwickeln eine intensive Freundschaft, verzichten aber darauf, miteinander zu schlafen.

In »Der treue Verstorbene« geht es also viel um Liebe, Freundschaft und Verrat. Doch Almeida legt letztlich frei, wie viele, gebildete Kapverdianer noch immer von kolonialen Denkmustern und Gefühlen geprägt sind. Die atlantische Inselgruppe, 450 Kilometer westlich vor der Küste Senegals gelegen, erlangte im Jahr 1975 ihre Unabhängigkeit. Damit fanden 519 Jahre portugiesischer Fremdherrschaft ein Ende. Auf neun Inseln wohnen rund 450 000 Menschen, doppelt so viele Kapverdianer leben im Ausland. Hunger und Armut zwangen abertausende Inselbewohner seit dem 19. Jahrhundert in die Emigration, vor allem in die USA Amerika und nach Portugal.

Fast alle Protagonisten Romans lebten lange in Lissabon. Auch nach ihrer Rückkehr auf die Kapverden verehren sie die portugiesische Kultur und Sprache und verschmähen das einheimische Criolo. Zugleich pflegen sie traditionelle Rollenbilder, das Patriarchat wird nur zaghaft von den Frauen angegangen. So hält es Edmundo als Mörder seines Freundes für sein gutes Recht, dass seine junge Frau Matilde außer ihm niemand in ihrem Herzen zulassen soll. Auch das neue Bürgertum auf den Kapverden hält allgemein nicht viel vom freien Willen. Dies führt Almeida in einer furiosen Schlussszene vor. Der verstorbene Autor, ein Atheist, wünschte sich in seinem Testament seine Kremierung. Doch Präsident und Premier lassen den Leichnam im Palast des Volkes aufbahren, bis er anfängt zu stinken. Und der Erzbischof von Mindelo zelebriert mit viel Pomp eine katholische Erdbestattung, die der Autor so auf keinen Fall gewollt hätte. Der Kolonialismus lässt sich nicht so leicht abschütteln.

Germano Almeida: Der treue Verstorbene. A.d. Portug. v. Michael Kegler, Transit, 304 S., geb., 24 €

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