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Angriffe auf verschlüsselte Kommunikation

Beim Chaos Communication Congress warnen Aktivisten vor mehr Überwachung im Netz

  • Von Daniel Lücking
  • Lesedauer: 3 Min.
Noch nicht digital: Der CCC 2018.
Noch nicht digital: Der CCC 2018.

Der Blick zurück in das Jahr 2019 wirkt wie eine Zeitreise: 17 000 Menschen, die für vier Tage zum 36. Chaos Communication Congress, kurz 36c3, auf einem Messegelände in Leipzig ganz selbstverständlich zusammengekommen sind. Solch ein Treffen ist nun mitten in der Coronakrise in dieser Form undenkbar. Die Konsequenz: In diesem Jahr gibt es keinen 37c3, sondern den rein digital stattfindenden Remote Congress, kurz rc3. Statt an den Weihnachtstagen Bühnen, Tribünen, Tische und Treffpunkte aufzubauen, schufen die Kreativen eine digitale Plattform, die möglichst viel vom Gemeinschaftsgefühl geben sollte, das Hacker und Hacksen (so die Bezeichnung für weibliche Hacker, die sich an das Wort Hexe anlehnt) seit fast vier Jahrzehnten in dieser Zeit erfahren.

Der Congress ist dabei keine Selbstbespaßung einer technikverliebten Szene. Vom Wissensaustausch, der im Bereich der IT-Sicherheit stattfindet, wirken viele Diskussionen und Themen in der Gesellschaft fort. In einem Vortrag zum Thema »Elektronische Beweisführung« geht es um die Verwertbarkeit von Screenshots von Interneteinkäufen. Im Vortrag »Digitales Klassenzimmer« stellt Jessica Wawrzyniak vom Verein Digital Courage freie Schulsoftwarelösungen vor, die als Alternative zur umstrittenen Microsoft-Software in Frage kommen. Das ist dringend notwendig, denn die Microsoft-Office-365-Lösung, die weiter verbreitet ist, kontaktiert in manchen Systemen 32 andere Server im Ausland.

Zwar kenne Microsoft die Serverstandorte, die oft in China und den USA stehen, macht IT-Verschlüsselungsexperte Bruce Schneier in einem anderen Vortrag deutlich, jedoch sei das Risiko hoch, dass aus einer derart unüberblickbaren Infrastruktur Daten abfließen. Schneier rät dem Unternehmen dazu, auf derartige Verbindungen künftig zu verzichten.

Auf politischer Ebene warnte Schneier vor den Angriffen auf die verschlüsselte Kommunikation der Messengerdienste, die die Europäische Union und Deutschland mit verschärften Gesetzgebungen planen. Die Hintertüren, die die Regierungen einbauen wollen, seien gegen die Interessen der Bürger*innen gerichtet. Es müsse im Interesse der gewählten Volksvertreter*innen liegen, sich für und nicht gegen die Sicherheit der Menschen einzusetzen.

Dringend müsse im Bereich des Internets der Dinge (IoT) dafür gesorgt werden, dass Sicherheitslücken frühzeitig erkannt und beseitigt werden. Ohne staatliche Auflagen, wie bereits bei der Arznei- und Lebensmittelsicherheit ganz selbstverständlich, sei das auf Dauer nicht möglich.

Dass die digitale Selbstverteidigung notwendig ist, belegt das Extrembeispiel des Datenjournalisten Andy Müller-Maguhn. In seinem Vortrag »CIA versus Wikileaks« legte Müller-Maguhn offen, wie weit die staatlichen Überwachungsmaßnahmen gehen. Er gehört zum Umfeld des Wikileaks-Gründers Julian Assange und hat den Australier mehrfach in der ecuadorianischen Botschaft in London besucht, in der Assange über Jahre Schutz vor der Auslieferung an die USA gesucht hat. Müller-Maguhn schilderte die Arbeitsbedingungen, die mit der kritischen Berichterstattung einhergehen. So konnte Müller-Maguhn Auffälligkeiten seiner beruflich genutzten Computer frühzeitig feststellen.

Datenverbindungen, über die große Datenmengen übertragen werden, zählte Müller-Maguhn zu den vergleichsweise harmlosen Eingriffen. Lange Kontrollen an britischen Flughäfen, wohl um Sprachproben zu sammeln oder Ermittlerteams in Position zu bringen, die seine Besuche in London verfolgten, gehörten dabei ebenso zum Repertoire der Geheimdienste wie die offensichtliche Beschattung aus Fahrzeugen heraus, die ihm bis in eine Sackgasse hinein folgten. 2018 fand Müller-Maguhn dann nach einer Reparatur seines verschlüsselten Smartphones zusätzliche Bauteile und eine weitere Antenne in dem Gerät, die dort nicht hingehörten.

Mit dem Fall des Journalisten Julian Assange, in dem am kommenden Montag das Urteil im Auslieferungsprozess an die USA gesprochen wird, beschäftigen sich die Congress-Teilnehmer*innen in mehreren Vorträgen.

Die Vorträge des heute endenden Kongress stehen auf der Plattform media.ccc.de zur Verfügung.

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