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Warten auf den Impfstoff

Berlin ist verärgert über den Wegfall einer Lieferung, Brandenburg kann sich mit seinen Reserven behelfen

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.
In der Metropolishalle in Potsdam-Babelsberg ist ein Impfzentrum mit Kabinen und Wartebereich eingerichtet.
In der Metropolishalle in Potsdam-Babelsberg ist ein Impfzentrum mit Kabinen und Wartebereich eingerichtet.

Berlin und Brandenburg werden Anfang Januar voraussichtlich keinen zusätzlichen Corona-Impfstoff erhalten. »Wir haben jetzt vom Bundgesundheitsministerium die Nachricht bekommen, dass die Lieferung in der ersten Kalenderwoche ersatzlos ausfällt«, sagte Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Ähnlich äußerte sich fast zeitgleich Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). Sie wollte aber nicht ausschließen, dass es vielleicht doch noch anders kommt.

Berlin sollte ursprünglich ab dem 4. Januar 29 250 weitere Impfdosen erhalten. »Die hätten wir gebraucht, um mit den über 80-Jährigen anfangen zu können. Das können wir jetzt natürlich nicht, weil diese Impfdosen fehlen«, bedauerte Kalayci. Deshalb sollen zunächst allein über 90-Jährige per Brief in die neuen Impfzentren der Hauptstadt eingeladen werden. Dort könne es nun wegen der wegfallenden Lieferung frühestens ab dem 11. Januar losgehen.

Anders sieht es in Brandenburg aus. Hier startet am 4. Januar die telefonische Terminvergabe für die ersten beiden Impfzentren in der Potsdamer Metropolishalle und in der Messe Cottbus. Dort soll es bereits am 5. Januar losgehen. In Brandenburg seien, die letzte Lieferung vom 30. Dezember eingerechnet, inzwischen gut 39 000 Impfdosen eingetroffen, erläuterte Ministerin Nonnemacher. Da erst 1553 Impfungen verabreicht sind, gibt es noch Reserven. »Sonst würden wir in der ersten Woche des neuen Jahres durch die ausfallende Lieferung blank dastehen«, sagte Nonnemacher. Aber so sei es »kein Drama«.

Die Terminvergabe erfolgt über zwei Callcenter mit bis zu 150 Mitarbeitern, informierte Holger Rosteck vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg. Diese Callcenter könnten 40 000 Anrufe pro Woche abwickeln. Bei Bedarf ließe sich die Kapazität aufstocken. Zu erreichen seien die Callcenter über die bereits bekannte Servicenummer 116 117, die auch hilft, wenn ein Patient dringend einen Facharzttermin benötigt, sich aber vergeblich darum bemühte.

Wer die bundesweit gültige Telefonnummer 116 117 in Brandenburg wählt, landet automatisch bei einem Callcenter für Brandenburg. Wer aber zum Beispiel aus Berlin anruft, um für seine alten Eltern in Brandenburg Impftermine zu vereinbaren, könne sich verbinden lassen, sicherte Rosteck zu.

Der Anrufer bekomme gleich beide Termine - für die erste Impfung und für die Wiederholungsimpfung 21 Tage später. Man erhalte nach der Terminvereinbarung einen Brief mit einer Bestätigung und der Adresse des ausgewählten Impfzentrums - es muss nicht zwingend das nächstgelegene sein, man könne sich auch einen Termin in einem anderen Zentrum geben lassen. Dem Brief beigelegt sei der Aufklärungsbogen, den man sich in Ruhe durchlesen und mit Angehörigen besprechen könne. Fragen beantwortet ein Arzt dann vor Ort beim Aufklärungsgespräch. »Wir wollen keine schnelle Impfung, sondern eine qualitativ hochwertige«, betonte Rosteck. Niemand soll sich überrumpelt fühlen. Geplant sei, im Januar weitere Impfzentren zu eröffnen - je nachdem, wie groß der Andrang sei und wie viel Impfstoff verfügbar. »Wir werden von Woche zu Woche nachregulieren.«

Zuerst sind die über 80-Jährigen und das Personal der ambulanten Pflegedienste dran. Mit Stand Ende 2019 lebten in Brandenburg 197 346 Menschen, die das 80. Lebensjahr vollendet hatten. Die Bewohner und das Personal der Pflegeheime werden in den Heimen geimpft, ebenso die Ärzte und Krankenschwestern von Corona-Stationen und Notaufnahmen in ihren Kliniken. Bettlägerige Senioren, die daheim betreut werden, müssen sich noch gedulden und darauf warten, dass bald auch Impfstoffe zugelassen werden, die nicht umständlich zu kühlen sind wie jetzt der des Herstellers Biontech/Pfizer. Diese anderen Impfstoffe können dann einfach vom Hausarzt verabreicht werden.

Pflegeheime sollen künftig online Termine für Impfungen der Bewohner und des Personals buchen können. Ein entsprechendes Tool befindet sich gerade in der Testphase, wie Lee-Jérôme Schumann erläuterte. Er ist Referent Einsatzdienste beim DRK-Landesverband.

Zu denjenigen, die sich in der ersten Stufe impfen lassen dürfen, gehören in Brandenburg etwa 250 000 Menschen. Sicher nicht erst, wenn diese allesamt geimpft sind, könne man weitere Personengruppen, also Jüngere, einbeziehen, sagte Gesundheitsministerin Nonnemacher. Holger Rosteck von der Kassenärztlichen Vereinigung ergänzte: »Der limitierende Faktor ist im Moment der Impfstoff.«

brandenburg-impft.de

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