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Nijeer Parks verklagt die Polizei, die Staatsanwaltschaft und die Stadt Woodbridge, weil er fälschlicherweise festgenommen wurde

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 2 Min.

An einem Samstag im Januar 2019 wurde in einem Autoverleih in Woodbridge, New Jersey, ein Mann beim Klauen von Süßigkeiten erwischt. Anschließend versuchte er, einen Polizisten mit einem Auto umzufahren. Zu der Zeit arbeitete Nijeer Parks etwa 30 Meilen entfernt von ihm in einem Lebensmittelgeschäft.

Der Mann im Autoverleih war Schwarz, trug eine schwarze Jacke und zeigte auf die Bitte nach einem Ausweis hin einen falschen Führerschein. Dann entkam er in seinem Mietwagen, rammte ein Polizeiauto und erwischte beinahe einen Polizisten.

Einen Monat später erhielt Nijeer Parks eine Anzeige. Er soll dieser Mann in der schwarzen Jacke gewesen sein. Auf ihn gekommen war eine Gesichtserkennungssoftware der örtlichen Polizei. Das Foto vom falschen Ausweis war in das Programm eingespeist worden - und das verwies auf Parks. Er wurde festgenommen und musste zehn Tage im Gefängnis verbringen. Im November 2019 wurde der Fall schließlich wegen mangelnder Beweise fallengelassen.

Doch Parks gab sich damit nicht zufrieden: Der 33-Jährige verklagt nun die Polizei, die Staatsanwaltschaft und die Stadt Woodbridge, weil er fälschlicherweise im Gefängnis festgehalten worden war. Das berichtete die »New York Times«.

Dies ist bereits der dritte bekanntgewordene Fall, in dem ein unschuldiger Schwarzer Mensch aufgrund von fehlerhafter Gesichtserkennung festgenommen wurde. Eine Studie fand 2019 heraus, dass über 100 verschiedene Gesichtserkennungsprogramme bei Schwarzen und Menschen aus dem asiatischen Raum schlecht funktionieren. Im Falle von Nijeer Parks war die Software von Clearview im Einsatz. Diese hat mehr als drei Milliarden Bilder in der Datenbank. Die meisten wurden von öffentlich zugänglichen Quellen auf Youtube oder Facebook übernommen. Mehr als 600 Behörden sollen Clearview nutzen, darunter das FBI, das US-Heimatschutzministerium und Dutzende Polizeidienststellen. Im Februar wurde die Kundenliste geklaut.

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