Lipa und Kara Tepe

Europas Elend

Sebastian Bähr über die Lager Lipa und Kara Tepe

Von Sebastian Bähr

Für die Geflüchteten an Europas Grenzen beginnt das neue Jahr, wie das alte geendet hat - mit Kälte, Elend und Ungewissheit. Besonders im bosnischen Flüchtlingslager Lipa spitzt sich momentan die Lage zu. Die Internationale Organisation für Migration hatte den Ort eigentlich kurz vor Weihnachten geschlossen, weil er nicht winterfest war. Es gab weder ausreichend Strom, Wasser noch Heizwärme. Dann brach dazu noch ein Brand aus, der den Großteil der Infrastruktur zerstörte. Seitdem sitzen die rund 1400 Schutzsuchenden in Lipa fest - und frieren bei eisigen Temperaturen und Schnee. Die bosnische Armee wollte am Neujahrstag zwar Zelte aufstellen, doch mehr als die größte Not dürfte auch das nicht lindern.

Nicht weit entfernt nimmt auch im Flüchtlingslager Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos das Elend seinen Lauf. Rund 7500 Menschen, darunter Kinder, Schwangere und Kranke, hausen hier unter menschenunwürdigen Bedingungen. Sie teilen sich Dixie-Klos, die bei Stürmen umfallen, und Duschen, von denen nur ein paar warmes Wasser haben. Regenmatsch, Suizidversuche, Krätze und Hoffnungslosigkeit bestimmen den Alltag. Kara Tepe sei noch schlimmer als das ehemalige, bei einem Großbrand zerstörte Lager Moria, warnen Hilfsorganisationen.

Der EU sind diese Hilfeschreie natürlich bewusst. Was man trotz der Krokodilstränen führender Politiker und der Propaganda des Staatenbundes nicht vergessen darf: Lipa und Kara Tepe sind absichtlich erzeugte Bilder - mit dem Ziel der Abschreckung weiterer Schutzsuchender. Das durch unterlassene Hilfeleistung geschaffene Elend und auch der Tod der dort untergebrachten Geflüchteten werden in Kauf genommen, um die Abschottung Europas aufrechtzuerhalten. Auch 2021 werden diese Zustände nicht von alleine verschwinden. Eine Chance auf Humanität gibt es nur durch breiten zivilgesellschaftlichen Widerstand.

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